Lösung oder Endlösung?

 

Jeder Mensch muss sich fragen - wenn er dazu überhaupt in der Lage ist - ob er zu den Menschen zählt die echte Lösungen suchen, oder ob er mehr ein Mensch der Endlösungen ist, die man verharmlosend als Lösungen bezeichnet. Wer z.B. zu Abtreibungen vorschnell ja sagt, oder dazu schweigt, der beteiligt sich ganz offensichtlich an der Millionenfachen Endlösung unschuldigen Lebens. Es ist doch merkwürdig einerseits die Endlösung der Juden zu verurteilen, gleichzeitig aber nicht zu bemerken wie sehr man sich an der Endlösung der Babyfrage aktiv oder passiv schuldig macht.  Die proklamierte Untreue durch die massive Verbreitung von Pornografie hat uns bislang fast so viele Tote wie der 2. Weltkrieg beschert und noch mehr infizierte. Auch an dieser Endlösung des Bösen arbeiten wir mit, wenn wir nicht endlich über uns selbst erschrecken und zu Gott umkehren! Die Tiere haben wir weitestgehend aus dem öffentlichen Leben ausgeblendet und lassen sie in KZs vegetieren. Auch diese Endlösung ist Dekadentdemokratisch geprägt! Oder schauen wir uns nur die Gleichschaltung unserer Medien an, die gleichzeitig ihrer Meinungsvielfalt betonen. Wie sehr arbeiten wir an dieser Endlösung mit, weil wir ihnen nicht die Nachfrage entziehen….

 

Artikel in der Rhein-Zeitung vom 28. 1. 98
Von Admin, am 13.06.2003 21:35:34
 

Umstritten, aber expansiv: Drogenmagazine
Journale über den Joint
Darmstadt (dpa) - Die einen halten sie für längst überfällige "Aufklärer" und wichtige "Szeneplattformen". Andere sehen in ihnen gefährliche Jugendverführer, die verboten gehören. Selten hat eine Zeitschriften-Gattung die Meinungen so gespalten wie einige der jüngeren Produkte an Deutschlands Kiosken: die Drogenmagazine. Vier Titel rangeln seit 1995 um die Gunst der Leser; gemessen an den Auflagen greifen bislang allerdings nur wenige der angeblich vier Millionen deutschen Cannabis-Konsumenten zu den "Kiffer"-Magazinen.
Eine junge Frau raucht einen Joint: Angeblich konsumieren vier Millionen Deutsche Cannabis, das aufgrund seiner berauschenden Wirkung als jugendgefährdend gilt.
Zu den auflagenstärksten gehören "Highlife" mit Sitz im südhessischen Erbach und "Hanf" in Freiburg mit einer gedruckten Auflage von jeweils 60.000, dicht gefolgt von der in Darmstadt erscheinden Zeitschrift "Grow" mit einer Auflage von 55.000 Exemplaren. Doch knapp die Hälfte davon dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern am Monatsende in den Reißwolf wandern. Das erste Drogen-Magazin, das 1994 gegründete und in Lübeck erscheinende Blatt "Hanfblatt" bescheidet sich mit 10.000 verkauften Exemplaren.

Michael Brenner von der Initiative "Jugend Umwelt Tier" im nordbadischen Neckargemünd sind die Drogenblätter ein Dorn im Auge. Er will sich nicht damit abfinden, daß Zeitschriften an Kiosken offen ausliegen dürfen, in denen Jugendliche "massiv zum Haschisch-Gebrauch animiert" würden. Mit seinem Versuch, "Grow" als jugendgefährdend einstufen zu lassen, war er 1997 gescheitert. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften räumte zwar ein, daß "Grow" eine positive Haltung gegenüber Drogen einnehme, gestand den Blattmachern aber zugleich zu, vor falschen Gebrauch von Drogen zu warnen.
Aufklärung oder Verführung
Auch wenn die Herausgeber bei Angriffen von Anti-Drogen- Initiativen immer wieder den Aufklärungscharakter ihrer Magazine beteuern - den Blättern ist deutlich die Liebe ihrer Macher zur Cannabis-Pflanze, der Lieferantin von Haschisch und Marihuana, anzumerken. Der Geschäftsführer des Darmstädter Hanf-Verlags, in dem "Grow - das Marijuana-Magazin" erscheint, Marcus van der Kolk, macht daraus keinen Hehl: "Unsere Zeitung ist für eine Legalisierung von Cannabis-Produkten. Dieser Bereich muß endlich entkriminalisiert werden", fordert er.
Und seine Kollegin von "Highlife" in der Odenwaldkreisstadt Erbach, Liane Probst-Simon, meint: "Wir wollen, daß auch Leute außerhalb der Szene ein entkrampfteres Verhältnis zu Cannabis bekommen". Andere Drogen lehnt sie strikt ab, weshalb sie für ihr Magazin auch den Begriff "Drogenmagazin" zurückweist. Andere Magazine setzen sich hingegen schon mal mit der Partydroge Ecstasy auseinander. Die harten "Kaputtmacher-Drogen" Heroin und Kokain sind hingegen bei allen vier Blättern gleichermaßen tabu.


Startkapital von den "Ärzten"
"Grow" ist aus der Darmstädter "Haschisch-Bewegung" hervorgegangen. Als die Initiative bekennender Cannabis-Konsumenten zunehmend auf bürokratischen und polizeilichen Widerstand stieß und letztlich daran scheiterte, entschied sich der Rest der damaligen "AG Hanf" für die Herausgabe einer Zeitung. Man wollte, berichtet van der Kolk, "Infos direkt aus der Szene geben - sozusagen von Usern (Drogenkonsumenten) für User". Das Startkapital bekamen sie von der Punk-Gruppe "Die Ärzte".
Ähnlich war auch die Motivation von "Hanfblatt"-Herausgeber Mike Barten: "Mir fiel irgendwann auf, daß es ein solches Blatt noch gar nicht gibt. Ich wollte eine normale Zeitschrift herausgeben - wie Blätter für Angler, Tennisspieler und Radfahrer." Heute erinnert sein Blatt hingegen über weite Strecken eher einer Garten-Zeitschrift - mit Anbau-Tips für Cannabis-Pflanzen, Ratschlägen für den "Indoor- Anbau" (Pflanzenzucht in Wohnungen) und Werbung für Dünger und "Blühleuchter".


Risiken einer psychischen Abhängigkeit
Leser erhalten in den Magazinen ferner Antworten auf die Frage "Wie sag' ich's meinem Kind", erfahren etwas über "Tricks der Polizei" bei Drogenermittlungen und bekommen Informationen über die besten der rund 500 "Head-" und "Grow-Shops" in Deutschland, in denen Rauchzubehör für Haschisch- und Marihuana-Konsumenten sowie Zubehör für den - allerdings verbotenen - heimischen Cannabis-Anbau angeboten wird. Bis Ende 1997 waren dort auch Cannabis-Samen zu erstehen; das hat allerdings der Gesetzgeber kurz vor Weihnachten untersagt.
Vor allem "Grow", zum Teil auch "Highlife", widmet darüberhinhaus Berichten über die verschiedenen Musikszenen und Festivals viel Platz. Die in Freiburg erscheinende "Hanf" versteht sich in erster Linien als politische Plattform der Legalisierungs-Befürworter. Die Redaktionen aller Blätter fragen darüberhinaus auch schon mal kritisch nach den Auswirkungen von Marihuana auf die Gehirnfunktion und diskutieren mögliche Risiken einer psychischen Abhängigkeit beim Cannabis-Konsum. Archivfoto: dpa

 

Kultur oder so


Rain, Steam, and Speed

Pornographie und Rassismus in Comics

Daß Comics nicht nur "Mickey Mouse & Co." bedeutet, dürfte sich mittlerweile ja herumgesprochen haben, daß aber auch exzessive Gewaltdarstellungen, gemischt mit pornographischen (im schlimmsten Fall kinderpornographischen) und rassistischen Elementen, Einzug in die Neunte Kunst gefunden haben, ist der Gesellschaft weitgehend unbemerkt geblieben.

Fast jeder Comicverlag Deutschlands, darunter auch einige große bekannte Verlage, führt Comics, deren Inhalt in jeder anderen Medienform niemals durch die Zensur gekommen wäre. Die Darstellungen brutalster Gewalt und Vergewaltigungen werden ebenso stillschweigend zur Kenntnis genommen und akzeptiert, wie die Tatsache, daß selbst Kinder zu Opfern solcher Taten werden. Im englischen "Skin"-Comic, den der Autor Brendan McCarthy als den besten Comic Englands tituliert, werden die Taten eines 15jährigen contagangeschädigten Skins beschrieben, der unter anderem dem Chef einer Contagan produzierenden Firma die Arme abhackt und sich selber an den Körper bindet. Im Vorwort des Comics steht dazu, daß das Heft bewußt obzön und schockierend gewollt war. Ein anderes Beispiel sind die allseits bekannten und beliebten Beavis und Butthead-Geschichten. Diese erscheinen nämlich nicht nur nachts im Fernsehen, sondern sind neuerdings auch für Kinder und Jugendliche in Bücher- und Comicläden erhältlich. Und daß die Comics nicht ganz so harmlos sind, gab selbst MTV-Chef Sumner Redstone in einem "Spiegel"-Interview zu. So bezeichnete er die Serie als eine "Parodie, einen Angriff auf Intoleranz, Bigotterie und Rassismus in unserer Gesellschaft. Kleine Kinder sollten sie dagegen nicht sehen, sie könnten die Satire nicht erkennen." Nun mag diese Kontrolle durch späte Sendezeit bei der TV-Serie zutreffen, die Comicheftchen, die genauso brutal und sexistisch sind, unterliegen keiner Kontrolle. Unabhängig von dieser Tatsache, muß man sich aber auch fragen, inwieweit das qualvolle Töten von Fröschen oder das Degradieren von Frauen zu Objekten eine Kritik an der Gesellschaft ist. Hier muß leider Satire als Entschuldigung für einen fragwürdigen, aber sehr erfolgreichen Inhalt herhalten. Völlig außer Frage steht der sexistische Inhalt zahlreicher Comics von Serpieri. Hier ist die Frau nur ein Objekt und Opfer zahlreicher Vergewaltigungen, auch durch Dämonen.

Hier besteht also Handlungsbedarf, doch anscheinend bestätigt sich die These, daß Handlungsbedarf erst dann entdeckt wird, wenn Handlungsbedarf geweckt wird. Kein Mensch kümmert sich um ein Problem, bis es erst deutlich in den Medien erscheint. Und an dem Punkt setzt Michael Brenner, Gründer des Vereins "Menschen, Umwelt, Tiere", kurz MUT, an, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft zu erreichen. Der erst junge Verein aus Neckargemünd sucht in Rundfunk und Fernsehen den öffentlichen Kontakt. Brenner hat aber auch mehrmals die verschiedensten Verlage der Pornographie oder der Gewaltverherrlichung angezeigt. Bisher jedoch ohne jeden Erfolg. Die Entschuldigungen der Verlage oder die Antworten der Staatsanwaltschaft lesen sich amüsant, stimmen aber nachdenklich bei der Brisanz des Themas. Die Standardausrede ist ebenso schlicht wie wirksam: Der Inhalt des Comics wird zu Kunst erhoben, und Kunst braucht sich nicht zu rechtfertigen und steht außerhalb jeder Kritik. Unter diesem Mantel erlauben sich Comicverlage fast alles. Die Staatsanwaltschaft kann nichts machen, sie hält die Comics entweder für Kunst oder nicht grob aufdringlich. Und wenn einmal die Staatsanwaltschaft einen Comic findet, der Kinderprostitution und Gewaltanwendungen verharmlost, so sind ihr die Hände gebunden, da meistens der Comic nicht von der Bundesprüfstelle (BPS) indiziert oder nicht in die Liste der vorausindizierten Periodika aufgenommen ist. Aber die BPS kann nicht von sich aus indizieren: Sie kann erst auf einen Indizierungsantrag hin aktiv werden, und darf selber keine Anträge stellen. Bei der derzeitigen Flut von Comics ein aussichtsloser Kampf, der zeigt, daß das Marktrecht höher steht als der Schutz der Gesellschaft. Dabei fehlt es nicht einmal an den richtigen Gesetzen, aber solange man derartige Comics als nicht ernstzunehmende Parodie oder Subkultur verharmlost, solange wird die dünne Ozonschicht des Selbstschutzes von Kindern durch Objektdenken bombardiert und Prostituierungstendenzen preisgegeben. Brenner wünscht sich auch deshalb, "daß angesichts eines dramatischen Ablaufs gegen die Schöpfung Gottes sich immer Menschen für den Schutzgedanken Mensch, Umwelt, Tier einsetzen."(jr)

Comic und Zensur

Saubermänner räumen mit der Holzhammermethode auf

Wieder einmal muß man sich als Comicfreund den Vorwurf gefallen lassen, daß Comics unsere deutsche Jugend verderben. Der christlich-fundamentalistische Ein-Mann-Verein MUT (Menschen-Umwelt-Tiere) von Michael Brenner, auch bekannt durch seine Bemühungen die Jugendzeitschrift BRAVO vor die Schranken der Gerichte zu bringen, hat endlich ein offenes Ohr für seinen Kampf gegen die Dekadenz in unserer Gesellschaft gefunden. Dieses offene Ohr, in Gestalt des Oberstaatsanwaltes Hönninger von Meiningen, hat kurz vor Ostern dieses Jahres auf eindrückliche Weise demonstriert, daß es bereit ist, den Klagen des Möchtegernweltverbesserers Michael Brenner nicht nur andächtig zu lauschen, sondern auch Taten folgen zu lassen.

Pleiten, Pech und Pannen
Der erste Streich war die Durchsuchung der Räume des Sonneberger Verlagsauslieferung Packwahn und die Konfiszierung Comics unterschiedlichster Couleur am 25. Juli vergangenen Jahres. Der zweite Streich war eine bundesweite Aktion, in der über 1000 Buchhandlungen auf pornographische und gewaltverherrlichende Comic-Literatur durchsucht und ganze Warenlager von Comics beschlagnahmt wurden, obwohl die offizielle Order nur darin bestand, nachzusehen, ob angeblich pornographische und gewaltverherrlichende Comics der angezeigten Verlage so aufgestellt waren, daß sie für Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugänglich gemacht werden. Anscheinend dachten sich die Polizeibeamten, wenn schon eine Überschreitung der Kompetenzen, dann richtig und nahmen auch Werke mit, die überhaupt nicht auf der Schwarzen Liste des Herrn Oberstaatsanwaltes standen, wie beispielsweise Erich Rauschenbachs Cartoon LAUTER EROGENE ZONEN, dessen Inhalt nicht das hält, was der Titel verspricht.

Eine neue Dimension der Peinlichkeit erhalten diese Pannen, wenn man bedenkt, daß der ersten Razzia der Comic SCHREI NACH LEBEN des jüdischen Autors Martin Gray wegen Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts zum Opfer fiel. Genau dieser Comic wird in einem Projekt des Landes Thüringen an Schulen eingesetzt, um der Ausbreitung rechtsextremer Tendenzen entgegenzuwirken. Dasselbe Schicksal erlitt ein Poster von MAUS, der Geschichte eines Auschwitz-Überlebenden aus der Feder des Pulitzer-Preisträgers Art Spiegelman.
Einer der hauptbetroffenen Autoren der zweiten Beschlagnahmungsaktion ist Ralf König. Sein Comic KONDOM DES GRAUENS, das übrigens mit Starangebot verfilmt wurde und dieser Tage in die Kinos kommt, wurde auch einkassiert. Laut Oberstaatsanwalt Hönninger seien die Arbeiten von Ralph König pornographisch, wegen ihres sexuellen Inhaltes. Auf gut deutsch heißt das: homosexueller Inhalt ist gleichbedeutend mit Pornographie. Böswillige Menschen könnten hier eine Parallele zu der nicht allzu fernen deutschen Vergangenheit ziehen.

Anscheinend hat die Oberstaatsanwaltschaft die Recherchen im Vorfeld etwas vernachlässigt, denn keines der beschlagnahmten Werke war von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdene Schriften (BPS) indiziert bzw. auf eine jugendliche Leserschaft ausgerichtet. Ein Antrag auf Indizierung der Werke Ralf Königs beispielsweise wurde von dieser Instanz gerade abgelehnt, da nach einer Stellungnahme von Prof. Dr. phil. Dr. jur. Rüdiger Lautmann, dem Leiter des Institutes für empirische und angewandte Soziologie der Uni Bremen, die sexuell expliziten Geschichten des Ralf Königs "in Wirklichkeit hochmoralisch" sind und wer das nicht versteht, wird hier überhaupt nichts verstehen und die Lektüre abbrechen; so jemand kann also auch nicht moralisch verdorben werden. Aber das interessiert einen Michael Brenner, der gegen den Alpha-Comic-Verlag geklagt hatte, weil er extremste Frauenverachtung in deren Werken entdeckte, wenig; einem Meininger Oberstaatsanwaltes ging es ebenso.

Erstaunlich ist bei der ganzen Aktion, daß sich dieser Oberstaatsanwalt keine richterliche Beschlagnahmungserlaubnis besorgte, sondern statt dessen von 'Gefahr im Verzug' sprach. Damit entzog er sich auch der Notwendigkeit einen Richter von der geplanten Aktion in Kenntnis zu setzen. Dieses Vorgehen wird normalerweise eingesetzt, wenn Drogenhändler mit einer Wagenladung von Rauschgift erwischt werden. Bei Büchern, die schon seit Jahren auf dem Markt sind und sich bereits in hohen Auflagenzahlen verkauft haben, wirkt diese Argumentation etwas fragwürdig. Dazu kommt dann noch, daß die Polizeibeamten angewiesen wurden, sich nicht als solche erkennen zugeben. Es war zwar keine Nacht und Nebel Aktion, aber fraglos juristisch, milde formuliert, unsauber.

Eine Zensur findet nicht statt - oder doch?
Gerade der letztgenannte Vorwurf des Oberstaatsanwaltes macht deutlich, daß wieder einmal (pseudo-)christlicher Wertekonservatismus gegen die Freiheit der Kunst steht. Aber aufgrund der Erfahrung mit dem Tausendjährigen Reich haben sich die Väter des Grundgesetzes gegen eine Zensur entschieden (GG Art. 5: "Eine Zensur findet nicht statt." Abs. (3): "Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei." Und das sollten die Leute, die sonst immer auf die Unfehlbarkeit des Gesetzes pochen, auch beachten. Allerdings gibt es auch noch die Einschränkung in Absatz 2 des gleichen Artikels, die da lautet: "Diese Rechte finden ihre Schranken in den (...) gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."

Nun ist es prinzipiell wünschenswert und richtig, daß es die Bundesprüffstelle für jugendgefährdende Schriften gibt, die untersucht, ob Literatur oder auch Filme für Jugendliche und Kinder geeignet sind. Daß dies natürlich von den persönlichen Wertevorstellungen der Mitglieder dieser Institution abhängig ist, ist letztendlich nicht weiter tragisch, da man sich dort um eine Intersubjektivität bemüht, um der Freiheit der Kunst und dem Jugendschutz gleichzeitig gerecht zu werden.

Comics - Opium für die Kinderstube
Es ist auch nicht das erste Mal, daß die These geäußert wird, daß Comics Gewalt verherrlichen und zur Ausübung derselben auffordern. 23 Jahre nach der Bücherverbrenung der Nazis gab es die erste sog. Schmökergrab-Aktion in der Bundesrepublik, die eine Comic-Verbrennung zur Folge hatte, damit die Jugend vor dem verderbliche Einfluß der Comics bewahrt bliebe. In Amerika gab es zur Zeit der Mc Carthy Ära, in der man sowieso zur Hysterie neigte, eine ähnliche Debatte. Um den Attacken ihrer Gegner zu entkommen führten die Verlage eine Selbstzensur ein.
Dieser sog. Comic-Code sollte allzu übertriebene Gewaltszenen und natürlich auch solche pornographischer Natur unterbinden. Die Durchsetzung des Codes führte dann teilweise zu skurrilen Auswüchsen, bei denen Leute mit einer wegretuschierten Pistole erschossen wurden.
Nach Auffassung der Medien steigt in unserer Gesellschaft die Zunahme der Gewalt bei Jugendlichen an, aber dies allein auf die Lektüre von Comics zurückzuführen ist etwas kurzsichtig, wenn man bedenkt, daß die Comicverlage über eine Vergreisung ihrer Zielgruppe klagen. Außerdem ist der ursächliche Zusammenhang zwischen Gewalt in den Medien und gewalttätigen Jugendlichen nicht bewiesen. Einfach zu behaupten, daß dieser bestehe, weil das eine vor dem anderen war, ist einer der klassischen Fehler im logischen Denken.
Man sollte vorsichtig bei Pauschalurteilen über Comics sein, denn dieses Medium bietet die gleiche Bandbreite wie jedes andere. Neben den Lustigen Taschenbüchern von Walt Disney sind sog. Erwachsenencomics erhältlich, deren Inhalte Jugendliche nicht interessieren bzw. sie durchaus in ihrer sittlichen Werdephase gefährden könnten. Es gibt auch Pornocomics, aber eben nicht in Buchhandlungen, sondern in Sexshops.

Die Folgen
Für den Alpha-Comic-Verlag, der dem Prozeß gelassen entgegenblickt, hat diese Sache einen enormen Imageverlust zu Folge, da das mühsam aufgebaute Vertrauen zu den Buchhandlungen zunichte gemacht wurde. Und da hilft es dann auch wenig, wenn der Börsenverein des deutschen Buchhandels von Zensur und Willkür spricht und der Staatsanwaltschaft die Blamage ihres Lebens prophezeit, denn von einer irgendwie gearteten Wiedergutmachung der ideellen und finanziellen Schäden ist selbstverständlich nicht die Rede. Die betroffenen Buchhandlungen werden sich auf der anderen Seite auch ernsthaft überlegen, ob sie wieder Comics in ihr Sortiment aufnehmen, da sie dann befürchten müssen wieder von wildgewordenen Moralwächtern besucht zu werden.
Meine persönliche Erfahrung mit den Knollennasencomics von Ralf König ist, neben Freude am lesen, ein Zugewinn an Sympathie und Verständnis für die Schwulenszene, das die ganzen Positiv-Klischees der Political-Correctness Welle nicht erreicht haben. Wer von diesen Comics seelisch aus dem Gleichgewicht gebracht wird, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Jedenfalls habe ich keine Lust in Zukunft in den Comicläden nur noch christlich -fundamentalistische Comics vorzufinden.
(wurm)

Michael Brenner, Gründer und Vorsitzender des MUT e.V.), bekannt dafür, ein sensibles Thema wie den Schutz von Kindern von sexuellem Missbrauch für die Verbreitung seiner christlich-fundamentalistischen Überzeugungen zu instrumentalisieren, sah seine Chance, und ein Reihe von Medien stürzten sich gierig auf das Thema: Endlich schien die Möglichkeit nah, den verhassten Freiburger Nacktläufer in die Nähe von Schmutz und Schmuddelkram rücken zu können und durch die Diskriminierung seiner Person auch die Bewegung zu treffen.

 Am 19. Januar dieses Jahres erhielt der Nacktläufer einen anonymen Anruf: Eine Männerstimme teilte ihm in freundlichem Ton mit, er möge "auf der Hut sein", denn es gebe Kräfte in Freiburg, denen er langsam so auf die Nerven gehe, dass man nach Möglichkeiten suche, ihm etwas anzuhängen, damit "mal Ruhe" sei. Der Nacktläufer setzte damals eine Belohnung für konkrete Hinweise auf derartige Machenschaften aus, und die "Ratten" verschwanden zunächst wieder in ihren Löchern.

 Nun erhält diese anonyme Warnung durch eine Reihe von auffälligen "Aktivitäten" Freiburger Behörden und ihre Kumpanei mit religiösen Fanatikern wie Michael Brenner eine neue Aktualität: Da wird ein Ermittlungsverfahren gegen den Nacktläufer eingeleitet, weil ein Nacktspaziergang mit 5 (!) Leuten in der Freiburger Innenstadt als "Nicht angemeldete Versammlung unter freiem Himmel" eingestuft wird (immerhin ein Straftat). Da wird ein Strafbefehl über DM 3.300,- gegen den Nacktläufer erlassen, weil ein Mann, auf einer vielbefahrenen Straße in seinem Auto sitzend, gehört haben will, dass der Nacktläufer ihn "Dummkopf" oder "Arschloch" genannt habe! Und dann gibt es eine Anzeige von Michael Brenner wegen "sexuellen Missbrauchs von Kindern", weil der Nacktläufer ein Szenenfoto aus einer im Mai 1999 ausgestrahlten Sendung des Nachrichtenmagazins BLITZ (SAT1), übrigens ausgestrahlt um 18.15 Uhr, auf seine Homepage gestellt hat, das einen etwa 10jährigen Jungen zeigt, der dem Nacktläufer den Stringtanga vom Körper wegzieht. Der Nacktläufer, der gerade ein Eis ißt, kann sich gegen diese "Attacke" gar nicht wehren, und die Fernsehkameras "halten drauf"! Das Foto soll zeigen, dass Kinder, entgegen den heuchlerischen Einwänden fundamentalistischer Kinderschützer, keineswegs "Angst" vor dem Nacktläufer haben, sondern sich über seinen Aufzug schlicht "kaputtlachen".

 Die Strategie der Behörden ist mehr als durchsichtig: Nachdem Psychiatrisierungsversuche und der Versuch der Vernichtung der Existenz durch Berufsverbot nicht gelungen sind, soll nun der Nacktläufer kriminalisiert werden (damit man dann sagen kann: "Das ist doch ein gewöhnlicher Krimineller!"), und dazu sind eben notfalls auch groteske Anschuldigungen halbseidener Zeugen Recht. Aber welches journalistische Ethos haben die verantwortlichen Redaktionsleiter einer Zeitung, die einen Bericht über dieses Foto mit der Titelzeile "Pädophiler Nacktläufer?" versehen?

Dr. Peter Niehenke
22. Juli 2001

Pornographie: Behördliche Aufklärungsschriften enthalten Anregungen für Pädophile
Erzieher sollen Sexspiele anleiten
(idea)

Kinderpornographie gibt es nicht nur im Internet; selbst Aufklärungsschriften von Bundesbehörden enthalten Anregungen für Pädophile. Darauf hat jetzt der Verein "Menschen, Umwelt, Tiere" (MUT) in Neckargemünd bei Heidelberg hingewiesen. Unter dem Deckmantel von Sexualpädagogik würden sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern als normal dargestellt, kritisiert MUT.

Nach Angaben des Vereins empfehlen sowohl der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) in Bonn als auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln einen "Sexpack" für Erzieher, der zu sexuellen Spielen auffordere. Ihre Literaturlisten enthielten Publikationen wie das Buch "Sexfront" mit kinderpornographischen Abbildungen.

Die Pro-Familia-Vertriebs GmbH verbreite die Serie "Mein heimliches Auge", die in der Aufklärungsrubrik pornographische Darstellungen zwischen Kindern und Erwachsenen sowie von Kindern und Tieren enthalte. Dagegen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main. In der auch von Pro Familia –Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung verantworteten Publikation "Lieben, Kuscheln, Schmusen" würden Erzieher aufgefordert, Kinder zu Sexspielen anzuleiten.

Die in vielen FKK-Zeitschriften gedruckten Großaufnahmen kindlicher Geschlechtsteile hätten zwar vor einem Jahr zur teilweisen Indizierung durch die Bonner Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften geführt, seien aber nach wie vor nicht verboten und könnten in Deutschland oder Holland bestellt werden.

Nach Ansicht des MUT-Vorsitzenden Michael Brenner tragen viele Medien dazu bei, daß der Respekt vor Kindern immer mehr abnehme. So würden in Sex-Illustrierten Kinderpuppen "mit drei Lustöffnungen" angeboten. Dadurch würden pädophile Erwachsene in ihren Neigungen bestärkt und zu kriminellen Handlungen angeregt. Mitschuld an dieser Entwicklung seien auch vermeintlich fortschrittliche Parteien wie die Bündnisgrünen. So hätte das Wahlprogrammm der Öko-Partei bis 1995 die Forderung nach straffreier Anerkennung sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern enthalten, wenn dies im Einvernehmen geschehe.

Brenner plädiert für eine Reform des Paragraphen184 Strafgesetzbuch, der die Verbreitung pornographischer Schriften regelt. Bisher verbiete der Gesetzgeber nur harte Kinderpornographie, die sexuelle Manipulationen zeige. Weiche Pornographie, zu der auch das Zeigen von Geschlechtsteilen gehöre, sei hingegen erlaubt.

Künftig müßte auch das Herstellen, Verbreiten und Beziehen von Nacktaufnahmen mit Minderjährigen bestraft werden können, wenn sie die Sexualität des Betrachters anstacheln sollen. Entsprechende Vorstöße beim Bonner Justizministerium seien bisher jedoch erfolglos geblieben, kritiserte der MUT-Vorsitzende gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig (FDP) befürchtete Klagen gegen Baby-Reklame in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen. Nach Ansicht Brenners lassen sich jedoch die Tatbestände im Interesse eines wirksamen Schutzes von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung genau beschreiben.

Der Verein Menschen, Umwelt, Tiere ist unter anderem mit Straf- und Indizierungsanträgen gegen menschenverachtende Darstellungen in den Medien aktiv geworden. In mehr als 30 Fernsehsendungen warb Brenner um Unterstützung für seine Aktionen zum Schutz von Kindern.


Niemand hat ein Recht auf Perversion!"

Michael Brenner über Kinder, Comics und Kondome

Ganze 16 Mitglieder zählt sein Verein "Menschen-Umwelt-Tiere e.V." Dennoch hat der Dilsberger Michael Brenner, 37, mit der von ihm initiierten Comic-Beschlagnahme im April die bundesrepublikanische Medienlandschaft aufgemischt.

ruprecht: Herr Brenner, Sie sehen sich nach der Osteraktion in der Presse verschiedentlich falsch dargestellt. Was sind die wahren Ziele des "MUT e.V."?

Brenner: Der Kampf gegen Kinderpornographie beispielsweise. Schaut Euch mal diese Bilder an. (zeigt Fotos) Und jetzt sagen die Pornohändler, die das haben, das ist keine Kinderpornographie, weil ein Erwachsener auf diesen Photos nicht zu sehen ist. Und wenn das Kind isoliert von Erwachsenen betrachtet wird, dann ist es nicht mehr Kinderpornographie. Und dementsprechend haben die auch Erfolg mit ihren Postern, Dias, Illustrierten, Videos. Dagegen kämpfe ich seit sechs Jahren intensiv, dagegen habe ich zahllose Eingaben gemacht, und die Bundesprüfstelle schreibt, daß die Würde der abgelichteten Kinder und der Kinder allgemein durch solche Abbildungen in eklatanter Weise verletzt werde, daß man aber aufgrund der bestehenden Rechtslage nicht indizieren könne. Das heißt also, diese Kinderpornographie wäre von der Rechtslage angeblich nicht erfaßt, obwohl ein Mensch mit nur ein bißchen Bewußtsein erkennt, was sich hier abspielt. Das Auge der Kamera ist immer in Geschlechtsteilhöhe, Vierfarbdruck und, und, und, da gibt's tausend Sachen zu sagen, woran man erkennen kann, es ist Kinderpornographie. Das sollte längst verboten sein. Jetzt habe ich das Versprechen von mehreren Ministerien bekommen, daß sich in dieser Legislaturperiode etwas ändern wird. Allerdings klopfe ich da schon sechs Jahre an, und die haben es nicht besonders eilig damit.

Eine andere Variante ist z.B. das "Zeig mal"-Buch. Da steht etwa, daß sie in Holland dreißig Probanden gehabt hätten, die als Kinder sexuelle Beziehungen zu Erwachsenen gehabt hätten, und die würden das rückblickend fast durchgehend positiv bewerten, und dann hätte man eine charakterologische Untersuchung gemacht, und die hätte bewiesen, daß genau diese Erwachsenen heute weniger verkrampft und depressiv wären als der Durchschnittsbürger. Das soll dann der wissenschaftliche Beweis dafür sein, daß das o.k. ist, wenn ein Kind Sex mit Erwachsenen hat. Das gesamte Buch wird einmal bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umworben, und teilweise bei der pro-familia. Da heißt es dann, ja, wir wollen ja nur vom möglichen Spektrum von Aufklärungsangeboten alles anbieten. Da sage ich dann, die können ja nur ihre Auflage halten, weil ihr das ständig in euren Blättern führt und es noch hochlobt!

Ich bin der Meinung, daß die Kinderpornos labilen Erwachsenen Lust auf Kinder machen und nicht, wie früher behauptet wurde, Blitzableiterfunktion haben, d.h. sie holen sich einen runter und lassen dafür die Kinder in Ruhe.

Und das ist das andere: Es geht mir um Menschenverachtung in Comicheften, und das haben wir dem Staatsanwalt auch klargemacht, haben Sachen eingeschickt, und wenn jetzt Ralf König mit einbezogen wird, dann ist das eine Sache, die liegt nicht in erster Linie an mir. Beim Ralf König kann man drüber streiten, was er macht. Ich finde es geschmacklos, ich würde das auf keinen Fall unterstützen, aber ich finde es auch nicht so schlimm, daß ich es mit aller Macht verbieten wollte, es ist nicht mein Angriffsziel.

ruprecht: Sie distanzieren sich also von den Punkten, für die Sie jetzt vor allem angegriffen wurden?

Brenner: Ja, davon würde ich mich klar distanzieren. Angriffsziel ist beispielsweise das Buch "Dieses Buch ist ätzend - Beavis und Butthead" aus dem Carlsen-Verlag. Der MTV-Chef hat gesagt, daß diese Figuren alles andere als für Kinder gedacht wären. Gleichwohl wird das Buch tagsüber an Kinder verkauft. Kinder machen nach, was da gezeigt wird. Wenn man z.B. sieht, wie ein Schädel eingeschlagen wird und die Zähne vorne rausfliegen; was ist daran cool, wenn so was passiert?!

ruprecht: Hier ist die Grenze des Komischen überschritten?

Brenner: Ja, weit! Deswegen ist das ein konkreter Angriffspunkt. Und da denke ich, das ist keine Beschneidung der Freiheit, wenn man gegen Menschen kämpft, die die Freiheit so unterdrücken, denn die bringen die Freiheit dadurch in Gefahr. Weil wenn Freiheit die Freiheit ist, das Menschenbild so tief runterzudrücken, dann weiß ich nicht, wie man Freiheit eigentlich noch definiert.

Aber das hier ist unser Hauptangriffspunkt: der alpha Comic-Verlag. In der Serie "Carnivora", d.h. Fleischfresser, "Morbus Gravis 4", da wird gezeigt, wie eine Frau zur Schlachtbank geführt wird, und wo dann eine Schwangere da liegt, die aufgeschlitzt wird, und so weiter. Und die Verleger sagen dazu: "Das ist der hohe Wert der Kunst." Merkwürdigerweise sagt das auch die Bundesprüfstelle, obwohl es so exzessiv dargestellt wird. Aber es gibt keine Chance, dagegen anzugehen. So eine extreme Frauenverachtung sollte irgendwo Grenzen finden. Da ist der Mensch nur noch ein Stück Fleisch.

ruprecht: Die momentane Aufregung bezieht sich ja auf diese Suchung, die der momentanen rechtlichen Lage nach auf ziemlich wackligen Beinen stand. Sie sagen jetzt, daß es Ihr Ziel sei, die Gesetzeslage zu ändern.

Brenner: Ja, genau, damit nicht immer alles über diesen Kunst-Paragraphen läuft. Es gibt zwei Aussagen der Staatsanwaltschaft: Die eine ist immer wieder "Es ist kein öffentlicher Handlungsbedarf da" - die Öffentlichkeit interessiert sich also nicht dafür, warum soll dann was getan werden, - und die andere ist eben, daß sich auf Kunst berufen wird. Da gibt es einen Beschluß vom Bundesverfassungsgericht, der besagt, daß selbst schwer sittlich gefährdende Jugendschriften auch dann zulässig sein können, wenn sich auf Kunst berufen wird. Und das ist gängige Praxis. Das regt mich auf. Man kann in diesem Land zu allem was sagen, eine Prise Sozialkritik drüberstreuen, und dann soll man's aber gut sein lassen. Aber wehe, wenn man mal echte Konfliktbereitschaft zeigt, dann knallt's, weil dann werden plötzlich andere Interessen berührt, vor allem finanzielle Interessen, und dann gibt's Ärger.

ruprecht: Die Suchungen, denen Sie Ihr Negativimage verdanken, hat der Meininger Staatsanwalt mangels besserer Argumente mit "Gefahr im Verzuge" begründet, und das hat ein bißchen lächerlich gewirkt, weil die Bücher zum Teil schon lange im Handel sind. Würden Sie die Aktion als voreilig bezeichnen oder sich von dem Staatsanwalt distanzieren?

Brenner: Ein Staatsanwalt kann nicht die Hand dafür ins Feuer legen, daß ein Polizist das richtige raussucht. Der Polizist sagt sich: "Da seh ich was, könnte was sein, greif zu. "Außerdem sind das ja jetzt noch Vorermittlungen, hier hat ja noch gar kein Urteil stattgefunden. Die Arbeiten, die jetzt beginnen, dauern noch ein Jahr. Danach muß man sehen, was wirklich konfisziert wird. Aber es wird schwer werden, weil wir ein Marktrecht haben, das das Gesetz längst überwuchert hat. Es gibt auch viele Staatsanwaltschaften, die mir gleich abschlägig geantwortet haben, als ich gegen knüppelharte Dinger vorgegangen bin.

ruprecht: Ist es nicht Aufgabe der Eltern zu kontrollieren, was ihre Kinder kaufen und lesen? Muß da gleich der Staat kommen und die Bücher von vornherein verbieten?

Brenner: Natürlich ergeht an die Eltern der Appell, darauf zu achten, was die Kinder kaufen, aber daraus darf nicht resultieren, daß der Verleger sagt: Lassen Sie mich meine Verbrechen machen, und sagen Sie, die Eltern sollen achtgeben. Dagegen vorzugehen ist eine reine Verteidigung der Demokratie, der Freiheit und der Menschenwürde.

ruprecht: Wie kommen Sie zu Ihrem starken Engagement?

Brenner: Ich habe Kinder in Heimen erlebt, wo ich gearbeitet habe, das Kinderelend da drin, und da habe ich immer wieder erfahren: Kinder wollen echte Zuwendung und echte Liebe, die wollen, daß sich ganzheitlich um sie gekümmert wird. Das ist aber leider oft nicht gegeben. Da habe ich gesagt, setzt Euch für diese Kinder ein. Bietet Ihnen eine gute Atmosphäre, in der sie aufwachsen können. Da ist mir auch mal ganz wichtig, mal zu sagen, daß auch ein Erwachsener absolut kein Recht auf Perversion hat. Kein Erwachsener kann sich hinstellen und sagen, ich bin 18 Jahre und ich will jetzt gefälligst sehen, wie eine Schwangere aufgeschlitzt wird. Niemand hat dies Recht. Und deshalb sollte man diese angeblichen Verfechter der Meinungs- und Kunstfreiheit sich nicht zu sehr vermehren lassen, denn irgendwann wird es einen ungeheuren Erdrutsch geben, wenn wir das Unrecht so sehr bagatellisieren.

ruprecht: Die Bravo gehört ebenfalls zu ihren Angriffszielen...

Brenner: Ja, aber es sind immer konkrete Dinge. Ich gehe nicht hin und sage, ach, da ist ein nackter Mensch, das stört mich. Beispiel Aufklärung: An Fragen können natürlich die unmöglichsten Dinge entstehen. Das finde ich gar nicht so schlecht, wenn das noch einigermaßen repräsentativ ist. Was hier an Erziehungshilfe aber rübergegeben wird, ist nicht nur wertfrei, das ist auch wertlos und am Ende gefährlich. Ist das die Aufklärung, ist das die Lebenshilfe, daß man über alles ein Kondom drüberzieht? Das ist mir zu wenig, und deshalb geht mein Angriff auch gegen Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

ruprecht: Überschreitet die Bravo die Grenze zwischen Aufklärung und Pornographie?

Brenner: Ich glaube, die Bravo verwechselt zwei Worte miteinander: Aufklärung und Auflage. Die Bravo redet von Aufklärung und produziert Softpornographie.

Sexualität ist eine sensible Sache, es soll etwas Geheimnisvolles sein, es soll etwas Intimes sein, dann ist es ja eigentlich erst spannend und schön, und wenn die jetzt so drüberwegrutschen, kann man sich doch denken, daß das Register sehr schnell ausgereizt ist und daß es dann in eine Richtung geht, wo sie nicht mehr wissen, wie es weiterlaufen soll, nämlich in eine negative Einsamkeit.

ruprecht: Sie wollen konkrete Mißstände geändert sehen. Den Vorwurf der Gefahr eines staatlichen Dirigismus nehmen Sie dabei in kauf?

Brenner: Es muß eingeschritten werden, wenn Menschenverachtung und insbesondere Frauen-, Kinderverachtung beginnen. Ich kann nicht ständig die Hände verschränken und sagen: 'Ach, wir leben in einer Demokratie. Macht alles kaputt! Ich tu nichts dagegen.' - Das ist nicht der Auftrag der Demokratie, daß jeder die Sau rauslassen kann, sondern der Auftrag der Demokratie ist, die Demokratie, das Menschenbild zu schützen. Ich wundere mich zum Beispiel sehr über das mangelnde Engagement der Studenten in Heidelberg. Es gibt soviel Pädagogik-Studenten, die Kindergruppen machen könnten. Ich höre nichts davon. Wo ist das soziale Interesse, das soziale Engagement? Ist der Mensch heute nur noch Ego? Aber damit werde ich mich wieder unbeliebt machen. Ich sage klar und deutlich: Tut etwas! Das Leben ist kein Spiel, sondern es ist etwas Schützenswertes.

Man sieht es immer wieder, daß der Selbstschutz des Menschen sehr dünn ist. Und wenn der dann durch Objektdenken zerrissen und durchlöchert wird, dann ist der Mensch einer Prostituierungstendenz in der Gesellschaft preisgegeben. Ich will nicht versuchen zu sagen, was wahr ist und was nicht wahr ist - darum geht es mir nicht. Mir geht es nur um so Grundpfeiler, daß man sich an die hält, die zehn Gebote zum Beispiel.

ruprecht: Wäre es Ihren Zielen nicht dienlicher, wenn Sie sich in der Öffentlichkeit insgesamt weniger einseitig präsentieren würden?

Brenner: Ich denke, wenn man eine Sache wirklich will, dann kann man das wahrscheinlich nur mit einem Eisbrecher, das geht nicht anders, und wenn es irgendwo wirklich knallhart gegen das Menschenrecht angeht, dann muß man auch knallhart kontern.

Mir war von Anfang an klar: Ich hätte mit dem Verein abheben können wie eine Rakete. "Menschen - Umwelt - Tiere", der Name ist von Kindern ausgesucht worden, das klingt umfassend, einfach gut, und ich hätte uneingeschränkte Zustimmung haben können. Aber einfach reden und mit den Kindern ein paar publikumswirksame Aktionen machen, die keinem wehtun? Es gibt Konflikte, und deshalb muß auch Konfliktbereitschaft dasein. Oberflächliche Sozialkritik reicht nicht aus, und deshalb sage ich mir, ich gehe den harten Weg und hoffe, daß ich damit auf lange Sicht Erfolg habe. Es ist immer ein Kampf David gegen Goliath. (jpb, mab)

Erik Möller über MUT e.V.:

Erik Möller 01.11.2000

Ein persönlicher Bericht über Deutschlands oberste Moralhüter - Teil II

Nach dem Thema Gewalt und Computerspiele geht es auf der Tagung um nackte Kinder, was den Referenten Wilfried Schneider von der Bundesprüfstelle sehr erregt. Er erläutert die bisherige Spruchpraxis bei FKK-Fotos. Es geht ihm darum, einen stetigen Fortschritt in der Indizierungspraxis zu zeigen. Zunächst, bis Anfang der 70er, sei nahezu alles indiziert worden, was auch nur annähernd sexuell gewesen sei. Er zeigt uns ein Foto von einer Frau in Unterwäsche auf dem Titelbild der Zeitschrift "Her" als Beispiel. Lachen im Publikum, niemand findet das noch pornographisch.

Computer sind Waffen - 1. Teil. Siehe zu einer anderen Position über dieselbe Veranstaltung auch: Jugendschützer bilden sich fort

Ab 1971 änderte sich die Spruchpraxis, Hefte mit einfachen Nacktfotos konnten frei verkauft werden. Schneider zeigt uns als Beispiel einige nackte Männer und Frauen, darunter ein nackter Mann auf dem Titelblatt der Zeitschrift "Him", die im Gegensatz zu ihrem harmlosen weiblichen Vorgänger nicht indiziert wurde: Ironie der Geschichte.

Dann zeigt uns der Referent eine offenkundig an Pädophile gerichtete Anzeige, in der für die Zeitschrift "Kim" geworben wird. Wir sehen einen vielleicht 12-jährigen Jungen nackt von hinten, daneben einen Text, der ungefähr so lautet: "Lieben auch Sie das Lächeln und die Natürlichkeit junger Knaben, fühlen Sie sich von ihren hübschen Gesichtern verzaubert" usw. Natürlich richtet sich der Text an pädophile Leser. Mit unheilsschwangerer Stimme verkündet Schneider: "So etwas hat man damals noch nicht gesehen." Mit anderen Worten: Die 50er waren zu konservativ, die 70er zu liberal. Warum wir aber die Darstellung eines nackten Jungen von hinten als jugendgefährdend ansehen sollen, wird uns nicht erklärt. Der Referent kann auf einen emotionalen Konsens im Publikum bauen, wie ich später noch feststellen werde.

Er verweist auf den Indizierungsantrag gegen das FKK-Magazin "Sonnenfreunde", der 1985 zurückgewiesen wurde, und auf das Mutzenbacher-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1990, in dem die Freiheit der Kunst auch für pornographische Werke zugesichert wurde. Eine schwere Niederlage für die BPjS, die die fiktiven "Memoiren einer Hure" schon seit 1968 indiziert hatte, da es sich (unter anderem) um "nichts anderes als Kinderpornographie" handle. Seit dem 1990er-Urteil sei es noch schwerer geworden, gegen Schmutz und Schund vorzugehen.

Was Schneider nicht erwähnt: Bei Amtsantritt 1991 hatte Monssen-Engberding festgestellt, dass sie in "in einem nackten Menschen keine Jugendgefährdung" sehe.1 Ähnliches wiederholte sie in Fernsehinterviews.

Wilfried Schneider verrät uns immerhin, dass noch 1992, vor allem aufgrund eines Gutachtens von Prof. Horst Scarbath aus Hamburg, von einer Indizierung der Zeitschrift "Sonnenfreunde" erneut abgesehen wurde. Der Medienwirkungsforscher hatte keine Jugendgefährdung feststellen können. Nur vier Jahre später änderte sich die Haltung der BPjS aber grundlegend (obwohl Schneider natürlich keinen Haltungswechsel sieht), im Dezember 1996 wurden die ersten FKK-Hefte ("Aus der Welt der FKK-Jugend", "Jung und Frei") indiziert.

Die Urteilsbegründungen hat man uns mitgegeben. Darin heißt es unter anderem: "Indem die Hefte Natürlichkeit und Harmlosigkeit suggerieren, gaukeln sie vor, Kinder hätten Spaß an den auf den Bildern eingenommenen Posen. Die Abbildungen aller Altersgruppen erweckt [sic] zudem den Anschein, dass Kinder und Jugendliche keine natürliche Scham hätten - was nicht zutreffend ist." (Hervorhebungen von mir.) Andernorts, als einzelner Absatz ohne Begründung: "Bei Kindern und Jugendlichen werden pädophile Neigungen hervorgerufen oder verstärkt." Und weiter unten: "Hierbei kann offen bleiben, ob der Nachweis einer solchen Wirkung unter Zugrundelegung wissenschaftlicher Kriterien [...] überhaupt erbracht werden kann."

Es werden im Rest des Urteils Missbrauchstherapeuten zitiert, ohne dass gegenüber deren Methodik eine kritische Distanz erkennbar wäre. Dies wäre aber angebracht angesichts massiver empirischer Daten zum False Memory Syndrome, der Eingebung falscher Erinnerungen durch den Therapeuten, ein Phänomen, das z.B. dazu geführt hat, dass unter Einfluss der Psychotherapie entstandene Aussagen vor Gericht oft nicht mehr zugelassen werden. Eine umfangreiche Analyse der Problematik liefern Richard Ofshe und Ethan Watters in Making Monsters: False Memories, Psychotherapy, and Sexual Hysteria (1996).

Man muss dem Referenten zugute halten, dass wesentliche Teile der Literatur zum Thema nicht ins Deutsche übersetzt wurden, obwohl bereits 1993 der Spiegel (39/1993 Seite 87-102) über massenhafte Falschaussagen, die unter Therapie entstanden sind, berichtet hat. Kinder behaupteten, von Kindergärtnern zum Essen von "Kot mit Ketchup" gezwungen, gefoltert und von Außerirdischen entführt worden zu sein. Tatsächlich hatten die "Therapeuten" durch Schaffung einer Atmosphäre, in der nur Anschuldigungen als Antworten zulässig waren, die Aussagen erzeugt.2

In der Praxis mit Erwachsenen, die nach 20 Jahren "unterdrückte" Erinnerungen von Missbrauch "wiederentdecken" sollen, um Problemen wie Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zu begegnen, bitten die "Therapeuten" ihre Patienten oft, sich die nächsten Monate auf das Szenario des Missbrauchs einzulassen. Wenn es dem Patienten dann immer noch unglaubwürdig erscheine, könne man sich anderen Ursachen widmen. Kein Wunder, dass fast jeder Patient am Ende ein "Überlebender" ist.

Dass diese Fakten 1996 noch nicht Eingang in das BPjS-Urteil fanden, ist zu einem gewissen Grad verständlich. Doch die Rhetorik des Referenten im Jahr 2000 lässt keinerlei Distanz zu derartigen Verfehlungen, die Tausende Familien auseinandergerissen und Unschuldige ins Gefängnis gebracht haben, erkennen und ist nicht zu entschuldigen. Statt dessen wiederholt Wilfried Schneider die Urteilsbegründung von 1996, in der 1) auf die Nichtnotwendigkeit von Wissenschaft hingewiesen wurde und 2) fragwürdige Arbeiten aus dem Missbrauchs-Milieu zitiert wurden.

Jugendliche könnten sich FKK-Hefte aus eigener Initiative besorgen und folglich pädophil werden, oder sie könnten von "Kinderschändern" (der Begriff suggeriert eine Schande für das Kind, so wie der Begriff "Missbrauch" einen korrekten "Gebrauch" von Kindern suggeriert) damit gefügig gemacht werden.

Die BPjS habe mit der Indizierung gewonnen, die Bundesrepublik Deutschland habe gewonnen. Ersteres glaube ich gerne, letzteres kaum. Seine Position belegt Schneider durch einige ausgewählte FKK- Bildchen. Natürlich handelt es sich teilweise um Magazine, die sich vorwiegend an eine pädosexuelle Leserschaft wenden, spezielle Kinder- und Jugendausgaben lassen kaum einen Zweifel daran zu (wobei eine der indizierten Zeitschriften das Thema "Gewalt in den Schulen" hatte).

Die Texte haben oft mit den Bildern nichts zu tun und dienen eher als Rechtfertigung zur Fleischbeschau, wie es auch bei Pornomagazinen für Heterosexuelle üblich ist. Bei einem Foto, das ein lächelndes, nacktes kleines Mädchen und einen knienden Mann mit Megaphon unter der Überschrift "He du, fotografier mich mal" (oder ähnlich) zeigt, weist Schneider darauf hin, dass es sich nicht etwa um einen Fotoapparat, sondern eben um ein Megaphon handelt. Das wäre nicht überraschend, denn Kinder ließen sich von Natur aus nicht nackt fotografieren.

Ketzerei und verbotene Fragen

Als das Referat Herrn Schneiders endet, wird um Fragen oder Wortmeldungen gebeten. Ich melde mich und schreite zum Mikro: "Eine Frage habe ich eigentlich nicht, aber ich möchte ein paar Dinge sagen. Wollte ich alles widerlegen, was der Referent gesagt hat, bräuchte ich ebensoviel Zeit. Einige Punkte möchte ich jedoch ansprechen. Zum ersten: Kinder lassen sich nackt fotografieren, das ist etwas völlig Normales. Kinder haben eine eigene Sexualität, das ist seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich erwiesen3 Ich kenne Berichte sowohl von Eltern als auch von Kindern darüber, wie sie um Fotos bitten - nackt oder sogar masturbierend - und teilweise als Erwachsene sich diese Fotos noch an die Wand hängen."4

"Das ist doch Unsinn", schallt es mir von irgendwoher entgegen. Ich lasse mich nicht beirren. "Weiterhin argumentieren Sie unlogisch, indem Sie auf der einen Seite Nacktheit auf dem FKK-Strand tolerieren und auf dem Foto verbieten. Wenn ich Kinder hätte, könnte ich sie also zum FKK-Strand mitnehmen und sie würden die gleiche Nacktheit sehen, auf dem Foto ist diese jedoch tabu. Ist es Missbrauch, ein Kind nun nackt zu fotografieren?"

"Ja", beantwortet der Referent meine Frage ohne zu zögern, ohne darüber nachzudenken. "Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, Ihnen zuzuhören, aber wenn das Ihre Frage ist, habe ich sie beantwortet", so der Diplom-Sozialarbeiter weiter.

"Ich möchte Ihnen keine Frage stellen, wie ich schon sagte, sondern nur einige Punkte ansprechen." "Lassen Sie ihn bitte sein Statement zu Ende bringen", bittet die Moderatorin.

"Ihr Naserümpfen gegenüber der Wissenschaft erinnert mich an die Reaktion von Richard Nixon auf die Ergebnisse der Presidential Comission on Obscenity and Pornography.5 Man müsse die Negativwirkung von Pornos nicht nachweisen, der gesunde Menschenverstand reiche vollkommen."

"Interessiert irgend jemanden, was der sagt?" fragt eine Frau in meiner Nähe.

"Es ist mir schon klar, dass ich hier gegen eine Mauer anlaufe. Ich halte es aber trotzdem für wichtig, ein paar Dinge anzusprechen. - Was die Wirkung auf Pädophile angeht, so ist diese fuer die BPjS nicht relevant. Ich kenne Pädophile - ich bin kein Pädophiler, um das klarzustellen -, und von diesen weiß ich, dass sie nicht nur Kinderpornos konsumieren, sondern alle Materialien, die mit Kindern zu tun haben."6

"Gehen Sie bitte nicht ins Detail und kommen Sie zum Ende", fleht die Moderatorin.

"Ich bin gleich fertig. Wenn wir nach der Wirkung auf Pädophile gehen, müssen wir auch normale Fotos von Kindern indizieren, denn auch die können Pädophilen als Wichsvorlage dienen. Das kann ja wohl nicht der Weg sein, den wir gehen wollen. Danke."

Ich begebe mich an meinen Platz zurück. Es herrscht Totenstille.

"Gibt es noch Fragen?"

Ich fühle mich wie jemand, der auf einer Versammlung von bibelgläubigen Christen von der Evolutionstheorie erzählt hat.

Die Wirkung meiner kurzen Rede war so bombastisch, dass sich sogar die nächste Referentin zunächst sammeln muss. "Auch mich haben diese Worte sehr aufgewühlt", sagt Claudia Bundschuh, Diplom-Pädagogin aus Köln. Sie hat im Auftrag des BMFSFJ eine Studie zu den "Entstehungsbedingungen von Pädosexualität" durchgeführt, in Kürze erscheinen die Ergebnisse ihrer Forschung auch in Buchform.7 In ihrem Referat soll es um Konsum und Wirkung von Kindererotika und Kinderpornographie gehen.

"Ich muss dem Herrn von eben gleich widersprechen, denn wir haben sehr wohl eine negative Wirkung von Nacktbildern auf Kinder festgestellt. Pädophile nutzen diese Bilder nämlich teilweise, um Kinder für den sexuellen Missbrauch gefügig zu machen." Ihre Analyse beruht vor allem auf Gesprächen mit Pädophilen. Sie weist zunächst darauf hin, dass Kinder ein Recht auf eigene Sexualität hätten, dieses aber angesichts des Machtgefälles zwischen Kindern und Erwachsenen in einer pädophilen Beziehung zwangsläufig verletzt werde.

"Man wird nicht pädosexuell"

Frau Bundschuh weist die Zuhörer darauf hin, dass man nicht pädosexuell werde -- die von ihr befragten Pädophilen hatten diese Neigung sehr früh entdeckt, und sie schien sich auch nicht mehr zu ändern. Damit widerspricht Bundschuh aber der Begründung der BPjS zu der Indizierung der FKK-Zeitschriften, in der von einer Gefahr für Kinder und Jugendliche ausgegangen wird, die durch den Konsum pädophil werden könnten.

Tatsächlich hat Frau Bundschuh ein eigenes Entstehungsmodell für die Pädophilie entwickelt, das mich von seiner Wissenschaftlichkeit her an freudianische Ödipalmodelle erinnert. Anhand eines komplexen (aber nicht empirisch begründeten) Schaubildes erläutert sie, Kinder würden sich in Richtung der Pädophilie entwickeln, weil die patriarchalische Gesellschaft ihnen falsche Rollenbilder aufzwänge. Mannbarkeitsriten und Macho-Kultur machten Männer zu Monstern.

Wegen eines unzureichend ausgebildeten Problembewusstseins seitens der Eltern würden pädophile Tendenzen nicht frühzeitig erkannt. Sie zitiert als Beispiel den Fall eines 14-Jährigen, der eine 7-Jährige "oral vergewaltigt" haben soll. Er habe nur kurzzeitigen Hausarrest bekommen. Wenn man solchen Kindern ihr Unrecht nicht klar mache, entwickelten sie sich später nur allzu leicht zu Pädosexuellen.

Das dahinterstehende Weltbild ist eines, das ich bereits in meinem Artikel Gefährliche Doktorspiele angesprochen habe. Nach Meinung mancher Therapeuten missbrauchen sich Kinder gegenseitig; ob sie den "Missbrauch" als angenehm empfinden und wiederholen ist irrelevant bzw. Zeichen einer sich abzeichnenden Tendenz, später selbst zu Missbrauchern zu werden. Als Beispiele werden zunächst Fälle zitiert, bei denen man sich allgemeiner Zustimmung sicher sein kann - Vergewaltigungen, Fälle mit großen Altersdifferenzen - bis dann auch 11-Jährige wegen "Missbrauchs" in Therapie und/oder Gefängnis kommen (siehe Fall Raoul).

Wegen der mangelnden öffentlichen Auseinandersetzung mit der fragwürdigen Methodik der Therapeuten kann sich diese neue Welle des "Missbrauchs mit dem Missbrauch" (Katharina Rutschky) ungehindert ausbreiten.

Frau Bundschuh widerspricht ihren eigenen Behauptungen und der BPjS- Begründung zur FKK-Indizierung, als sie darauf hinweist, dass es "Pädophile gibt, die ihre Bedürfnisse ausschließlich in der Fantasie ausleben". Mit anderen Worten: Ihnen dienen FKK-Hefte und Kinderpornos als Triebabfuhr. Was passieren könnte, wenn man FKK-Hefte unzugänglich macht und den Besitz von - sogar fiktiven - Kinderpornos weiterhin verbietet, kann sich jeder selbst ausmalen.

Die geläufige "Hypothese" (die so wissenschaftlich ist wie die Stammtisch-Behauptung, Pornos verursachten Vergewaltigungen) ist die, dass der Konsument von Kinderpornos sich zu immer härterem Material steigere. So meinte zum Beispiel eine Berliner Rechtsanwältin in einer Expertenanhörung zum Thema Kinderpornographie 1990:

"Kinderpornographie darf nicht auf den bisher strafbaren Bereich beschränkt bleiben. Der Missbrauch von Kindern setzt schon früher an, z.B. durch Videoclips für Strumpfwerbung oder Autowerbung mit 10- bis 12jaehrigen Mädchen in sexuell ausgerichteten Positionen oder in einer Anzeige zur Werbung von Bundeswertpapieren im Stern, in der zwei Säuglinge mit ihren unterschiedlichen Geschlechtsteilen deutlich gezeigt werden. Bereits derartige alltägliche Beispiele müssten erfasst werden, zumal auch die Täterforschung zeigt, dass mit dem Konsum derartiger 'zufälliger' Bilder begonnen wird und sich dann wie bei einer Sucht hin zu härteren Darstellungen steigern kann."
<