Homosexualität und
Bibel
Homosexualität - Veranlagung, Schuld oder
legitime Selbstverwirklichung? -
Eine ethische Auseinandersetzung
- 4. Teil (Schluß)
von
Michael Seemann
D. Schuld oder legitime Selbstverwirklichung?
Ist Homosexualität nur Schuld oder kann sie als legitime
Selbstverwirklichung eines Menschen verstanden werden? Konkret gefragt - ist
jener Homosexuelle, der mir in München gegenüberstand, nun einer, der vor Gott
durch sein Tun schuldig geworden ist oder nur jemand, der sich einen anderen,
aber dennoch legitimen Weg der sexuellen Selbstverwirklichung gewählt hat?
Es besteht kein Zweifel, daß für eine christliche Ethik zur
Klärung dieser Frage nur ein Maßstab akzeptiert werden kann. Dieser
Maßstab ist die Bibel.
Dabei ist die vorbehaltlose Bereitschaft, die Richtlinien für
jedes menschliche Handeln aus dem Wortbestand der Heiligen Schrift zu gewinnen,
von entscheidender Wichtigkeit.|1| Jeder Ansatz, der Versucht, vorgefaßte
Denkstrukturen (Situationsethik etc.) in die Bibel hineinzuinterpretieren, ist
deshalb für eine christliche Ethik untauglich und zu verwerfen.
Es gilt, in der Bibel das zu erkennen, was tatsächlich in ihr
steht.|2| Wie wir im vorhergehenden Hauptpunkt nach einer ausführlichen
Diskussion der verschiedensten exegetischen Ansätze gesehen haben, ist die
Haltung der Bibel zur Homosexualität absolut eindeutig. Sowohl im Alten wie
auch im Neuen Testament gibt es keine Bibelstelle, welche die Homosexualität
duldet, oder gar akzeptiert. Die Bibelstellen, aus denen versucht wird, eine
biblische Toleranz, der Homosexualität herauszulesen, halten einer
unvoreingenommenen, gründlichen Exegese nicht stand.
Die Bibel macht in ihrer Bedeutung der Homosexualität keine
Unterschiede zwischen kultischer homosexueller Prostitution, homosexuellen
Gewalthandlungen, homosexuellen "Liebesbeziehungen", Pädophilie,
homosexueller Veranlagung etc. Jede Form der Homosexualität wird verworfen und
als Übertretung der Gebote Gottes bezeichnet.
Nach den Aussagen des Alten und Neuen Testaments muß deshalb jedes
homosexuelle Handeln als Sünde, also als Schuld eingestuft werden.
Warum ist dies so? Mit welcher Begründung kann die Bibel die
Homosexualität als Schuld bezeichnen?
Ich möchte dazu in drei Punkten Stellung nehmen:
1. Homosexualität ist Schuld, weil sie widernatürlich ist und
Gottes Schöpfungsordnung entgegensteht.
Paulus sagt dies ausdrücklich so, es nennt in Röm 1,25-27
Homosexualität ein widernatürliches Verhalten. Paulus versteht unter Natur
"nicht nur die leibliche Geschlechtlichkeit oder die menschliche Natur
nach Leib Seele und Geist, sondern die Natur, wie sie der Schöpfer von Anfang
an geplant und gewollt hat".|3| Den Maßstab für das, was natürlich ist,
leitet Paulus aus der Schöpfungsgeschichte (Gen 1,27f.) her. Gott schuf die
Menschen nach seinem Ebenbild und gab ihnen eine Bestimmung füreinander, als
Mann und Frau. Die wird vor allem auch im Schöpfungsauftrag Gottes deutlich:
"seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde" (Gen 1,28)
Der holländische Theologie Spijker sagt hierzu folgendes:
"Wenn Paulus sich nicht auf die Schöpfungsordnung, sondern auf die Natur
beruft, verharmlost er die Homotropie nicht, oder entschuldigt sie gar, sondern
er vergrößert die Anklage. Der seinem Begehren preisgegebene Mensch gefährdet
die Schöpfungsordnung, er verfällt durch sein Handeln dem Chaos. Er lebt nicht
in Harmonie mit der Natur als Schöpfungsordnung, sondern widernatürlich, d.h.
nach der paulinischen Zusammenordnung von Natur und Schöpfungsordnung
widersittlich und widergöttlich".|4|
Naturwissenschaftler haben in diesem Zusammenhang auch immer
wieder darauf hingewiesen, daß es z.B. auch im Tierreich kein Pendant zur
Homosexualität gibt. Zwar kann es dort ebenfalls in Extremsituationen zu
homosexuellen Akten kommen, doch müssen diese "in Abhängigkeit von anderen
als allein sexuellen Trieben erklärt werden".|5| Wenn etwa ein Rudelführer
zum Zeichen seiner Überlegenheit an einem Rudelmitglied homosexuelle Akte
vornimmt, so geschieht dies aus Gründen "der sozialen Dominanz oder der
Neutralisierung von Aggression".|6|
Van den Aardweg hinterfragt kritisch das "dubiose Dogma von
der Natürlichkeit der Homosexualität", das von vielen ihrer Anhänger
vertreten wird: "Ist es wirklich so wahrscheinlich, daß die Natur diese
'normale Variante' hervorgebracht hat, die keine Möglichkeit zur Fortpflanzung
bietet, aber dennoch die anatomischen und physiologischen Voraussetzungen dazu
besitzt? Welchen Sinn sollte dies haben?"|7| und kommt als
Naturwissenschaftler, der nicht von der Bibel her argumentiert, zu dem Schluß,
daß die Biologie des Menschen und des Tieres nicht zur Homosexualität-, sondern
zur Heterosexualität angelegt ist.|8| Es ist deshalb den Ausführungen des
Sozialwissenschaftlers Kinsey deutlich zu widersprechen, der sagt: "Die
Homosexualität ist seit Urzeiten ein wichtiger Bestandteil menschlicher
sexueller Betätigung, schon allein deshalb, weil sie Ausdruck gewisser Urfähigkeiten
des Tieres ist".| 9|
In der katholischen Sexualethik hat das Argument der
Widernatürlichkeit|10| der Homosexualität großes Gewicht (nach der analogia
entis: "Man kann aus der Natur nach Gott schließen", das (die!?) in
der katholischen Ethik als sehr wichtig angesehen wird). Als Beleg sei ein
Zitat des Thomas von Aquin angeführt: "Jeder homosexuelle Akt ist gegen
die Natur und widerspricht der rechten Vernunft, denn dabei sucht der Mensch
sich in einer Weise geschlechtlich zu befriedigen, die die Möglichkeit der
Fortpflanzung ausschließt".|11|
Als Fazit bleibt festzuhalten: Es gibt einen gottgegebenen,
natürlichen Hang zum anderen Geschlecht.
Amerikanische Evangelikale haben dies in einem Schlagwort
provokativ formuliert: "Gott schuf Adam und Eve, nicht Adam und
Steve!"
Homosexualität ist widernatürlich, steht der Schöpfungsordnung
Gottes entgegen und muß somit als Schuld bezeichnet werden.
2. Homosexualität ist Schuld, weil sie die von Gott eingesetzt
Lebensform, die Ehe zwischen Mann und Frau, in der allein nach Gottes Plan
Sexualität ausgelebt werden kann und soll, aufhebt und ablehnt und an ihre
Stellen die von Menschen eingesetzt Lebensform zweier gleichgeschlechtlicher
Partner setzt.
In Gen 2 wird uns von der göttlichen Einsetzung der Ehe berichtet.
Adam, der von Gott geschaffene Mensch, fühlt sich im Paradies
einsam. Als Ebenbild Gottes war Adam geschaffen worden und war deshalb ein
geselliges Wesen. Da Gott ein Gott der Liebe ist, hat er den Menschen auch die
Möglichkeit gegeben, selbst zu lieben und geliebt zu werden.
Gott erkennt deshalb, daß "es nicht gut ist, daß der Mensch
alleine sei" und "will ihm eine Hilfe schaffen, als sein
Gegenüber". (Gen 2,18) Dieses Gegenüber sollte Adam entsprechen und auch
seine Sexualpartnerin sein (die beiden sollten ein Fleisch werden), um auf
diese Weise die gegenseitige Liebe zu vervollkommnen und Nachkommen zu
zeugen|13|.
Gott erfüllte dieses Bedürfnis des Menschen nach Gemeinschaft
durch ein besonderes Schöpfungswerk. Die Geschlechter werden voneinander
getrennt. "Aus der undifferenzierten Menschheit Adams gingen Mann und Frau
hervor".|14|
Gen 2 macht deutlich, wie dieses Schöpfungswerk aussah: Im
Gegensatz zu Adam, den Gott aus Staub gemacht hatte, erschuf Gott Eva aus Adam
heraus. Diese Bemerkungen bilden Grundlage für die göttliche Einsetzung der
Ehe. Als Adam Eva zum ersten Mal sieht, spricht er das "erste
Liebesgedicht der Geschichte"|15|: Das ist endlich Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch. Diese soll Weib heißen, weil sie vom Manne
genommen ist" (Gen 2, 23)
Die Schlußfolgerung daraus im folgenden Vers: Darum wird ein Mann
Vater und Mutter verlassen und wird seiner Frau anhangen und die beiden werden
ein Fleisch sein". (Gen 2,24)
Dieser Bibelvers muß als Einsetzung der Ehe als göttliche
Institution verstanden werden, in der menschliche, geistige und sexuelle
Gemeinschaft erfahren werden soll:
In diesen beiden Versen kommt dreimal das Wort Fleisch vor
("Fleisch von meinem Fleisch", "ein Fleisch werden"). Dies
ist nicht zufällig. Der heterosexuelle Umgang in der Ehe ist mehr als nur eine
körperliche Vereinigung, er stellt vielmehr eine Wiedervereinigung zweier
Menschen verschiedenen Geschlechtes das, die ursprünglich eins waren."
Einst wurden sie voneinander getrennt, aber im Eheakt werden sie wieder
zusammengefügt".|16|
Durch diesen Ansatz ist auch das Geheimnis der heterosexuellen
Intimität verständlich: John Stott sagt dies so: "Im heterosexuellen
ehelichen Geschlechtsverkehr findet nicht nur eine körperliche Vereinigung statt,
es handelt sich vielmehr um ein Verschmelzen komplementärer Persönlichkeiten,
wodurch - inmitten der vorherrschenden Entfremdung - der Reichtum der
menschlichen Daseins in seiner geschaffenen Einheitlichkeit neu erlebt
wird".|17| Damit Mann und Frau aber wieder ein Fleisch werden können,
müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese Voraussetzungen sind von
Gott vorgegebene Grundlagen der Ehe.
"Damit wird ein Mann" (die Singularform zeigt, daß die
Ehe die Vereinigung nur zweier Individuen ist) "seinen Vater und seine
Mutter verlassen " (wichtig ist hier eine öffentliche Handlung) "und
wird seinem Weibe anhangen." (Liebe und Treue sind unabdingbar, die Ehe
ist von Dauer und wird zwischen einem Mann und einer Frau vollzogen) "und sie
werden ein Fleisch sein." (Geschlechtsverkehr ist das Siegel des
Ehebundes).|18|
Jesus erkennt diese Grundlagen im Neuen Testament ausdrücklich an
und zeigt, daß eine lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau
schon immer Gottes Absicht entsprach. Ganz deutlich wird dies in dem Satz:
"Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden".
(Mk 10,4-9)
Als Zusammenfassung dieser Ausführungen möchte ich ein
ausgezeichnetes Zitat von John Stott anführen:
"Die von Gott eingesetzte Ehe wird also
in der Bibel als heterosexuelle Einehe definiert. Es geht hier um die
Vereinigung eines Mannes mit einer Frau, und diese Vereinigung wird dauerhaft
bezeugt (Verlassen der Eltern), dauerhaft besiegelt (seiner Frau anhangen) und
körperlich vollzogen (ein Fleisch). Eine andere Art von Ehe oder
Geschlechtlichkeit kennt die Bibel nicht, denn Gott hat keine andere
Möglichkeit eingerichtet.
Jede sexuelle Beziehung, die von Gottes
geoffenbarter Norm abweicht, erregt sein Mißfallen und führt letzten Endes zum
Gericht.
Falsch sind also Polygamie und Polyandrie
(weil sie gegen das Prinzip ein Mann und eine Frau verstoßen), zufällige
sexuelle Begegnungen, vorübergehende Affären und Ehebruch, heimliches
Verbindungen, (weil ihnen kein öffentliches Verlassen der Eltern vorausgegangen
ist), viele Ehescheidungen (weil sie mit dem Prinzip des Anhangens nicht
vereinbar sind und gegen Jesu Verbot der Scheidung verstoßen) und homosexuelle
Partnerschaften (weil diese im Widerspruch dazu stehen, daß ein Mann seiner
Frau anhangen wird)."|19|
Paulus macht dies ebenfalls deutlich in 1. Tim 1, 9. Dort zählt er
einen Lasterkatalog auf, bei dem er an den zehn Geboten entlang geht. Zuerst
nennt er solche, die sich an Vater und Mutter vergreifen, danach die, die sich
am Leben vergehen, dann die Unzüchtigen und Knabenschänder, schließlich noch
Menschenhändler, Lügner und Meineidige.
Bräumer schließt daraus, hier werde klar betont, daß homosexuelles
Handeln gegen die Maßstäbe Gottes (Zehn Gebote) verstößt: "Diejenigen, die
Homosexualität praktizieren, gehören zu denjenigen, die ehewidrig handeln und
damit gegen das Gebot "Du sollst nicht ehebrechen"
verstoßen."|20|
Alles in allem kann festgehalten werden, daß Gott für den Menschen
nur eine einzige sexuelle Verbindung vorgesehen hat, die geschlechtliche Vereinigung
eines Mannes mit seiner Ehefrau, die er als Fleisch von seinem Fleisch erkennt.
Jede andere Konstellation verstößt gegen Gottes Gebot und ist
Schuld.
3. Das bewußte Verharren in der Homosexualität ist Rebellion gegen
Gott und seine Gebote und damit Schuld.
Erinnern wir uns noch einmal kurz an den Ansatz van den Aardwegs,
der die Homosexualität als zwanghafte Neurose beschreibt, durch die der
Homosexuelle in einem Teufelskreis dazu getrieben werde, sich selbst wegen
seiner Unmännlichkeit zu bemitleiden und dieses Selbstmitleid durch
homosexuelle Kontakte zu kompensieren.
Kann man einen Menschen, der gegen seinen Willen zu etwas
getrieben wird, überhaupt für sein Tun verantwortlich machen?
Grundsätzlich ist dazu zu sagen, daß jeder Mensch von Natur aus
gegen Gott rebelliert (Sündenfall), sich von Gott losgesagt hat und getrennt
von ihm nach eigenen Maßstäben lebt. Diesen Zustand nennt die Bibel Sünde. Die
grundlegende Schuld des Menschen ist also seine Rebellion gegen Gott, die in
vielen Punkten Auswirkungen hat (Selbstvergötzung, eigene Maßstäbe, Verbrechen,
etc.). Gott läßt den Menschen die Folgen seines Abfalls spüren, er gibt ihn an
die Sünde dahin (Röm 1).
Aus dieser Ursache heraus kann der Mensch in mancherlei Bindungen
geraten (Süchte, psychische Krankheiten etc.), die nur dadurch möglich sind,
weil diese Welt eine gefallene Welt ist. Und manchmal scheint es, als sei der
Mensch in diesen Bindungen (z.B. Kleptomanie|21|) nicht mehr für sein Handeln
verantwortlich zu machen. Aber dem ist nicht so.
Jeder, der gebunden ist, hat die Pflicht, alles zu tun, was in
seiner Macht steht, um seine Gebundenheit in den Griff zu bekommen und sie
nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. Auch wenn der einzelne von Kräften
gehalten wird, die sich seiner Kontrolle entziehen, darf er sich nicht still in
sein Schicksal ergeben, sondern ist verpflichtet, einen Ausweg zu suchen.
Selbst van den Aardweg bejaht diese Aussage in seinen
Therapieansätzen zur Heilung Homosexueller von ihrer homosexuellen Neurose.
Wer sich mit seiner Gebundenheit abfindet und nichts gegen sie
unternimmt, ja sogar seiner Gebundenheit mit einer herausfordernden, trotzigen
Haltung sich noch rühmt, der steht unter dem Zorn und Gericht Gottes.
Jeder, der bewußt in der Sünde verharrt und sich von dem
allmächtigen Schöpfer nicht davon befreien läßt, wird schuldig und ist voll für
sein Handeln verantwortlich.
E. Konsequenzen, die sich aus der ethischen Beurteilung der
Homosexualität ergeben
1. Wenn Homosexualität Schuld ist, dann sind wir Christen
aufgefordert, als Sprachrohr Gottes klar Position zu beziehen und dies einer
gefallenen Welt mitzuteilen. Ich bin mir dessen bewußt, daß wir uns dabei mit
einer antichristlichen Theologie, sowie mit Menschen einer gefallenen Welt
auseinandersetzen müssen und mit Spott, Hähme und Angriffen zu rechnen haben.
Militante Angriffe, wie die Ian Harveys, werden kein Einzelfall
bleiben, der mit einer beißenden Attacke die "vor Heiligkeit triefende
Haltung" der Christen gegenüber der Homosexualität geißelt: "Seitdem
ich einige von denen bei der Arbeit erlebt habe, bin ich zu der Überzeugung
gelangt daß ich mich leicht auf die Seite der Löwen hätte schlagen können, wenn
ich seinerzeit im Kolosseum dabeigewesen wäre".|22|
Dies darf uns jedoch nicht davon abhalten, diese
Auseinandersetzung aufzunehmen, sie muß geführt werden!
2. Wenn Homosexualität Schuld ist, dann haben wir dies auch in
unseren Gemeinden deutlich zu sagen. Wir haben auch dort die Aufgabe, Tendenzen
entgegenzutreten, die versuchen, aus falsch verstandener Barmherzigkeit den
Mantel der Liebe über alles zu breiten und die alles als "normal" und
"legitim" darstellen wollen.
Gerade in unseren Gemeinden dürfen wir diese Auseinandersetzung
mit antichristlichen/antibiblischen Tendenzen nicht ausweichen, sie ist ein
absolutes Muß!
3. In der Auseinandersetzung mit der Homosexualität ist jedoch klar
zu trennen zwischen der Homosexualität und dem Homosexuellen. Eine ablehnende
Haltung gegenüber der Homosexualität ist eine zwingende Notwendigkeit. Sie darf
jedoch nicht dazu führen, daß Homosexuelle diskriminiert, abgeurteilt oder
ausgegrenzt werden. Auch der Homosexuelle ist unser Nächster, dem Gottes
Gnadenangebot gilt und der durch unsere Nächstenliebe etwas von der Liebe
Gottes spüren soll.
"Christus starb für alle, Männer und Frauen, für
heterosexuelle und für homosexuelle. Sein Kreuz ist ein unauslöschliches
Zeichen für den Wert, den jeder Mensch in Gottes Augen hat. Niemand ist
aufgrund seiner homosexuellen Veranlagung weniger wert als andere. Dennoch
verlangt das Evangelium die Veränderung!|23|
Es geht also darum, dem Homosexuellen mit Nächstenliebe, ohne
Diskriminierung zu begegnen, aber immer auch ohne ethische Nachgiebigkeit
gegenüber der Homosexualität.
Zwischen "die Sünde hassen" und den "Sünder
lieben" muß ein klarer Unterschied gemacht werden!
4. Der gefallene, sündhafte Mensch hat nur eine Chance zur
Veränderung - die der Umkehr zu seinem Schöpfer, der ihm allein helfen kann.
Nur in einer Neuordnung seines Lebens durch die Annahme des Heilsangebotes Gottes
in Jesus Christus und der darauffolgenden Unterordnung unter Gott und seine
Gebote hat der Homosexuelle die Möglichkeit, dem Gericht Gottes zu entkommen.
5. Der allmächtige Schöpfer kann auch mit einem direkten Eingriff
einen Homosexuellen von seiner gleichgeschlechtlichen Neigung befreien.
6. Dort, wo dies geschieht, wo der betreffende Christ also immer
noch homotrope Gefühle hat, ist klar zu unterscheiden zwischen der Versuchung
zur Homosexualität und dem Nachgeben dieser Versuchung.
Im Jakobusbrief ist zu lesen: "Jeder, der versucht wird, wird
von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Wenn die Begierde dann
empfangen hat, gebiert sie die Sünde, wenn aber die Sünde vollendet ist,
gebiert sie den Tod" (Jak 1,14f.). Das bloße Vorhandensein einer lustvollen
Versuchung kann also noch nicht als Sünde bezeichnet werden, erst wenn die
Versuchung ausgelebt wird, gebiert sie die Tatsünde.
Wir halten fest: Nicht die homosexuelle Versuchung, das
homosexuelle Verlangen ist als Sünde zu werten, sondern allein das Nachgeben
dieser Versuchung, das Handeln also, das der Schöpfungsordnung widerspricht.
7. Dem Christen, der seinen homotropen Gefühlen nicht oder noch
nicht befreit ist, bleibt nach biblischen Maßstäben der Weg der sexuellen
Enthaltsamkeit, wie z. B. auch Menschen, denen die Ehe versagt bleibt.