Papst Besuch in Deutschland

Oder: Was unsere Würdenträger nicht zu sagen wagen,

weil sie viel zu sehr mit dem Zeitgeist schmusen!

 

Dpa-Meldung vom 10. September 2006:

 

München - Zum Auftakt seines umjubelten Bayern-Besuchs hat Papst Benedikt XVI. die westliche Welt zur Rückbesinnung auf die christlichen Werte aufgefordert. "Es gibt eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser Zeit leiden", sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag in München bei einem großen Open-Air-Gottesdienst vor 250.000 Menschen. Was über Gott gesagt wird, scheine nicht mehr in unsere Zeit passend, beklagte Joseph Ratzinger in seiner ersten Predigt während seines sechstägigen Besuches in Bayern.

Kritik an Aids-Engagement

Indirekt kritisierte Benedikt XVI. die katholische Kirche in Deutschland, die sich in Afrika und Asien mehr für soziale als für missionarische Projekte einsetze. Er nannte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Immunschwächekrankheit Aids, die nur über die Maßstäbe des Evangeliums "von den tiefen Ursachen her" bekämpft werden könne. Das Soziale und das Evangelium seien nicht zu trennen, betonte der Papst.

"Die Welt braucht Gott"

Die westliche Welt habe in ihrer Vernünftigkeit den Glauben an Gott verloren, sagte Benedikt XVI. Er sprach vom Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansehe und Nutzen für zukünftige Erfolge der Forschung zum letzten ethischen Maßstab erhebe. "Die Welt braucht Gott. Wir brauchen Gott", sagte der Papst am Ende seiner Predigt.

Anhänger warteten seit Mitternacht

Zu den Teilnehmern der Messe bei strahlendem Sonnenschein gehörten neben Bundespräsident Horst Köhler auch mehr als 100 Kardinäle und Bischöfe aus zahlreichen Ländern. Schon beim Eintreffen auf dem Messegelände und der anschließenden Fahrt im Papamobil durch die Reihen der Gläubigen war der Papst mit großem Beifall, Jubel und "Benedetto"-Rufen begrüßt worden. Die ersten Gläubigen hatten sich bereits um Mitternacht vor den Toren der Neuen Messe in München-Riem eingefunden.

Köhler wünscht sich ökumenischen Fortschritt

Bundespräsident Horst Köhler äußerte sowohl in seiner Begrüßungsansprache als auch bei einem Treffen mit dem Papst den Wunsch nach einer Annäherung der evangelischen und katholischen Kirche. In seiner Erwiderung sagte der Papst, vom Manuskript abweichend: "Sie sprechen mir aus dem Herzen. Auch wenn man 500 Jahre nicht einfach bürokratisch oder durch gescheite Gespräche beiseite schieben kann - wir werden uns mit Herz und Verstand darum mühen, dass wir zueinander kommen."

Bei einer Vesper am Sonntagabend im Münchner Liebfrauendom appellierte der Papst an Eltern, Religionslehrer und Seelsorger, in Familie, Schule und Pfarrgemeinde der Jugend den christlichen Glauben als "Quellgrund des Lebens" zu erschließen.

Anschlag auf Papst-Geburtshaus

In der Nacht zum Sonntag haben Unbekannte auf das Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. in Marktl eine Farbbeutel-Attacke verübt. Nach ersten Ermittlungen flogen zwischen 4.30 Uhr und 5.00 Uhr zwei blaue Farbbeutel gegen die Fassade des am Marktplatz gelegenen Hauses. Eine Streife der örtlichen Polizei entdeckte die Farbflecken am Sonntagmorgen. Über den oder die Täter und das Motiv gab es zunächst keine Erkenntnisse. (go/dpa)