Submitted by admin on 9 February, 2004 - 10:34. Humanist identity
HUMANISMUS FUR DIE WELT
Die Internationale Humanistische und Ethische
Union (IHEU)
Moderner Humanismus ist eine Lebensauffassung, die
im rationalen Denken begründet ist Er vermittelt ein naturwissenschaftliches
Verständnis unseres Universums, bemüht keine übernatürliche Erklärungen. Er
bietet Frauen und Männern sowohl auf der individuellen als auch auf der
gesellschaftlichen Ebene eine weltliche Ethik an, die auf humanistische Werte
gründet.
Humanisten
beziehen Anregungen aus ihrem rationalistischen und freidenkerischen Erbe. Sie
lehnen absolute Autoritäten und offenbarte Wahrheiten ab. Als einzige Quelle
des Wissens und der Ethik ist für sie die menschliche Erfahrung gültig. Humanisten vertrauen auf die
intellektuelle Integrität des Menschen und sind dagegen, dass überkommene
Traditionen das Gewissen ersetzen. Humanisten
fördern die Freiheit der Forschung als Basis eines wissenschaftlichen Denkens
und einer lebendigen Philosophie. Der Humanismus wird durch neue Erkenntnisse
kontinuierlich bereichert.
Vom Prinzip der menschlichen Solidarität geleitet,
berufen sich Humanisten
auf einen toleranten Pluralismus und auf die Menschenrechte. Da der Humanismus
auch eine Philosophie der menschlichen Freiheit ist, setzen sich Humanisten für eine soziale
Ordnung ein, die individuelle Freiheit, Würde, soziale Gerechtigkeit, Grund-
und Bürgerrechte schützt. Humanisten
suchen ständig in unserer immer unübersichtlicher werdenden Welt nach Wegen zur
Entfaltung verantwortungsvoller persönlicher Freiheit und Glück.
Das soziale Ideal des Humanismus ist die Verbreitung
von demokratischen Werten mit dem Ziel einer umfassenden sozialen, politischen
und wirtschaftlichen Demokratie. Humanisten
vertrauen auf die Kraft der dem Menschen innewohnenden Moral und auf ihre
intellektuellen Fähigkeiten.
Humanisten
versuchen, eine moderne, kosmopolitische und demokratische Alternative zur
traditionellen Religion und ebenso zu autoritärem und totalitärem Verhalten zu
sein.
Die humanistische Welt
Die humanistische Tradition hat ihre geistigen
Wurzeln im traditionellen China, Indien und Europa. Humanistische
Organisationen (Humanisten,
ethische Kulturorganisationen, Rationalisten, Freidenker oder Atheisten) sind
dagegen relativ jung. Humanistische Gruppen sind Kulturorganisationen, die auf
einer pädagogischen und auf einer parteipolitisch unabhängigen Basis arbeiten,
um humanistische Gedanken in die Praxis umzusetzen. In einer modernen
Gesellschaft bieten diese Organisationen eine Gemeinschaft für diejenigen, die
Sinn und Wert in ihrem Leben ohne die Hilfe der traditionellen Religionen oder
Götter bestimmen.
Heute gibt es ungefähr 100 humanistische Verbände in
über 30 Ländern, von Nepal bis Peru, von der Slowakischen Republik bis
Indonesien, von Ghana bis Neuseeland. Alle diese Organisationen engagieren sich
vorrangig dafür, die humanistisch orientierte, wissenschaftliche Lebensauffassung
lebendig zu halten. Humanistische Gruppen bieten Kritik an dogmatischen und
religiösen Behauptungen, fördern das kritische Denken, entwickeln ethische
Werte, die den menschlichen Existenzbedingungen gerecht werden, bestärken die
Ideale der Toleranz und respektieren die Unterschiedlichkeit der Meinungen und
fördern die Klärung von Differenzen durch Vernunft.
Um ihre Ziele zu erreichen, publizieren
humanistische Organisationen Bücher und veröffentlichen Artikel in
Zeitschriften, organisieren Seminare, Workshops, Konferenzen, produzieren
Sendungen für Rundfunk und Fernsehen. Sie nehmen an öffentlichen Debatten teil
und unterhalten Internet-Seiten. Sie versuchen, ihren Einfluss bei den Medien
und Regierungen geltend zu machen und nehmen beratend Stellung zu politischen
Fragen.
Die praktischen Aktivitäten von organisierten Humanisten in ihren Gemeinden
sind äusserst vielfältig; zu nennen wären hier
vorrangig Aktivitäten zur Verteidigung der demokratischen Bürgerrechte; ferner
werden Einrichtungen für ältere Menschen unterhalten und Häuser, die Opfern von
religiöser Intoleranz und sexueller Bedrohung Schutz bieten.
Die humanistischen Organisationen - beispielsweise
in Belgien und den Niederlanden - fördern auf der sozialen und persönlichen
Ebene die moralische Entwicklung von Menschen durch Erziehung, Beratung und
Gemeinschaftspflege und auch dadurch, dass hunderte von professionell
ausgebildeten humanistischen Ethiklehrern und Beratern in Schulen,
Krankenhäusern, Gefängnissen und den Streitkräften tätig sind.
Die humanistischen Gruppen in Asien kämpfen einerseits für Demokratie und
die Emanzipation der Frauen, andererseits für die Überwindung des Aberglaubens.
Humanisten in Kanada
und Europa setzten sich für die Freigabe von Verhütungsmitteln und das Recht auf
Abtreibung ein. In
Norwegen und Grossbritannien bieten Humanisten weltliche
Zeremonien wie Namensfeiern, Jugendfeiern, Hochzeitsfeiern und Beerdigungen an.
Wieder andere humanistische Gruppen kämpfen für die Trennung von Kirche und
Staat und setzen sich für die Förderung der wissenschaftlichen Denkweise ein.
In Indien engagieren sie sich gegen die religiöse Prostitution oder
organisieren Kampagnen gegen die Beschneidung von jungen Mädchen (...)
Die IHEU - eine internationale Organisation für
den Humanismus
Eine starke humanistische Organisation ist sehr
wichtig, um den weltweiten Einfluss des Humanismus auszubauen und so
sicherzustellen, dass die Gemeinschaft von Humanisten von den Leistungen ihrer Mitglieder
profitieren kann. Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU)
ist diese internationale Organisation für Humanisten.
Die IHEU wurde 1952 in Amsterdam als weltweite
Dachorganisation für humanistische, rationalistische, atheistische, säkulare,
ethische und agnostische Gruppen gegründet. Ihre Mitgliedsorganisationen
reichen von grossen Mitgliederverbänden bis hin zu
spezialisierten Gruppen wie Verlagen, Universitäten und Dritte-Welt-Projekten.
Als eine Föderation von nationalen und regionalen
humanistischen Gruppen koordiniert die IHEU die Aktivitäten ihrer
Mitgliedsorganisationen, stimuliert politische Aktivitäten und hilft dabei
sinnvolle Strategien zu entwickeln. Ferner unterstützt sie die Neugründung von
humanistischen Gruppen und vertritt die Interessen von Humanisten in der UNO (New
York, Genf, Wien), der UNICEF (New York), UNESCO (Paris) und im Europarat. Die
IHEU versteht sich als Schaltstelle für den Austausch von Information und
Anregungen. Sie bietet den humanistischen Organisationen und Individuen ein
Forum, um Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, die den Einfluss von Humanisten auf nationaler und
internationaler Ebene verbessern können. Durch die Präsentation des Humanismus
in den Medien gewährleistet die IHEU, dass die humanistische Alternative
weltweit immer mehr Menschen bekannt wird.
Die IHEU ist demokratisch aufgebaut und wird von den
Beiträgen ihrer Mitgliedsorganisationen und den Spenden einzelner Förderer
finanziert. Es gibt in der IHEU den Status der Voll-, Sonder- und assoziierten
Mitgliedschaft für spezialisierte Organisationen. Einzelpersonen können als
assoziierte Mitglieder aufgenommen werden, indem sie Fördermitglied werden.
Abgesehen von der Zentrale in London unterhält die IHEU regionale Sekretariate
in Lateinamerika (Costa Rica) und Asien (Indien), darüber hinaus spezielle
Sekretariate und Netzwerke wie beispielsweise das Sekretariat für hauptamtlich
arbeitende Humanisten,
für Sozialarbeiter und für Medien (Niederlanden); das Sekretariat für
Entwicklungsaufgaben (USA) und das Netzwerk 'Bioethik' (Belgien).
IHEU - Internationalismus und Menschenrechte
Für die IHEU ist die nationale Identität weniger
bedeutsam als der Aufbau einer internationalen Weltgemeinschaft. Die IHEU fühlt
sich den Idealen der UNO besonders verpflichtet; und in der Tat waren der erste
Direktor der UNESCO (Julian Huxley), der FAO (J. Boyd
Orr) und der WHO (G.B. Chisholm)
prominente Humanisten.
Die IHEU befürwortet, dass die antidiskriminierenden
internationalen Abkommen über Abrüstung, Menschenrechte und Umweltschutz von
allen Staaten ratifiziert werden sollen.
Viele der humanistischen Grundsätze finden sich
wieder in den internationalen Konventionen über Menschenrechte, und sicherlich
hat humanistisches Denken die philosophische
Grundlagen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen
mit geprägt. Auch unterbreitete die IHEU immer wieder Vorschläge bei
entsprechenden UNO-Organen zu Fragen des Umweltschutzes und zu ökonomischen,
sozialen und kulturellen Rechten. Die Wortmeldungen der IHEU zu den
UNO-Konventionen über Kinderrechte, über Folter und zur Genfer
Flüchtlingskonvention fanden die Unterstützung der einzelnen
Mitgliedsorganisationen und spiegeln sich in der nationalen Arbeit der Verbände
wieder.
In der Vergangenheit beteiligte sich die IHEU an der
Kampagne der FAO gegen den Hunger auf der Welt und war auch Gründungsmitglied
einer UNESCO-Arbeitsgruppe über Wissenschaft und Ethik. Die IHEU war ferner auf
den meisten thematischen UNO-Konferenzen vertreten, beispielsweise auf der
Konferenz zur Weltbevölkerung 1965 in Belgrad und 1974 in Bukarest, der
Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 und der Weltkulturkonferenz in Stockholm
1998.
In der modernen Welt konzentrieren sich
gesellschaftliche Bewegungen immer mehr zielgerichtet
auf ein konkretes Projekt. In diesem Sinne zielt die Arbeit der IHEU vorrangig
auf die Verteidigung von individueller Selbstbestimmung und auf Freiheit des
Glaubens. So haben IHEU-Repräsentanten bei den
Vereinigten Nationen und beim Europarat an der Ausarbeitung der 'Erklärung über
die Beseitigung aller Formen von Intoleranz und Diskriminierung aufgrund von
Religion und Glaube' wesentlich mitgearbeitet. Aufgrund einer IHEU-Initiative wurde durch die UNO das 'Recht der
Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen' verabschiedet. Ausserdem brachte die IHEU gemeinsam mit entsprechenden
UNO-Organen die Frage von Rechten religiös und philosophisch Andersdenkender
wie Taslima Nasrin aus Bangladesch und Xiao Xuehui aus China zur
Sprache.
Ausserhalb
der UNO verteidigen die IHEU und ihre angeschlossenen Mitgliedsorganisationen
die Einhaltung der bürgerlichen Freiheiten. Sie fördern eine humanere und
rationalere Haltung bei Gesetzen zu Abtreibung, in sexuellen Beziehungen und zum Recht auf freiwillige
Sterbehilfe. Sie treten für die Abschaffung der Todesstrafe ein, für die
Humanisierung der Strafgesetzgebung und gegen die Ausbeutung von Tieren. Von
Bedeutung für die IHEU waren die Kampagnen gegen Blasphemiegesetze, zum Schutz
von Minderheiten und ethnischen Gruppen, sowie zur Überwindung der
Diskriminierung auf Grund religiöser Überzeugungen bzw. mangels einer
Religionszugehörigkeit. Die IHEU hat auch eine Kampagne gegen die Bezugnahme
auf Gott im Grundgesetz Deutschlands durchgeführt, mit dem Ziel der Trennung
von Staat und Kirche. Da auch Humanisten eine Minderheit darstellen, benötigen sie den gleichen
Status wie er Religionsgemeinschaften zuerkannt wird, das heisst,
die Gleichbehandlung muss gewährleistet sein.
Menschen,
die der IHEU angeschlossen sind, arbeiten zu aktuellen Fragen als
Sachverständige im Rahmen staatlicher und lokaler Gesetzgebung (zum Beispiel
Leihmutterschaft, Klonen von Tieren, AIDS), beraten bei Gesetzentwürfen, üben
Ämter in föderalen und staatlichen Kommissionen aus und nehmen an öffentlichen
Diskussionen teil.
Ethische Leitvorstellungen - die Erklärungen und Entschliessungen der IHEU
Die „Deklaration der gegenseitigen Abhängigkeit:
Eine Neue Globale Ethik" (Declaration of Interdependence) wurde während des IHEU-Weltkongresses
1988 in Buffalo, New Yorck verabschiedet. Sie betont einen globalen ethischen
Konsens, die Menschenrechte und die globale menschliche Verantwortung.
Die wegbereitenden Stellungnahmen der IHEU zur Verteidigung schwuler und
lesbischer Lebensweisen und ihr Eintreten für Homosexualität und Bisexualität
hat breite Beachtung gefunden. IHEU-Stellungnahmen
sind Standarderklärungen zu zeitgemässen Fragen:
Resolutionen der IHEU gegen die französischen Atomtestserien, gegen
Blasphemiegesetze, gegen sogenannte "ethnische
Säuberungen" beispielsweise im früheren Jugoslawien. Verurteilt wurde
auch der Missbrauch von Kindern im Namen der Religion.
IHEU- Netzwerk und Entwicklungsprogramm
Die IHEU begleitet die Entwicklung von neuen
humanistischen Gruppen mit Rat und Tat. In Zusammenarbeit mit ihrer
niederländischen Mitgliedsorganisation HIVOS (Humanistisches Institut für
Entwicklungszusammenarbeit) finanziert sie im Rahmen von Entwicklungs- und
Netzwerkprogrammen die Aktivitäten von Mitgliedsorganisationen in der Dritten
Welt.
In den letzten Jahren wurden folgende Projekte
unterstützt:
Kongresse und Preise
Der erste IHEU Kongress war 1952 in Amsterdam. IHEU-Kongresse bieten führenden Intellektuellen und sozial
Engagierten die Gelegenheit, von humanistischen Positionen aus zu zentralen
Fragen Stellung zu nehmen. Der 14. IHEU-Kongress in Mumbai, Indien, 1999 hat das Thema "Humanismus für
menschliche Entwicklung und Glück". Weitere Informationen uber der 15 IHEU-kongress in 2002
sind beim IHEU-Büro erhältlich.
Während der IHEU-Kongresse
werden herausragende Beiträge für die Entwicklung und die Verteidigung des
Humanismus durch die Verleihung des "International Humanist Award" gewürdigt. Frühere Preisträger waren:
International Humanist News
Die „International Humanist News" ist das
vierteljährlich erscheinende Magazin der IHEU und enthält Meldungen und
spezielle Reportagen aus der humanistischen Welt. Es wird in London publiziert.
Mitgliedsorganisationen der IHEU können die dort erschienenen Artikel nachdrucken.
Einzelmitglieder erhalten die Zeitschrift kostenlos.
Unterstützen sie den internationalen Humanismus!
Wenn Sie der IHEU, entweder als
Mitgliedsorganisation oder als Fördermitglied beitreten wollen, drücken sie damit
Solidarität und ihre Nähe zu den Zielen des internationalen Humanismus aus. Sie
erhalten regelmässige Informationen über
humanistische Organisationen und Einzelpersonen. Sie erhalten Gelegenheit, sich
an der Entwicklung des Humanismus zu beteiligen. Als individuelles
Fördermitglied können sie der IHEU durch jährliche Zahlungen helfen oder sich
auf eine lebenslange Zahlung verpflichten. Eine andere Möglichkeit besteht
darin, in den IHEU-Stiftungsfond einzuzahlen und
damit langfristig die Existenz der Organisation sichern.
Wir alle müssen international zusammenarbeiten, wenn
humanistische Überzeugungen die Welt verändern sollen. Wenn Sie unsere Ziele
unterstützen, helfen sie uns bitte, dieses Ziel zu erreichen. Jede
Mitgliedersteigerung erhöht die Kraft der humanistischen Idee.
Wenn Sie an näheren Einzelheiten zur humanistischen
Organisation in ihrem Heimatland interessiert sind, abonnieren sie ein
humanistisches Magazin in ihrer Sprache (es gibt ca. 200!), informieren sie
sich im Internet oder besuchen sie einen IHEU-Kongress.
Sie können sich unter unseren Adressen in Englisch, Französisch, Deutsch,
Hindi, Marathi oder Telugu
informieren.