BRAVO - Indizierungen

Liebe Leser,

nachfolgend finden Sie einige Beispiele unserer Indizierungserfolge gegen die Kinderzeitschrift BRAVO. Auch sie haben jederzeit die Möglichkeit sich bei Kindergefährdenden Medieninhalten an Ihr zuständiges Jugendamt zu wenden, die dann ihrerseits einen Verbots- bzw. Indizierungsantrag bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stellen können. Am besten reichen Sie Ihren Protest bei Ihrem Jugendamt schriftlich ein und warten auf schriftliche Antwort. So haben Sie etwas in Händen und können auch uns davon in Kenntnis setzen. Die Entscheidung der Bps können Sie später unendgeldlich erhalten. Nachfolgend einige unserer Indizierungserfolge gegen BRAVO und BRAVO-Girl und die dazugehörigen Indizierungsbegründungen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften:

BRAVO

"von wegen "BRAVO"....

Das auflagenstärkste Jugendblatt kommt in Bedrängnis

Von keiner Zeitschrift wird die Jugend (Anmerkung: In erster Linie auch die Kinder ab 6 bis 12 Jahre !!) in Deutschland so sehr geprägt wie von "BRAVO" Die verkaufte Auflage der Wochenzeitschrift ist inzwischen auf 1,43 Millionen pro Woche geklettert, die kleinere Schwester "BRAVO – GIRL" kommt alle 14 Tage auf 860.000 Exemplare. Doch für den unangefochtenen Marktführer bei den Jugendzeitschriften ist die Welt derzeit nicht mehr ganz in Ordnung. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (Bonn) hat jetzt je eine (Und mittlerweile noch eine! Anm.) der beiden Blätter nachträglich auf den Index gesetzt. Das kommt einem Warnschuss gleich: Denn landet eine der beiden dieses Jahr noch zwei Mal auf dem Index, dann könnte die Bundesprüfstelle sie für ein Jahr im voraus indizieren. Das heißt: An Kiosken dürfte das Blatt überhaupt nicht mehr und in Zeitschriften lediglich unter dem Ladentisch, also nur noch an erwachsene, verkauft werden. Für Claus - Dieter Grabner, Verlagsleiter der

"BRAVO" - Gruppe beim Heinrich - Bauer - Verlag , sind diese Indizierungen Folge "einer neuen Prüderie", wie sie von "selbst ernannten Kreuzrittern" verfochten werde, wie er gegenüber Idea sagte. Der oberste Chef von "BRAVO" Heinrich Bauer, ist Mitglied einer lutherischen Freikirche. Was war geschehen? In den beiden Jugendmagazinen geht es neben Berichten aus der Musikszene, über Umwelthemen oder Berufswahl vor allem um Sex. Was da der Stammleserschaft im Alter zwischen 12 und 19 Jahren (Anmerkung: diese Altersangabe ist unzutreffend !!) in den letzten Monaten präsentiert wurde, schockte nicht nur Eltern, sondern rief auch die Jugendschützer auf den Plan. Das saarländische Landesjugendamt hatte die Ausgabe 21 von "BRAVO" bemängelt, weil in ihr eine 13jährige (juristisch gesehen noch ein Kind) nackt abgebildet worden war und zu Sexualpraktiken Stellung genommen hatte. Pikanterie am Rande: Die Mutter des Mädchens hatte der Veröffentlichung zugestimmt - nach Angaben des Verlages ist sie evangelische Diakonin, der Vater Religionslehrer. Im Fall von "BRAVO – GIRL" (Nr. 17/95 ) hatte der Beitrag über eine 18 Jahre alte Pornodarstellerin das Jugendamt des Rhein - Neckarkreises auf den Plan gerufen. Sie wurde zitiert mit den Worten: "Sex mit Liebe ist wunderschön, aber Sex ohne Liebe ist einfach geil" Diese Beschwerde bei der Bundesprüfstelle hatte der 36jährige Michael Brenner aus Neckargemünd von MUT e.V. bei Heidelberg über sein Kreisjugendamt ins Rollen gebracht. Gegenüber idea sagte der engagierte evangelische Erzieher : "Kinder und jugendliche werden in den beiden Zeitschriften wie Objekte für Konsum und Sex behandelt und nicht als Geschöpfe mit Seele und Geist"

Das setze die jungen Leser unter eine Art sexuellen Leistungsdruck. Brenner erhofft sich aufgrund des großen Medienechos, dass Eltern künftig einen Blick in die Lektüre ihrer Kinder werfen. Wenn ihnen dann etwas als "Kinder und Jugendgefährdend" erscheine, sollten sie das nächste Jugendamt informieren und zu einer Beschwerde bei der Bundesprüfstelle auffordern. Was Brenner erwartet, das befürchtet Verlagsleiter Grabner: "eine Antragswelle über die Jugendämter bei der Bundesprüfstelle" deren Vorsitzende Elke Monssen - Engberding rechnet ebenso damit, dass manche Eltern jetzt aufmerksamer die von ihren Kindern gelesenen Zeitschriften unter die Lupe nähmen. Inzwischen erreichte die Prüfstelle ein dritter Indizierungsantrag, gestellt durch das bayerische Landesjugendamt. Anlass war ein "BRAVO" Fotoroman, in dem eine 15jährige in einer rituellen Vergewaltigung durch eine satanische Clique gezeigt wurde. Mit Mühe konnten die Juristen des Verlages die Bundesprüfstelle beschwichtigen, indem sie beteuerten, dass so etwas nicht noch einmal vorkäme. Diese ‘Porno - Geschichten’ sind freilich keine Ausnahmeerscheinungen in den wöchentlichen "BRAVO" und 14tägigen "BRAVO – GIRL"- Heften. Längst weisen die beiden Jugendblätter in Text und Bild Parallelen zu einschlägigen Männermagazinen auf. (Anmerkung: "BRAVO" hat mittlerweile unter den ca. 3ojährigen einen Leseanteil von 300.000. Diese Leser bekommen in "BRAVO" das geboten was sie in einschlägigen Sexillustrierten vermissen: Softpornoaufnahmen mit Minderjährigen) In jeder Ausgabe sind völlig nackte Jugendliche abgebildet - zum Teil mit besonders gut ins Bild gerückten Geschlechtsteilen -, die ungehemmt über ihre Sexualität schreiben. In der neuesten Ausgabe von "BRAVO" berichtet beispielsweise der 16jährige Berufsschüler Ingo über seine bisexuellen Neigungen. In der aktuellen Ausgabe von "BRAVO - GIRL "liefert ein drei Seiten langer Report mit dem Titel "Die Lust sich selbst zu lieben " detaillierte Anweisungen zur Selbstbefriedigung für Mädchen.

Die Autoren schrecken nicht einmal davor zurück, jungen Mädchen Sexshops zu empfehlen, in denen sie spezielle Utensilien zur Selbstbefriedigung kaufen können. (Anm. Die Pornoindustrie freut sich!) Moralisch werden die Anweisungen zur Selbstbefriedigung mit knappen Sätzen gerechtfertigt: "Sexuelles Lustempfinden ist so natürlich wie Hunger und Durst - und alles andere als ein Grund sich zu schämen... Denn zwischendurch mal lieb zu sich selbst zu sein ist wichtig, um Kraft und Energie zu tanken "In den Sex- Ratgeber - Rubriken wird nach dem Motto verfahren: Alles ist erlaubt, was Spaß macht und einem anderem nicht schadet. Traditionellen Werten und Anschauungen haben die "BRAVO"- Macher gnadenlos den Kampf angesagt. Gleichzeitig hetzen sie Kinder gegen die eigenen Eltern auf. So beschreibt in "BRAVO" 40/94 der 17jährige Daniel, dass ihn seine Mutter bei der homosexuellen Liebe mit seinem 16jährigen Freund erwischt habe. Danach habe es ein Donnerwetter gegeben. Seitdem gebe es erhebliche Probleme mit den Eltern, auch bei seinem Freund. Frau Dr. Med. Irene Kapler antwortet im Blatt auf das Problem des Jungen u.a. so: "Deine Mutter hat mit ihrem Verhalten Intoleranz gezeigt... Ihr müsst Euren Eltern demonstrieren, dass sie letztlich keine Chance haben werde , wenn sie weiterhin Druck auf Euch ausüben, und dass sie Euch verlieren werden, wenn sie weiterhin so wenig Verständnis zeigen"

Solche Ratschläge, Bild - Reportagen über Sexstellungen, Berichte über Oralsex und Sado - Maso - Praktiken nenn "BRAVO"- Chefredakteur "Liebes – Coaching" (Training) "BRAVO" gebe fürsorglich Hinweise in Sachen Sex, so der Blattmacher. Ganz anderer Meinung ist freilich der Bochumer Pädagogik - Professor Joachim H. Knoll In seinem Gutachten zu BRAVO (Nr. 21) für die Bundesprüfstelle schreibt er: "Für ‘unerfahrene Jugendliche’ muss die Reportage ausgesprochen desillusionierend, funktionalistisch anmuten... Restlose Verstörung und Verwirrung dürfte in der Mehrzahl der Kinder zurückbleiben "Es würden "intime, eigentlich nicht veröffentlichbare Mitteilungen ausgebreitet ". Er wundere sich über den mangelnden Respekt vor jugendlichen Intimitäten. Am schwersten wiege der Verzicht auf Mitmenschlichkeit, Zuneigung und Partnerschaft, begründet Knoll, warum er die Indizierung befürwortet. Wie sollen Christen auf die "BRAVO"- Aufklärung reagieren? Der Pädagoge und Familienberater Eberhard Mühlan (Braunschweig) bezweifelt, dass die meisten 12jährigen tatsächlich an Diskussionen über Oral - Sex, Sado- und Masochismus interessiert sind. Sie würden penetrant mit diesem Detailwissen konfrontiert und damit allein gelassen. In einer Stellungnahme für idea schreibt er: "Das viel größere Problem aber ist, dass das Thema Sexualität in christlichen Familien und Gemeinden nach wie vor tabuisiert wird. Eltern müssen verstärkt motiviert und geschult werden, mit ihren Kindern offen über sexualkundliche Fragen und christlichen Lebensstil zu sprechen. Sie sind dazu besser geeignet als jede andere Instanz, da sie den jeweiligen Reife- und Interessenstand eines Kindes am besten berücksichtigen können." Schon einmal hatte "BRAVO" Mitte der achtziger Jahre mit seiner Berichterstattung eine bedenkliche Entwicklung unter Jugendlichen ausgelöst: Damals drückte das Jugendmagazin Anweisungen ab, wie man mit dem Jenseits in Kontakt treten könne. Dadurch wurde ein Okultboom unter Jugendlichen ausgelöst, der bis heute anhält. Nun treibt das Blatt mit seinen "Anweisungen zur freien Liebe" viele Jugendliche, zumeist noch Kinder, erneut auf einen gefährlichen Abweg. Doch Eltern können ja dafür sorgen, dass ihre Kinder etwas anderes, eben Besseres zu lesen bekommen. Und Christen können ja auch mehr die Instrumente nutzen, die der Staat zum Schutz der Jugend bietet, wie eben die Jugendämter, und sie über bedenkliche Veröffentlichungen informieren.

idea Nachrichtenmagazin 44 / 95

 

In seiner Ausgabe 44/95 brachte der STERN einen Artikel über unseren Indizierungserfolg gegen "BRAVO"

Die Reaktion Seitens verschiedener Fernseh- Radio- und Zeitungsredaktionen war enorm:

STERN - Ausgabe 44/95

DIE ZEIT Nr.2, 05. Jan. 96

SPIEGEL - Magazin 31/94 (dort hatten wir das Thema BRAVO schon 94 angeregt) und eine hohe Anzahl weiterer Zeitungen (ca. 200)

Bayern 2/Radio (Podiumsdiskusion mit Dr. Sommer Mitarbeiterin)

NDR/Radio, RPR, Belgisches Radio, ORF /RADIO u.v.a.

NDR 2/ RADIO brachte ein Interview mit dem BRAVO - Verlagsleiter Grabner und dem

MUT e.V. - Vorsitzenden Michael Brenner

An Fernsehberichterstattungen

mit MUT e.V. zum Thema BRAVO:

PRO 7 Arabella - Talk-Show

PRO 7 Hautnah - Redaktion

PRO 7 DIE REPORTER - Redaktion

ZDF LÄNDERJOURNAL

SPIEGEL - TV

SDR und SWF u.a.

 

INDIZIERT !

Am 20. 08. 95. Stellte MUT e.V. über das Kreisjugendamt Heidelberg gegen die

BRAVO - GIRL - Illustrierte Nr. 17/95 einen Indizierungsantrag den das Kreisjugendamt dann auch bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften einreichte.

Dem Antrag wurde stattgegeben !

Auszugsweise gebe ich den Indizierungsbescheid der Bps wieder:

 

Pr. 371/95 Bundesprüfstelle für

jugendgefährdende Schriften

 

Entscheidung Nr. 4531 vom 05.10. 95

Bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 198 vom 20.10.1995

 

Antragsteller: Verfahrensbeteiligte:

Kreisjugendamt Heidelberg Heinrich Bauer - Spezial -

Landratsamt Rhein - Neckar - Kreis Zeitschriften - Verlag KG

Postfach 10 46 80 Charles - de Gaulle - Str. 8

69036 Heidelberg 81737 München

Az.: 51.43

Bevollmächtigter Rechtsanwalt:

Dr. Wolfgang Auer

Bayerstraße 27

80335 München

 

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat in ihrer

434. Sitzung vom 05. Oktober 1995

an der teilgenommen haben:

von der Bundesprüfstelle

Vorsitzende Ltd. Regierungsdirektorin

Elke - Monssen - Engberding

als Beisitzer der Gruppe

Kunst Hochschullehrer Prof. Konrad Jentzsch

Literatur Niemand

Buchhandel Buchhändler Wolfgang Hüster

Verleger Niemand

Träger der freien Jugendhilfe Bundessekretär Hans - Joachim Ruttke

Träger der öffentlichen Jugendhilfe Referent Karl - Otto Lindlahr

Lehrerschaft Realschuldirektor a.D. Jürgen Seidel

Kirche Oberkirchenrat Wolfgang Mild

Länderbeisitzer:

Sachsen Dipl. - Sozialarbeiter Uwe Majewski

Mecklenburg - Vorpommern Niemand

Berlin Sozialamtsrat Eberhard Geisler

Protokollführerin Ingrid Aufmkolk

Für den Antragsteller Niemand

Für den Verfahrensbeteiligten RA Dr. Auer, München

 

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beschlossen: Die Zeitschrift

"BRAVO – GIRL"

Nr. 17 vom 09. 08. 95

Heinrich Bauer - Spezialverlag KG ,

München

wird in die Liste der

jugendgefährdenden Schriften

eingetragen.

 

 

 

SACHVERHALT

Die Zeitschrift "BRAVO - GIRL "erscheint alle 14 Tage in der Heinrich Bauer Spezialzeitschriften KG, München. Die verfahrensgegenständliche Ausgabe Nr. 17

vom 09. 08. 95 hat einen Umfang von 92 Seiten und kostet laut Aufdruck auf der vorderen Umschlagseite 3,20 DM. Die verkaufte Auflage liegt bei ca. 800. 000 Exemplaren. Das Heft ist dreispaltig gesetzt, enthält Farb - sowie Schwarz - Weiß - Fotos. Die Zeitschrift enthält im wesentlichen Beiträge über Mode, Kosmetik, Liebe und Partnerschaft, Unterhaltung und jugendaffine Reportagen.

Der Antragsteller beantragt die Indizierung, weil der Inhalt der Zeitschrift geeignet sei, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. In seinem Indizierungsantrag bezieht sich der Antragsteller im wesentlichen auf den Bericht der Seiten 12-13 mit der Überschrif "Ja, ich mache Pornos ". Die Story erzählt die Geschichte einer 18jährigen Pornodarstellerin, die Werbung für ihren Job mache. Im Sinne des Jugendmedienschutzes für bedenklich hält der Antragsteller die Tendenz der Geschichte insofern, als die Pornodarstellerin erklärte, dass Sex ohne Liebe einfach geil sei, auch Gruppensex werde in dem Beitrag als völlig normal deklariert.

Die Verfahrensbeteiligte wurden form- und fristgerecht davon benachrichtigt, dass über den Antrag in der Sitzung vom 05. 10. 1995 entschieden werden soll. Sie beantragt Ablehnung des Indizierungsverfahrens, hilfsweise gemäß § 2 GjS von der Indizierung abzusehen. Zur Begründung führt sie aus, dass diese Story einmalig in BRAVO erschienen sei, dass eine Wiederholung einer solchen Geschichte nicht beabsichtigt sei und dass auch in Zukunft auf Bilder, wie sie der Story beigefügt seien, verzichtet werde. Insofern ist die Verfahrensbeteiligte der Überzeugung, dass eine Entscheidung nach § 2 GjS gerechtfertigt sei, da eine Vorausindizierung wegen der Zusicherung, eine solche Geschichte nicht wieder zu veröffentlichen, nicht in Frage käme.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Prüfakte und den der Zeitschrift, die Gegenstand des Verfahrens waren, Bezug

genommen.

 

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Gründe

Die Zeitschrift "BRAVO -GIRL "ist geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal "sittlich zu gefährden "in §1 Abs. 1. Satz GjS nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtssprechung auszulegen ist.

Die Zeitschrift ist geeignet Kinder und jugendliche sittlich zu gefährden.

Geeignet, sittlich zu gefährden, sind Medien die nach gesamtgesellschaftlichem Konsens imstande sind, die zielgerichtete sittliche Entwicklung von Menschen unter 18 Jahren zu beeinträchtigen. Dies ist dann anzunehmen, wenn zu befüchten ist, dass durch die Lektüre, dass sittliche Verhalten des Kindes oder Jugendlichen im Denken, Fühlen, Reden oder Handeln von dem im Grundgesetz und im KJHG formulierten Normen der Erziehung wesentlich abweicht. Wissenschaftliche Literatur faßt diese Ansicht allgemein so zusammen: Das Erziehungsziel ist in unserer pluralistischen Gesellschaft vor allem dem Grundgesetz, insbesondere der Menschenwürde und den Grundrechten, aber auch den mit dem Grundgesetz übereinstimmenden pädagogischen Erkenntnissen und Wertmaßstäben, über die in der Gesellschaft Konsens besteht, zu entnehmen. (Vgl. Rainer Scholz, "Jugendschutz ", Verlag Ch. Beck S. 48)

Eines der Erziehungsziele ist die Integration der Sexualität in die Gesamtpersönlichkeit des Menschen " "Kinder und jugendliche brauchen Hilfestellung und Orientierung, um ihre sexuelle Identität zu finden, um Sexualität als bereichern und lustvoll zu erleben, und bindungsfähig zu werden, um überkommene Rollenvorstellungen zu überwinden, um urteilsfähig zu werden und verantwortungsbewußt zu handeln" (Vgl. Antonius Janzig "Sexualpädagogik "in Handbuch des Kinder und Jugendschutzes, Grundlagen - Kontexte - Arbeitsfelder, herausgegeben von Georg Bienemann, Marianne Hasebrink, Bruno W. Nikles, S. 337).

Darüber hinaus gelten Medien, die pornographisch sind, als offensichtlich schwer jugendgefährdend. Ein Medium ist pornographisch im Sinne von § 6 Nr. 2 GjS, § 184 StGB, wenn es unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund rückt und seine objektive Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend nur auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt. (Vgl. BGHSt 23, 44; Lencker in: Schönke/Schröder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 21. Aufl. RdNr. 4 zu § 184 StGB)

Unter Zugrundelegung dieser Ausführung ist nach Meinung des 12er - Gremiums der Inhalt der Reportage "Ja, ich mache Pornos" geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Dem Bericht sind drei Fotos beigefügt, die sich von pornographischen Abbildungen nur dadurch unterscheidet, dass

 

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die entsprechenden Stellen, die handelnden Personen bei der Ausübung des Geschlechtsverkehrs darstellen, durch Balken geschwärzt sind. Die Entfernung dieser Balken hätte zur Folge gehabt, dass die Abbildungen als pornographisch eingestuft worden wären. Die Zeitschrift ist damit zwar nicht geeignet, Kinder und jugendliche im Sinne des § 6 Nr. 2 GjS offensichtlich sittlich schwer zu gefährden, sie ist aber im Vorfeld dieser Tatbestandsverwirklichung angesiedelt und somit zumindest als jugendgefährdend im Sinne von § 1 I GjS einzustufen...

Aus einschlägigen Gutachten oder Veröffentlichungen über die Rezeptionsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf die Zeitschrift "BRAVO"und "BRAVOI - GIRL "ist bekannt, dass diese Zeitschriften besonders in der Gruppe der 11 - 16jährigen gelesen wird. Diese Erkenntnis haben das 12er - Gremium dazu bewogen, das Medium jedenfalls auch dann als jugendgefährdend einzustufen, wenn es eben gerade noch nicht pornographisch ist. Das 12er Gremium hat sich bei seiner Entscheidung an folgenden Erwägungen orientiert:

"Das vierte Strafrechtsänderungsgesetz führte zu einer begrenzten Freigabe der sogenannten einfachen Pornographie. Gesetzgeberisches Motiv war die Erwägung, dass angesichts des Fehlens wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse über die Möglichkeit schädlicher Auswirkungen der Pornographie die Freiheit des erwachsenen Bürgers, selbst zu bestimmen, was er lesen will, so lange den Vorrang hat, als die Ermöglichung dieser Selbstbestimmung nicht ernstzunehmende Gefahren für andere Rechtsgüter schafft. Solche hat der Gesetzgeber vor allem in der ungestörten sexuellen Entwicklung Jugendlicher gesehen - obwohl ein schädlicher Einfluß der Pornographie auch hier nicht bewiesen ist - ferner in dem Interesse des Einzelnen, nicht ungewollt mit Pornographie konfrontiert zu werden. (Vgl. Lenckner in Schöne / Schröder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 24. Aufl. Verlag Ch Beck, S. 1370 ).

Dieser Anspruch auf ungestörte sexuelle Entwicklung wird durch solche Medien verletzt, die sich von den pornographischen Abbildungen nur wenig unterscheiden. Die Beeinträchtigung ist um so wahrscheinlicher, wenn es sich auch noch um ein Medium handelt, das in erster Linie von Kindern und Jugendlichen gelesen wird.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren aber nicht nur die Abbildungen, sondern

auch der Text dieser Geschichte. Nancy berichtet über ihre tägliche Arbeit, die, da sie als Pornodarstellerin arbeitet, natürlich aus der Schilderung sexueller Vorgänge besteht. So sagt sie, dass das erste Mal total enttäuschend war, dagegen das Ansehens eines Pornos sehr erregend. Weiter betont sie, dass für sie Sex ohne Liebe geil und ihr keine Rolle ob Lolita oder Domina fremd sei.

Ganz nebenbei wird auf diese Weise dem kindlichen bzw. jugendlichen Rezipienten die Schilderung sexueller Vorgänge dargeboten, die gerade bei pubertierenden Jugendlichen zunächst zu Verunsicherungen führen können.

Besonders heftig wurde jedoch von den Beisitzern bzw. Beisitzerinnen der Hinweis auf das angebliche Nichtgefallen von Kinderpornographie und Sex mit Tieren beanstandet, handelt es sich hier doch immerhin um Straftatbestände.

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Sowohl durch die Texte als auch die Bilddarstellung wird daher eines der wesentlichen Erziehungsziele, die Integration der Sexualität in die Gesamtpersönlichkeit des Menschen, erschwert.

Das 12er Gremium hat sich in seiner Entscheidung weiterhin an den vom Bundesverfassungsgericht dargelegten Grundsätze für die schulische Sexualpädagogik orientiert.

"Ebenso ist Sexualpädagogik in erster Linie Aufgabe der Eltern. Da aber auch heute noch viele Eltern ihrer sexualpädagogischen Aufgabe - vor allem im Jugendalter - nicht bzw. nicht hinreichend nachkommen (können), ist der Beitrag sowohl der Schule als auch der außerschulischen Jugendarbeit um so dringender. Sexualpädagogik in der Schule steht im Spannungsfeld unterschiedlicher Grundrechte: Natürliches Elternrecht, Persönlichkeitsrecht des Kindes und der Erziehungsauftrag des Staates müssen miteinander in Einklang gebracht werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Spannungsfeld in seinem Urteil vom 21. 12. 1997 dargelegt und Grundsätze fr die schulische Sexualpädagogik formuliert. Danach stehen die diesbezüglichen Richtlinien unter Gesetzesvorbehalt, d.h. sie erfordern eine gesetzliche Grundlage, also die Beteiligung des Parlamentes. Per Gesetz müssen geregelt werden:

 

(Vgl. Antonius Janzig "Sexualpädagogik "in Handbuch des Kinder und Jugendschutzes, Grundlage - Kontexte - Arbeitsfelder, herausgegeben von Georg Biehemann, Marianne Hasebrink, Bruno W. Nikles, S. 337 )

Es ist Fakt seit Jahrzehnten, dass neben den Institutionen, die Sexualaufklärung und Pädagogik qua gesetzlichem Auftrag durchführen, auch die Massenmedien als eine selbstständige Sozialisationsagentur getreten sind. Dies entbindet die Massenmedien aber nicht davon, die im Grundgesetz verankerten Erziehungsziele bei ihrer Aufklärungsfunktion zu berücksichtigen. Eines dieser Erziehungsziele ist die ungestörte sexuelle Entwicklung Jugendlicher. Dieser Anspruch auf ungestörte sexuelle Entwicklung spielt in der Zeit der Pubertät, der ein Prozeß der körperlichen und emotionalen Reife ist, eine besondere Rolle. Das 12er - Gremium hat betont, dass auch Sexualerklärung nicht

dozierend oder belehrend verfahren muss, sondern durchaus versuchen soll, jugendliche Aufmerksamkeit durch narrative Formen auf sich zu ziehen. Sie muss aber auch bei einer derartigen Gestaltung Dimensionen von erotischer und sexueller Lebensgestaltung erfahrbar machen, was vorliegend nicht der Fall ist. Sexualität wird in dieser Story nicht in die Gesamtpersönlichkeit integriert, sondern sie wird isoliert und entpersonalisiert.

Ausnahmebestände gemäß § 1 Abs "GjS liegen offensichtlich nicht vor.

Ein Fall von geringer Bedeutung gemäß § 2 GjS vermochte das Gremium

nicht anzunehmen.

 

 

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Das Gremium hat die Jugendgefährdung in diesem Fall bejaht. Die Einzelausgabe einer periodisch Das Gremium hat die Jugendgefährdung in diesem Fall bejaht. Die Einzelausgabe einer periodisch erscheinenden Zeitschrift sind bei Vorlage des Antrages regelmäßig nicht mehr erhältlich. Die Indizierung der Einzelausgabe kann daher Voraussetzung für eine Dauerindizierung nach § 7 GjS sein. Der Sinn der Dauerindizierung liegt darin, Verleger und Herausgeber von Periodika zur jugendgeeigneten Gestaltung ihrer Objekte zu veranlassen, sofern sie die Indizierungseinwirkungen, insbesondere vertriebsbeschränkte Auslieferung ( § 4 )

vermeiden wollen (Vgl. Rainer Scholz, Jugendschutz, Verlag Ch. Beck S. 68 ).

Diese Wirkung wollte das Gremium insbesondere bei einer Zeitschrift, die sich speziell auch an Kinder richtet, erzielen.

Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen die Entscheidung kann innerhalb eines Monats ab Zustellung schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle beim Verwaltungsgericht Köln, Appelhofplatz 1, 50667 Köln, Anfechtungsklage erhoben werden. Die vorherige Einlegung eines Widerspruchs entfällt. Die Klage hat keine aufschiebende Wirkung. Sie ist gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesprüfstelle zu richten ( §§ 20 GjS, 42 VwGO)

 

Monssen - Engberding

A

 

Indiziert !

Am 08. März 1996 stellte MUT e.V. über das Stadtjugendamt Frankfurt a.M. sowie über das Sozialministerium Baden - Württemberg und das Landesjugenamt Bayern gegen die BRAVO - Ausgabe Nr. 11 vom 07. März 1996 einen Indizierungsantrag. Dem Antrag auf Indizierung wurde stattgegeben. Die BRAVO - Ausgabe Nr. 11 vom 07. März 96 wurde indiziert.

Nachfolgend Auszüge aus dem schriftlichen Protokoll

der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften:

 

 

 

  1. 111/96 Bundesprüfstelle für

jugendgefährdende Schriften

Entscheidung Nr. 4617 vom 05. 09. 1996

bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 184 vom 28. 09. 96

 

Die Bundesprüfstelle für jugengefährdende Schriften hat in ihrer

1.   Sitzung vom 05. September 1996

an der teilgenommen haben:

(....)

beschlossen: Die Zeitschrift

"BRAVO" Nr. 11, o7 März 1996

Heinrich - Bauer Spez. Zeitschr. - Verlag

KG, München

 

wird in die Liste der jugendgefährdenden

Schriften eingetragen.

 

Sachverhalt

 

Die Zeitschrift "BRAVO" erscheint wöchentlich in der Heinrich Bauer Spezialzeitschriften - Verlag KG, München. Die verkaufte Auflage der Zeitschrift "BRAVO" bewegt sich wöchentlich bei ca. 1,4 Millionen Exemplaren. Der Preis des Heftes Nr. 11 vom 07. März 1996 beträgt 2,3o DM bei einem Umfang von 72 Seiten.

Die Antragsteller, das Stadtjugendamt Frankfurt, das Bayerische Landesjugendamt und das Sozialministerium Baden - Württemberg beantragten übereinstimmend die Indizierung, weil der Inhalt der Ausgabe Nr. 11 geeignet sei, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Alle Antragsteller verweisen zunächst auf den Text des Liedes: "Sag’s mir" von Mark ‘ Oh.

Das Stadtjugendamt Frankfurt führt dazu aus:

"Der hier ins Deutsche übersetzte Text ist unserer Ansicht nach als pornographisch einzustufen. Ohne Berücksichtigung menschlicher Bezüge wird der Geschlechtsakt als reine Triebbefriedigung in einer die Menschenwürde verachtenden Art und Weise geschildert"

Das Bayerische Landesjugendamt führt bezüglich dieses Textes aus:

"Wie eingangs dargelegt, besteht die Leserschaft des Magazins zu einem nicht unerheblichen Teil aus Altersgruppen der 10 bis 14jährigen ( 980 000 ).

In dieser Altersphase bilden sich sexuelle Vorstellungswelten. Dies geht einher mit verstärkter Aufmerksamkeit gegenüber Informationen zum ‘was’, ‘wie oft’ etc. im Sexualbereich. Die Kinder unterliegen hier lebensbiographisch einer besonders intensiven sexuellen Entkulturierung. Passagen wie diese sind geeignet, Kindern die romantischen und zärtlichen Aspekte der Sexualität zu beschädigen. Die Formulierungen sind hart, ungeschmückt und heben ausschließlich auf den körperlichen Vollzug ab. Die beim Hören oder Lesen des Textes zwangsläufig entstehenden Bilder entsprechen durchaus denjenigen der als jugendgefährdend definierten Abbildungen einschlägiger Publikationen. Eine speziell an jüngeren und jüngsten Kunden orientierte Zeitschrift sollte in der Auswahl ihrer Texte die mögliche Schädigung bedenken. Dies wurde hier unterlassen. Von einer Jugendgefährdung ist auszugehen, zumal nicht nur Kinder, sonder auch Jugendliche von der mechanischen, die menschliche Individualität ausklammernden Sexualbeschreibung

affektiert sein können"

Das Sozialministerium Baden - Württemberg formuliert die vermutete Eignung zur Jugendgefährdung wie folgt:

"Extrem pornographisch ist der Text des Song - Books S.64 "Tell me". Er beinhaltet zudem aggressive und gewaltverherrlichende Elemente. ‘...werde dich bumsen, werde dich pumpen, bis du weich wirst,... diese Mutter stoßen, damit sie es nicht vergißt,... ich werde dich hernehmen, bis du fertig bist...’. Der Text vermittelt den Eindruck Frauen seien jederzeit verfügbar; damit werden sie zum Objekt sexueller Verfügbarkeit und sexueller Begierde degradiert"

(...)

 

Die Verfahrensbeteiligte wurde form- und fristgerecht in Kenntnis gesetzt, dass über den Antrag in der Sitzung vom 05. 09. 1996 verhandelt werden soll.

Die Verfahrensbevollmächtigte der Verfahrensbeteiligten beantragt die Ablehnung des Indizierungsantrages bzw. hilfsweise von der Indizierung gemäß § 2 GjS abzusehen.

Zur Begründung führt der Verfahrensbevollmächtigte der Verfahrensbeteiligten unter anderem aus:

Wöchtenlich hat die BRAVO etwa 3,2 Millionen Leser. Hierbei stellen die Leser, die jünger als 10 Jahre sind, keine repräsentative Gruppe dar. So verweist der Verfahrensbevollmächtigte auf ein von Professor Starke erstelltes Gutachten, in dem diese Lesergruppe der 6 - 10jährigen mit 11 % angegeben wird. Im Hinblick auf den von den Antragstellern zitierten Liedtext von Mark Oh wird ebenfalls auf das Gutachten verwiesen. Dort wird im wesentlichen ausgeführt:

Im Vordergrund des Liedes steht nicht der Geschlechtsverkehr als solcher, sondern der Wunsch nach einem Geschlechtsverkehr. Beide in dem Lied angesprochenen Personen - sowohl Sänger als auch die von ihm angesungene Person sollen sich aufeinander einstellen, miteinander kommunizieren. Deshalb lautet auch der Titel des Liedes "Sag’s mir "und in einer zentralen Textstelle heißt es: ‘ Sag’s mir Baby, dass du mich in den Armen halten willst, sag’s mir Baby wie sich’s drinnen anfühlt. Zeig’s mir Baby, dass du mich wirklich liebst. Dann wird ich heute Abend bei dir sein. ‘ Im Vordergrund des Textes stehen keineswegs Gewaltaspekte, sondern eine erotische Stimmung und der Wunsch des Werbenden, "dass auch die Umworbene "will. Auch wenn das Lied "derbe Worte "benutzt, sind diese Bestandteile der Alltagssprache. Sie bringen zum Ausdruck, dass zwischen Sänger und Umworbener ein Energiestrom fließen soll, der sowohl die körperlichen Säfte... als auch die seelischen fließen lässt. Der Grund des Liedes und seiner Gesamtstimmung sind von einer Leidenschaftlichkeit getragen, von einem vitalen Interesse an der geliebten Person, von einer Tiefe der sexuellen Gefühle, von einer Nähe und Intimität, von denen nur zu wünschen wäre, dass sie den jungen Liebenden möglichst lange erhalten bliebe. In diesem Sinne ist das Lied nicht sexuell desorientierend, sondern erotisch und partnerschaftlich orientierend und anregend.

 

(... )

Gründe

 

Die Zeitschrift "BRAVO" Nr. 11 vom 07. März 1996 war antragsgemäß zu indizieren.

Der Inhalt ist geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal "sittlich zu gefährden "in § 1 Abs. 1 Satz 1 GjS nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtssprechung auszulegen ist.

Geeignet, sittlich zu gefährden, sind Medien die nach gesamtgesellschaftlichem Konsens imstande sind, die zielgerichtete sitttliche Entwicklung von Menschen unter 18 Jahren zu beeinträchtigen. Dies ist dann anzunehmen, wenn zu befürchten ist, dass durch die Lektüre das sittliche Verhalten des Kindes oder Jugendlichen im denken, Fühlen oder Handeln von den im Grundgesetz, insbesondere der Menschenwürde und den Grundrechten, aber auch den mit dem Grundgesetz übereinstimmenden pädagogischen Erkenntnissen und Wertmaßstäben, über die in der Gesellschaft Konsens besteht, zu entnehmen. (Vgl. Rainer Scholz, "Jugendschutz", Verlag Ch. Beck, S. 48 )

(...)

Der Anspruch der Kinder und Jugendlichen auf Integration der Sexualität in die Gesamtpersönlichkeit des Menschen wird durch den Beitrag "Sag’s mir "verletzt. Dieser Beitrag ist nach übereinstimmender Ansicht von 12er - Gremium und Antragstellern so gestaltet, dass der Tatbestand der Pornographie als beinahe erfüllt anzusehen ist.

Das Medium ist pornographisch, wenn es unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund rückt und ihre objektive Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend nur auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuelle Dinge abzielt. (Vgl. BGHSt 23, 44; Lencker in: Schönke / Schröder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 21. Aufl. Rd. Nr. zu § 184 StGB).

Der Liedtext hat folgenden Inhalt:

Sag’s mir

"Rap !

Zwei, drei, vier

Fall in den Beat

Wackel mit dem Po auf die romantische Art

Beweg, beweg, beweg dich

Mach den Groove, Groove, Groove

Ich werde dich bumsen

Werde dich pumpen, bis du weich wirst

wird dich schnappen, dich nass machen.

Dich nie mehr weglassen

Diese Mutter stoßen, damit sie es nie vergißt.

Ich sprech nur davon in dir drinnen hochzukommen

Wälz dich nieder, ich bin gleich hinter dir

Zeigs mir, schmeiß mich um, blas mir richtig einen

Ich möchte dich unter mir spüren

Pip, pop, hör nicht auf

Mach dich ganz weit offen und bereit für den Doktor

Hols dir rein, nimm’s in dich auf, Baby

Spiel mir ja nichts vor

Ich hör nicht auf, ehe du verschwitzt und nackt bist

Los kleines Baby, kleines Baby, los, los

Lass mich deinen Körper bearbeiten

Lass mich hören, wie du ‘Hoh’ sagst

Chorus:

Sag’s mir Baby, dass du mich in den Armen halten willst

Sag’s mir Baby, wie es sich drinnen anfühlt

Zeigs mir, Baby, dass du mich wirklich liebst

Und dann wird ich die ganze Nacht bei dir bleiben.

Sag’s mir, Baby, dass du mich in den Armen halten willst

(Wiederholen)

Rap 2

Zwei Menschen machen gemeinsam den freien Fall

Diese Sachen, die man nicht in der Schule lernt

Du, du, du musst tun, tun, tun

Ich werde dich aufessen, dich hernehmen bis du fertig bist

Dich kicken, dich anbaggern, ja dich sogar ablecken

Ich werde diese Mutter pumpen

Dich aber nie enttäuschen

Ich sprech nur davon

Wie ich in dich hineingleiten möchte

Wälz dich herum, ich bin gleich hinter dir

Beschmuddel mich, reiz mich, mach mir richtig Lust

Ich möchte dich unter mir spüren

Pip, pop, jetzt bin ich bereit zum Höhepunkt

Mach dich ganz weit offen, lass mich genau den Punkt treffen

Denk dran, drehs mir zu, Baby, lass es mich selber finden

Denk dran, drehs mir zu, Baby, lass es mich selber finden

Ich werde nicht aufhören, bis ich hineinpumpe und reibe

Los, kleines Baby, kleines Baby los, los

Lass mich deinen Körper bearbeiten

Lass mich hören wie du ‘Hoh’ sagst

Hey, Hey, Hey, Hoh (etc.)

Chorus

Gegenstand lebhafter Diskussionen war das Gutachten des von BRAVO beauftragten Sexualwissenschaftlers Starke.

Die folgenden Bestandteile des Gutachtens wurden intensiv erörtert und in Teilen widerlegt:

zu: Vorbemerkung, Seite 3, Zeile 1ff

"Dass sie dabei als Jugendzeitschrift nicht immer auch allen Erwachsenen gefällt, ist verständlich, kann aber kein Bewertungsmaßstab sein"

Hierin stimmt das Gremium völlig mit dem Gutachter überein und bestätigt, dass es nicht am Geschmacksurteil des erwachsenen Betrachters Maß genommen hat. Bewertungsmaßstab sind einzig und allein die Fakten, die für bzw. gegen eine Jugendgefährdung sprechen.

 

zu: Vorbemerkung Seite 3, Zeile 13 ff:

"Die Normen haben sich verändert oder sind verloren gegangen. Sexuelle Varianten, die einst als pervers, abweichend, krankhaft oder unmoralisch galten, werden heute als normal betrachtet oder toleriert. In den Medien ist in jüngster Zeit ein starker Hang zum sexuellen Detail zu beobachten. Die BRAVO folgt diesem Trend, der nicht indizierbar

ist "

Die BRAVO - Redaktion folgt nicht nur Trends, ihre Publikationen setzen und verstärken Trends. Hieraus ergibt sich im "AIDS – Zeitalter" eine besondere Verantwortung für die Personale und kommunikative Komponente von Sexualität. Dem widerspricht eine mechanische Sichtweise von allein im Dienst der Triebbefriedigung stehenden Geschlechtsverkehr, wie sie in dem in Rede stehenden Liedtext zutagetritt.

(...)

 

zu: Punkt 2, Seite 7, Zeile 2 ff:

"Zwar scheint manchen Erwachsenen die sexuelle Lust abhanden gekommen zu sein, aber diese Lustlosigkeit kann nicht als Tugend stilisiert werden"

Das Gremium wünscht keinesfalls, dass Jugendliche enthaltsam bis ins hohe Alter bleiben, aber es wünscht sich, dass Jugendliche Erfahrungen nach und nach machen und das ‘Pferd nicht von hinten aufzäumen’. Ein solcher Text, in einer Jugendzeitschrift mit einer Leserschaft ab 6 Jahren vermittelt Kindern, die mit Sexualität noch nicht in Berührung gekommen sind, ein verzerrtes Bild und ist daher in der Lage, Kinder und Jugendliche zu desorientieren und zu verwirren. Des weiteren könnten Kinder und Jugendliche fälschlicherweise annehmen, dass Lust ohne ‘gegenseitige’ Achtung die Norm ist und die Frau lediglich ein Lustobjekt und nicht ein Mensch mit eigenem Charakter und eigenen Facetten, der seinen Teil zur gemeinsamen Sexualität beisteuern kann.

 

zu: Punkt 3, Seite 7 Zeile 26 ff:

"Aber alle Diskriminierungen des jugendlichen Sexualtriebes aus politischen, ideologischen oder moralischen Gründen haben sich als lebensfremd, inhuman und schädlich herausgestellt "

Dieser These stimmt das Gremium uneingeschränkt zu. Allerdings verfolgt die Indizierung des Liedtextes des erwachsenen Mark oh nicht das Ziel, den jugendlichen Sexualtrieb zu diskriminieren, sie will vielmehr verhindern, dass Erwachsene Kindern und Jugendlichen ihre Sexualphantasien aufoktroyieren.

 

(...)

 

zu: Punkt 4, Seite 8, 23 ff:

 

"Dabei soll es unbedingt ehrlich zugehen in dieser Interaktion (Spiel mir ja nichts vor) "

Es scheint fraglich, dass der Imperativ "Spiel mir ja nicht vor" die Ehrlichkeit zwischen dem Sänger und seinem Lustobjekt fördern will. Vielmehr sieht es so aus, dass der Sänger nur Bestätigung für seine Leistung sucht.

 

zu: Punkt 5, Seite 9, Zeile 12 ff:

"Im neuesten Wörterbuch der Duden - Redaktion werden Belege dafür genannt und das Wort "bumsen " für koitieren sprachstilistisch als "salopp ", also nicht pornographisch, vulgär oder obszön gewertet "

Die Umschreibung ‘salopp’ gehört im ‘Großen Wörterbuch der deutschen Sprache’

(Brockhaus - Enzyklopädie 1995 ) der Duden - Redaktion zur Kategorie der "Gossensprache ". ‘Salopp’ und ‘vulgär’ werden, nach telefonischer Auskunft der Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion, als gleichwertig gehandelt. ‘Bumsen‘ umschreibt den reinen Geschlechtsakt und beinhaltet kein zärtliches oder liebendes Gefühl sondern reine Triebbefriedigung.

 

(...)

 

Zu Recht wird darauf verwiesen, dass die Zeitschrift "BRAVO" von Kindern und Jugendlichen auch oder gerade wegen der Sexualaufklärung gelesen wird. Wenn sich andere Institutionen als das Elternhaus oder die Schule einer solchen Aufklärung annehmen, so kann dies nur unter Einhaltung der im Gesetz verankerten Normen erfolgen.

Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch darauf, dass die persönliche Intimsphäre geschützt wird. Sie haben einen Anspruch darauf, dass Informationen über Sexualität die Gesamtdimension der Sexualität einbeziehen, insbesondere darauf, dass der Mensch nicht zum Sexualobjekt degradiert wird. Das 12er - Gremium der Bundesprüfstelle hat auch in diesem Zusammenhang noch einmal betont, dass die ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen als besonders zu schützendes Rechtsgut zu wahren ist.

Das 12er Gremium hat davon abgesehen, die Zeitschrift nach § 7 GjS vorauszindizieren.

Die formale Voraussetzung des § 7 GjS lagen durch die Indizierung der Ausgabe Nr. 21, 18. 05. 95, Entscheidung Nr. 4532 vom 05. 10. 1995, bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 4597 vom 02. 05. 1996, bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 100 vom 31. 05. 1996 vor.

Der Sinn der Dauerindzierung liegt darin, Verleger und Herausgeber von Periodika zur Jugendgeeigneten Gestaltung ihrer Objekte zu veranlassen, sofern sie die Indizierungswirkung, insbesondere vertriebsbeschränkte Auslieferung (§ 4) vermeiden wollen. (vgl. Rainer Scholz, Jugendschutz, 2. Auflage. Ch. Beck Verlag S. 68)

Eines der Tatbestandsmerkmale des § 7 GjS ist daher wenn auch nicht expressis verbis im Gesetz erwähnt, dass eine Änderung des Heftinhaltes offensichtlich nicht zu erwarten ist. Der Verlag hat zugesagt, solche Beiträge in Zukunft nicht mehr veröffentlichen zu wollen, so dass schon aus diesem Grunde eine Vorausindizierung nicht erfolgt ist.

 

Monssen - Engberding

 

 

Einen Indizierungsantrag den wir im Februar 97 gegen BRAVO stellten:

Über den Antrag wurde bislang noch nicht entschieden.

 

 

 

Auf NDR 2, 10.09. 96, 7 Uhr 20, fand aufgrund unseres Indizierungserfolges gegen die BRAVO - Ausgabe Nr. 11 vom 07. März 96 ein Interview mit MUT e.V. und dem Verlagsleiter von Bravo, Herrn Grabner, statt :

 

Herr Grabner: (...) Gleiches gilt auch für den Liedtext von Mark o: Weil die Schallplatte oder Text nicht jugendgefährdend sind, aber der Abdruck des Textes ist jugendgefährdend. Das bedeutet für uns eine gewisse Realitätsferne und eine Verhältnismäßigkeit sehe ich auch nicht mehr gewahrt und ich habe das Gefühl, dass das teilweise willkürliche Entscheidungen sind die in der Bundesprüfstelle getroffen werden.

(...) Wir wollen feststellen, dass die Bundesprüfstelle für uns nicht nachvollziehbare Entscheidungen trifft. Da kann man also sehen (Text durch schlechte Tonbandqualität schwer verständlich) dass also solche Zeitschriften wie Sonnenfreunde - FKK-Jugend und und und die, wie man im allgemeinen weiß, eine gewissen Päderastengruppe beziehen nicht als jugendgefährdend eingestuft werden, 0bwohl sie sexuell desorientieren, aber egal was die BRAVO macht, wie immer das mit den Argusaugen der Bundesprüfstelle betrachtet wird und das seit 14 Jahren es manches mal seltsam anmutet (Text schwer verständlich) Herr Grabner spricht davon, dass schon so manches als jugendgefährdend eingestuft wurde wie beispielsweise das onanieren und das es schwer falle noch eine Realitätsnähe zu sehen)

Interviewerin: Der Mann der das (die Indizierung) tatsächlich wahr gemacht hat, den haben wir hier im Studio am Telefon: Die BRAVO - Ausgabe vom 17. März wurde nachträglich auf den Index gesetzt. Es geht um ein abgedrucktes Video von Thake -That und es geht um einen abgedruckten Mark O - Text. Der Mann der die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften darauf hingewiesen hat ist Michael Brenner und er macht der BRAVO schon seit Jahren das Leben schwer. Herr Brenner: Sie sind 37 Jahre alt, sind Sie sauer, dass Sie aus dem Teenyalter raus sind, greifen Sie deshalb die BRAVO so oft an?

Brenner: Nein, also ich bin froh, dass ich nicht mehr im Teenyalter bin, hätte an sich überhaupt kein Interesse an der BRAVO, aber mir geht es um Kinderschutz, wir haben ja hier den MUT-Verein, M.U.T. e.V., wir setzen uns für den Kinderschutz ein, BRAVO wird hauptsächlich von Kindern gelesen, da müssten wir sogar eigentlich eine Bundesprüfstelle für Kindergefährdende Schriften haben, weil bei den Kindern wird ja erst der Jugendschutz angesetzt. Das heißt: was für die 17jährigen gut ist, ist eigentlich auch für die 7-8jährigen gut und ab 7,8 wird BRAVO nun mal intensiv gelesen, das geht dann hoch bis 11-12 und sackt dann wieder ab, also das sind Kinder. Ja, jetzt habe ich eben Herrn Grabner zugehört und da hat er gemeint Sonnenfreunde (Kinder - FKK) sollte man zuerst einmal verbieten und da hat er sogar ganz recht wir kämpfen nämlich schon seit einigen Jahren dagegen, weil wir auch der Meinung sind das ist für Päderasten gedacht dieses Blatt.

Interviewerin: Reden Sie bitte von dieser März - Ausgabe !

Brenner: Ja, damit der Herr Grabner nicht meint das sei so ein harmloser Text gewesen,

Das muss man sich mal überlegen, diese BRAVO - Pädagogen übersetzen das Lied für die Kinder ins Deutsche, empfehlen es auszuschneiden und abzuheften, ich lese mal auszugsweise vor: Ein Lied von Mark O ins Deutsche übersetzt:

Da heißt es dann: Ich werde dich pumpen, ich werde dich bumsen bis du weich wirst,

Ich werde dich schnappen, dich nass machen, dich nie mehr

weglassen, die Mutter stoßen, damit sie es nie vergisst. Ich

sprech davon, in dir drinnen hoch zu kommen..... Aber hier vielleicht noch ein Satz, da bemerkt man auch die Zielgruppe: Diese Sachen die du in der Schule nicht lernst, die musst jetzt tun, tun, tun. Ich werde dich aufessen, dich hernehmen, bis du fertig bist, dich kicken, dich anbaggern, dich ablecken, diese Mutter pumpen etc. also, na ja, Jetzt geht der Herr Grabner hin und sagt: "Alles war so harmlos

und es ist ja gar nicht mehr nachvollziehbar, was die Bundesprüfstelle da macht, wir begreifen es nicht.... Der Zuhörer denkt sich nun, ich weiß gar nicht um was es da geht, der Herr Grabner wird schon recht haben, aber wenn der Zuhörer mal solche Texte hört

und vielleicht auch mal die Bilder in BRAVO sieht, dann wird er nämlich merken, dass das für Kinder im höchsten Grade gefährlich ist dieses Blatt.

(Die Interviewerin fragt ob die kleinen Kinder nicht doch einfach über so etwas hinweglesen würden.) Nein, das ist eben nicht der Fall. Ich habe gestern noch von einer Mutter gehört, das ist der Einstieg in die BRAVO - Welt, also das war in dem Fall eine 5jährige, das kann vielleicht außergewöhnlich sein. Die sieht ein Bild von Take-That irgendwo in der BRAVO drin: Oh das will ich haben ! Und jetzt hat sie es sich besorgt, das Blatt und die Mutter war dann geschockt und hat gesagt: Ja, schön das Bild von Take-That, aber es geht weiter in der BRAVO, weil das Kind fängt dann an da rum zu blättern. Und, es wird eben bei 8-9jährigen lange nicht mehr selektiv gelesen, im Gegenteil, die BRAVO - Welt wird übergestülpt , den Kinder wird klar gemacht: Das ist Realität und die Kinder nehmen das als Realität an , da, finde ich, sollte Kinder und Jugendschutz ansetzen das man sagt: nicht alles bekommt ihr erlaubt. Die Bravo kommt ja dann oft mit den Ausreden: O, damals habt ihr etwas gegen die Brigitte Bardot gehabt, oder Onanie, von wegen Rückenmarkschmerzen usw. Ja, also, man kann natürlich ständig auf alten Geschichten rumreiten, aber hier geht’s um die Gegenwart.

Interviewerin: Wollen sie am liebsten die BRAVO vom Markt haben?

Brenner: Ich will eines gerne erreichen, das heißt, dass die einen Abschuß mal bekommen für ein Jahr (Vorausindizierung für ein Jahr) und dass sie sich dann hinsetzen müssen und müssen mal nachstudieren, wie gehe ich mit Kindern um, wie habe ich sie (kindgemäß) zu behandeln. Ich bin kein Mensch der einem anderen irgendwo Schaden zufügen will, das ist nicht mein Bier. Mir geht es einfach darum: Bravo muss man dazu zwingen, mit dem Mittel der Zensur, Leute jetzt setzt euch zusammen, holt euch Experten rein und überlegt euch wie man mit Kindern umgeht, denn Bravo ist ein Kinderblatt und kein Jugendblatt.

Interviewerin: Vielen Dank !

 

 

 

 

 

 

M.U.T. e.V. Menschen, Umwelt, Tiere 69151 Neckargemünd

Tillyweg 10

Telefax: 06223 / 73032

c/o Michael Brenner

An Kreisjugendamt

Alte Eppelheimer Straße 50

69115 Heidelberg

20. 01. 97

 

Sehr geehrtes Jugendamt,

Anbei erhalten Sie die BRAVO - Ausgabe Nr. 3 vom 09. Januar 1997 gegen die wir Sie bitten einen Indizierungsantrag vor der Bundesprüfstelle für jugengefährdende Schriften zu stellen.

Unter der Rubrik: Rat & Hilfe vom Dr. Sommer - Team

Sprich Dich aus....

heißt es bei der Anfrage von Uli, 16 Jahre, Braunschweig:

Ich brauche drei - bis viermal Sex am Tag:

"Seit kurzem habe ich ein Problem das mich sehr belastet: Ich muss mindestens drei- bis viermal am Tag mit einem Mädchen schlafen, damit es mir richtig gut geht. Meine bisherigen Freundinnen haben da nicht lange mitgemacht. Ich sehe sehr gut aus, es war für mich noch nie ein Problem, schnell an Mädchen ranzukommen. Oft hatte ich mehrere Mädchen gleichzeitig. Gestern habe ich von einer Nymphomanin gelesen und mich gefragt, ob es so was auch bei Männern gibt. Ein Freund meint nämlich, ich wäre krank, weil ich so viel Sex brauche. Muss ich zum Arzt? (Uli, 16 Jahre, Braunschweig)

Die Antwort des Dr. Sommer - Team lautet:

Dr. - Sommer - Team:

Wenn Du ehrlich bist,

brauchst Du kein schlechtes

Gewissen zu haben.

"Hallo Uli, für das was Du lebst, gibt es viele berühmte Beispiele: Casanova werden unzählige Affären nachgesagt, Mick Jagger von den Rolling Stones kann’s trotz seiner bildhübschen Frau nicht lassen, von den Scheichs mit ihren Harems ganz zu schweigen. Würde Dein Freund diese Männer als krank bezeichnen? Ich denke, er ist eher neidisch, dass Du bei den Mädchen so gut ankommst. Würde er eindeutige Angebote ausschlagen, attraktive Mädchen "von der Bettkante stoßen "?

‘Nymphoman’ werden Mädchen, die schon in ihrer Kindheit Zärtlichkeit und Nähe nur in sexualisierter Form erlebt haben. Wenn ihnen z.B. ihr Vater oder Onkel zwischen die Beine gegriffen hat, anstatt sie väterlich in den Arm zu nehmen. Das ist natürlich eindeutig sexueller Mißbrauch. Auch später fühlen sich diese Mädchen nur durch Sex anerkannt und geliebt - kurzfristig, denn ihre tiefliegende Sehnsucht nach liebevoller Nähe und Geborgenheit erfüllt sich nie. Ein Teufelskreis, der sie immer wieder zu neuen, letztlich doch frustrierenden Sexerlebnissen zwingt. Siehst Du da Parallelen zu Dir? So wie ich Dich verstehe, geht’s Dir um den Spaß und Deine Befriedigung beim Sex. Was könnte daran schlimm sein? Gerade in Deinem Alter sind bei Jungen die Sexualhormone besonders aktiv. Du lebst also aus, was Dir Deine Hormone vorgeben. Ein schlechtes Gewissen musst Du nur dann haben, wenn Du ständig Mädchenherzen brichst und die Gefühle Deiner Freundinnen verletzt. Bist Du aber ehrlich, machst ihnen von vorneherein klar, dass es Dir lediglich um den Spaß geht, werden nur Mädchen mitmachen, die keine weiteren

(Beziehungs - ) Erwartungen an Dich haben. Dagegen ist sicher nichts zu sagen, wenn Du dann auch immer Kondome verwendest"

 

Begründung für einen Indizierungsantrag:

Casanova, Mick Jagger, Scheichs werden als berühmte Vorbildbeispiele genannt, um das Verhalten des 16jährigen Uli als völlig normal darzustellen. Die Bedenken, die Ulis Freund gegen die Sexualpraxis von Uli hat, wertet Dr. Sommer als Neid ab, dass Uli so gut bei den Frauen ankommt. Dr. Sommer fragt ob wohl Ulis Freund "eindeutige Angebote abschlagen, attraktive Mädchen von der Bettkante stoßen "würde. Dass Ulis Verhalten Untreue vor sich selbst und vor den Mädchen (Immer in Mehrzahl genannt ! ) darstellt und letztlich in das Gegenteil dessen führen kann was der Mensch ersehnt, nämlich Bindungsfähigkeit in einer glücklichen Partnerschaft , unterschlägt Dr. Sommer dem Ratsuchenden und damit allen BRAVO - Leserinnen und Lesern komplett. Ein besonderer Gipfelpunkt unqualifizierter und gefährlicher Antwortgebung ist es dann das gleiche Verhalten von Mädchen - das Dr. Sommer bei jungen so sehr lobt - die Sexsüchtig sind, als krank, weil nymphoman, weil in der Kindheit missbraucht usw., darzustellen, während das gleiche Verhalten der Männer als vorbildlich dargestellt und abgesegnet wird. Frech fragt Dr. Sommer ob Uli da etwa Parallelen entdecken würde, es gehe Uli doch wohl vielmehr um Spaß, um Befriedigung beim Sex. Dann kommt Dr. Sommer auf Sexualhormone zu sprechen die gerade bei Jungs im alter von Uli auszuleben seien. Ein schlechtes Gewissen, so Dr. Sommer, brauche Uli da auf gar keinen Fall zu haben, solange er dabei nicht Mädchenherzen breche, sondern die Mädchen vor dem Geschlechtsverkehr darauf aufmerksam mache, dass er lediglich "Spaß "suche. Abschließender Rat des Dr. Sommer: "Dagegen ist nichts zusagen, wenn du dann auch immer Kondome verwendest "

Die Antwort des Dr. Sommer - Teams ist an Unverschämtheit, Fahrlässigkeit und Frauenverachtung nicht mehr zu überbieten und bedürfte eigentlich keiner weiteren Erklärung die BRAVO -Ausgabe sofort zu indizieren. Denn mit dem Mittel der Indizierung könnte das BRAVO - Beratungsteam vielleicht doch noch zu einer reflektierteren Antwortgabe befähigt und damit Kinder und Jugendliche vor irreführenden und das gesunde Empfinden beschädigenden Antworten verschont werden.

Wie soll ein solches Antwortschreiben bloß auf Kinder und Jugendliche wirken? - das Abschleppen von möglichst vielen Mädchen - die Uli mal eben kurz hat und dann wieder abstößt - wird als völlig normal und lobenswert gewertet, während Mädchen, wenn sie das gleiche Verhalten an den Tag legen von Dr. Sommer als krank und nymphoman bezeichnet werden.

Wir bitten im Interesse des Kinder und Jugendschutzes um einen Indizierungsantrag !

 

Mit freundlichen Grüßen !

 

 

Weiteres Beispiel für einen Indizierungsantrag gegen die BRAVO-GIRL - Ausgabe

Nr. 20 vom 18. 09. 96:

 

 

M.U.T. e.V. 69151 Neckargemünd

Tillyweg 10

c/o Michael Brenner

Telefax: 06223/73032

Kreisjugendamt

Alte Eppelheimer Straße

69115 Heidelberg

 

1.      01. 97

 

Sehr geehrte Frau Schlicksupp,

Anbei erhalten Sie eine BRAVO-GIRL - Ausgabe Nr.20 vom 18. 09. 96

Auf Seite 62 steht unter der Rubrik GIRL-INTIM:

AIDS - TEST nach

dem Urlaubsflirt?

"Ich habe im Urlaub mit einem Jungen geschlafen, den ich dort im Ferienclub kennen gelernt habe. Wir haben ein Kondom verwendet. Schwanger kann ich sowieso nicht geworden sein, weil ich ja die Pille nehme. Aber ich habe jetzt Angst, dass ich mich trotz Kondom mit AIDS infiziert haben könnte. Der Junge machte zwar einen guten Eindruck. Trotzdem: Ein Rest von Zweifel bleibt. Soll ich einen AIDS - Test machen? "

Steffi, 16 Jahre

Die Antwort von BRAVO-GIRL lautet:

"Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Du dich bei richtiger Anwendung eines Kondoms mit AIDS angesteckt haben könntest, selbst wenn der Junge infiziert gewesen sein sollte. Aber bedenke: Auch die Tatsache, dass der Junge tatsächlich das Virus in sich getragen haben könnte, ist sehr unwahrscheinlich.. Es besteht also in doppelter Hinsicht überhaupt kein Grund, Dir Sorgen zu machen. Du hast Dich an die heute üblichen Empfehlungen der Ärzte, nämlich ein Kondom zu verwenden, wenn man mit einer unbekannten Person schläft, gehalten und alles richtig gemacht. Steigere dich nicht ohne vernünftigen Anlass in etwas hinein. Falls Du aber irgendeinen handfesten Grund zu der Annahme haben solltest, dass der Junge doch infiziert war oder falls Dir die Sache einfach keine Ruhe lässt, sprich mit Deinem Arzt. Was Du auf jeden Fall noch wissen solltest: Ein AIDS - Test macht erst sechs Wochen nach dem Sex Sinn, weil erst dann der Erreger festgestellt werden kann"

Diese Antwort der GIRL - Redaktion entspricht wieder einmal größter Verantwortungslosigkeit. Kondome werden als eine so große Sicherheit gegen AIDS - Infektion - selbst bei einem AIDS - Infizierten !!! - angesehen, dass der 16jährigen Steffi

komplette Entwarnung gegeben wird.

Die empfängnisbereiten Tage der Frau begrenzen sich auf maximal 4-5 Tage. Der Zyklus ist aber um 6x länger. Also ist der Pearl - Index der Kondome zu AIDS - Prophylaxe mit 6 zu multiplizieren. Daraus erfolgt folgende Rechnung für Schüler, dass sie den genannten Pearl - Index 3 bzw.. 10 x 6 rechnen müssen und dass dann zur AIDS - Prophylaxe eine Versagerquote zwischen 18 und 60 Prozent besteht. Bei dieser bei fachmedizinischen Kräften unumstrittenen Rechnung lässt sich von der Hand ablesen was für ein gefährlicher Unsinn Seitens der GIRL - Redaktion den Kindern und Jugendlichen erzählt wird. Und wenn sich die Redaktion dann noch versteigt, selbst bei einem Geschlechtsverkehr mit einem AIDS - Infizierten Entwarnung zu geben, kann doch wohl ohne weiteres von äußerster Fahrlässigkeit gegenüber der Ratsuchenden als auch gegenüber den BRAVO - GIRL - Leserinnen allgemein von äußerster Fahrlässigkeit gesprochen werden.

Die Jugendlichen suchen Rat bei BRAVO - GIRL und dürfen darum Antwort erwarten die der Wahrheit entspricht, zumindest dann wenn es um Fragen der Gesundheit geht, die bei Infektion mit HIV - Positiv lebensbedrohlich sein kann.

Wir bitten ganz dringend um einen Indizierungsantrag bei der Bundesprüfstelle für

jugendgefährdende Schriften !

 

 

Mit freundlichen Grüßen !

 

 

 

Der Züricher Tagesanzeiger /Jugendblatt ERNST

gab uns am 29.Nov.95 ein Interview:

Ernst: Wie wurden Sie aufgeklärt?

Brenner: Mehr oder weniger gar nicht. Aber wir haben uns u.a. Sexliteratur besorgt.

Ernst: Wie kommt den ein 36jähriger dazu BRAVO zu lesen?

Brenner: Ich mache Kinder und Jugendarbeit und wurde von denen auf BRAVO aufmerksam gemacht. Und da habe ich festgestellt: In BRAVO hat es immer mehr Softpornos, und es richtet sich an Kinder. Bravo behauptet zwar, es sei für Jugendliche, das ist aber nicht der Fall. Der Löwenanteil der BRAVO-Leser sind Kinder.

Ernst: Der Ausspruch, BRAVO würde Teenager zu Huren erziehen, stammt von ihnen. Meinen sie das wirklich so?

Brenner: Ein Kind hat ein dünnes Schutzgefühl. Wenn das Kind nun mit Objektdenken bombardiert wird, ist es psychisch gesehen irgendwann Prostituierungstendenzen ausgeliefert. BRAVO übt auf Kinder sexuellen Druck aus, denn sie haben nach dieser Aufklärung nicht gefragt.

Ernst: Bravo wird ja gerade auch wegen dieser Beiträge gekauft.

Brenner: Natürlich. Aber die Auflage sagt nicht, ob das ein gutes Blatt ist.

Ernst: Aber die Nachfrage ist da.

Brenner: Schon, nur wird auf diese Weise die Sexualität zur Ware gemacht. Ein Beispiel aus BRAVO: Da wird von einer 16jährigen berichtet, die in angetrunkenem Zustand einen "One night-Stand" hat. Dann hat sie Angst, sie könnte AIDS bekommen, geht zum Test und schreibt an BRAVO. BRAVO antwortet, es sei toll, dass sie an den Test gedacht habe, und sie solle doch das nächste Mal ein Kondom mitnehmen. Das ist keine Aufklärung, sondern wertlos und sogar gefährlich.

Ernst: Ich habe gemeint, im Zeitalter von AIDS sei das Kondom eine praktische Sache.

Brenner: Das Kondom ist nicht die Antwort auf alles. Im Zeitalter von AIDS sollte man auch daran denken, dass man nicht mit allem und jedem rummachen sollte .

Ernst: Das klingt stark nach Moralpredigt.

Brenner: Da bleibt mir aber die Luft weg ! Nun sagen sie mir bloß, dass wir keine Moral mehr brauchen! Wir tun immer so supermodern, und dabei schaffen wir es immer noch nicht, verantwortungsvoll, treu oder überhaupt bindungsfähig zu sein.

Ernst: Der Witz der BRAVO - Aufklärung besteht darin, dass sie weitgehend wertfrei ist und Probleme offen angegangen werden.

Brenner: Wenn da drin steht, wie genau Analverkehr funktioniert und wo man die Gleitcreme bekommt, finde ich, das ist eine unzulässige Einflußnahme Kindern und Jugendlichen gegenüber.

Ernst: Die Fragen kommen ja aus der Leserschaft. BRAVO bekommt pro Tag 200 Leserbriefe.

Brenner: Die sind nicht repräsentativ ausgewählt. Bravo sucht die Briefe aus, die viel Publikum versprechen.

Ernst: Und das Publikum liest Antworten auf interessanten Fragen.

Brenner: Nein, Bravo sucht die Fragen aus, die die Leser interessant zu finden haben. Wenn sie bei der Aufklärung nur noch vom Vögeln reden und von hinten und von vorne, dann können sie mir tausend Mal sagen, das sei o.k. Bitte schön. Aber ich finde es es zum Kotzen, dass man so mit Kindern umspringt.

Ernst: Bravo hat eine Serie laufen, wo eine junge Frau und ein junger Mann nackt abgebildet werden. Ist das pornographisch?

Brenner: Damit macht Bravo ja nicht die Auflage, sondern damit, wie es allgemein mit Sexualität umgeht; das Private wird enteignet, die Intimsphäre verletzt. In Bravo heißt es einfach, Röcke hoch und Hosen runter, dazu gibt es einige Sprüche, und das nennt sich "Aufklärung". Aber Sexualität soll doch etwas wertvolles bleiben !

 

 

 

 

Beispiel aus der Sex - Beratung einer

Jugendzeitschrift:

Der Großteil der Jugendlichen von heute stützt sein Wissen über die Sexualität auf die Ratschläge in Zeitschriften wie "BRAVO", "BRAVO – GIRL", "POP – Rocky" oder "Mädchen".

Ein Beispiel aus der Beratungspraxis und wie staatliche Stellen auf eine kritische Stimme reagieren:

Aus: "Pop - Rocky "Nr. 22/96:

AIDS nach einem One - Night - Stand

Frage:

"Letzte Woche gab meine Freundin eine Party. Dort lernte ich einen Jungen kennen, der mir auf Anhieb gut gefiel. Ich sprach ihn an, und nach einer Weile kamen wir uns näher. Zuerst fing alles ganz harmlos an. Als wir schon etwas angeheitert werden, landeten wir dann alleine im Schlafzimmer meiner Freundin. Ja, und irgendwie kam es dann auch zum Geschlechtsverkehr. Da wir keine Kondome hatten, machten wir es einfach so. Nun habe ich schreckliche Angst, er könnte mich dabei mit AIDS angesteckt haben. Es tut mir so furchtbar leid, was ich da gemacht habe?"

Antwort:

"Geh sofort in eine Apotheke und kaufe dir dort einen Schwangerschaftstest. Solltest Du nämlich schwanger geworden sein, besteht jetzt noch die Gelegenheit, eventuell einen Abbruch vornehmen zu lassen. Falls Du schwanger geworden bist, wende Dich sofort an die nächste Pro-Familia Beratungsstelle. Wo die sich befindet, erfährst Du unter der Telefonnummer 069 / 639002 oder bei der Nummer gegen Kummer: 01308 / 11103 (Kostenlos). Was Deine Sorge wegen der AIDS - Infektion betrifft, so solltest Du ruhiger werden: Der Junge wird vermutlich unter 18 Jahren alt sein, keiner Risikogruppe angehören und höchstwahrscheinlich noch nicht soviel sexuell rumgeturnt sein. Mit ziemlicher Sicherheit hat er noch kein AIDS. Sollte Deine Angst jedoch weiter bestehen bleiben, lasse einen AIDS - Test machen. Die Pro-Familia - Beraterinnen werden Dir genau erklären, wie das funktioniert - und dann kannst Du wieder ruhig schlafen. Ach ja, in Zukunft solltest Du am besten stets eine Packung feinster Markenpräservative dabei haben"

Die Vereinigung M.U.T. e.V. beantragte beim Bayerischen Landesjugendamt in München eine Indizierung dieser Pop -Rocky - Ausgabe durch die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften. Sie begründete den Antrag wie folgt:

"Auf die moralischen Bedenken der Fragestellerin ( ‘Es tut mit so furchtbar leid, was ich da gemacht habe.’ ) geht die Redaktion mit keinem Wort ein "vermutlich ", "höchstwahrscheinlich ", "mit ziemlicher Sicherheit "- mit solch bedenklichen Worten versucht die Redaktion bzw. die Diplompsychologin dem Mädchen Isa (15 J.) Entwarnung vor der AIDS - Gefahr zu geben oder der Gefahr anderer ansteckender / übertragbarer Krankheiten zu geben (Die doch den warnenden Hinweis auf ein schwerwiegendes sexuelles Fehlverhalten darstellen Anm.). Ein Junge unter 18 Jahren kann also "vermutlich" kein Aids haben. Ein Junge unter 18 Jahren ha "höchstwahrscheinlich" sexuell noch nicht soviel rumgeturnt und mit "ziemlicher Sicherheit" kein AIDS. Schon zum Einstieg der Fragebeantwortung spricht die Redaktion von "der Gelegenheit "einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Abschließender Tip der Redaktion, bzw. der Diplompsychologin: "In Zukunft solltest Du stets eine Packung feinster Markenpräservative dabei haben" Lebenshilfe, nach der die Fragestellerin doch zu Ihrer Orientierung verlangte, wird ganz offensichtlich nicht gegeben. Unbekannte Jungs werden wie sichere Größen in einer Rechnung behandelt, wären jedoch eigentlich als unbekannten Größen XY anzusehen. In der Antwort der Redaktion fällt auch ein hoher Grad an Beziehungslosigkeit zur Fragestellerin auf und damit zu allen Leserinnen und Lesern, die doch um Lebenshilfe und positive Vorgaben ersuchen. Wir finden es auch sehr bedenklich, wenn als Beratungsinstanz nur noch Pro-Familia Erwähnung findet. Auf den Seiten 34 ff finden Sie unter der Überschrift: "Leidenschaft in Schwarz" Sado - Maso - Techniken in Wort und Bild gezeigt in denen eine "Herrin" eine Peitsche in der Hand und einen jungen Sexsklaven zu Füßen hält. Es fallen Wort wie: "Komm mein Hündchen, lass dich kraulen... Aber zieh mich nicht am Schwanz, Du weißt das ist Tierquälerei... Das ist so geil... Ich möchte für immer Dein Sklave sein... Lass uns die Hundestellung spielen... Wenn du ein braves Hündchen bist und dein Stöckchen holst... "Was sollen Kinder, wir betonen Kinder!! damit anfangen? Dass eine Person der Geschichte Bedenken gegen solche Praktiken hat, kann bei den gegebenen Darstellungen in Wort und Bild nicht als hinreichender Rechtfertigungsgrund für die Fotogeschichte dienen. Ganz offensichtlich wird hier mit manipulierenden Reizthemen eine Unmenge Geld an den Kindern verdient.

Wir bitten sie daher bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften einen Indizierungsantrag zu stellen. Falls möglich, möchten wir gegen die ganze Sado - Maso - Serie Indizierungsantrag stellen. Wichtig fänden wir auch, dass endlich einmal das wahre Alter der Pop - Rocky - Leserinnen und Leser ermittelt wird "

Am 07. Juni 1996 reagierte das Bayerische Landesjugendamt München,

Sachbearbeiter Herr Will:

"Pop - Rocky Nr. 22/96

"Angesichts der wiederholt von Ihnen vorgetragenen Beschwerden gegen diverse Medien darf ich Ihnen folgendes mitteilen: Das Landesjugendamt überprüft regelmäßig Printmedien und audiovisuelle Medien gemäß dem Gesetz über jugendgefährdende Schriften. Insbesondere Medien, welche sich an Kinder und jugendliche wenden, werden dabei berücksichtigt. So wurden beispielsweise in den letzten Monaten alle auflagenstarken Jugendzeitschriften intensiv geprüft. (Anmerkung: Das ist absolut nicht wahr, dass "intensiv "geprüft wurde) Ein großes Magazin viel dabei besonders negativ auf und musste wiederholt zur Indizierung beantragt werden. Die festgestellten Gefährdungen sind vielfältiger Natur. Sexuelle Aspekte stellen nur einen Teil des gesamten Problemfeldes dar. Ich versichere Ihnen, dass dieser Bereich ausreichend gewürdigt wird. Zu Ihrer Beschwerde zu Pop - Rocky Nr. 22 ergab die Prüfung folgendes: Die Leserberatung unter dem Titel "AIDS nach einem One - Night - Stand "verweist auf eine durchaus anerkannte Beratungsstelle. (Pro-Familia Anm. ) Sie vermeidet zu moralisieren (sie tut das Gegenteil !! Anm. ), was der Akzeptanz der Antwort dienlich sein kann. (In welcher Weise "dienlich "?! ) Bedenken Sie dabei. dass ein Magazin keiner Verpflichtung unterliegt, überhaupt eine Beratungsstelle zu benennen. Das Aufzeigen eines möglichen Lebensweges für den Leserbriefschreiber mit der Nennung einer Beratungsstelle stellt einen Weg der Lebenshilfe dar. Der von Ihnen monierte "Sado – Maso" Abschnitt präsentiert in naiver Interpretation eine amateurhafte Sado - Maso - Filmsequenz mit angedeuteten esoterischen Elementen (Gruftis, Pendeln etc. ) Sexuelle Handlungen werden nicht gezeigt (Diese Behauptung des Sachbearbeiters ist eine absolute Unverschämtheit! Anm.) Die dramaturgische Entwicklung zeigt die Befreiung Alinas aus der negativen Einflusssphäre mit folgendem Happy - End. Aus langjähriger Kenntnis der Indizierungspraxis darf ich Ihnen mitteilen, dass die monierten Stellen in Pop - Rocky Nr. 22 nicht ausreichend sind, ein Indizierungsverfahren erfolgreich führen zu können. Sollten Sie mit der Auskunft nicht einverstanden sein, besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihr zuständiges Jugendamt um Prüfung der jeweiligen Medien bitten."

 

 

Wie manipulierend sich der "Sado - Maso - Abschnitt "aus Pop - Rocky sich entgegengesetzt der verharmlosenden Äußerungen durch Herrn Will auswirkt, zeigt sich zwei Ausgaben weiter in einem Leserbrief:

Frage von Gina, 15 Jahre:

"Ich weiß gar nicht mehr, was ich machen soll: Mein Freund (Auch 15 ) hat gesagt, dass er auf Sado - Maso steht. Als wir das letzte Mal zusammen geschlafen haben, gab er mir eine Peitsche und sagte, ich solle ihn auspeitschen und sein Glied mit Nadeln verwöhnen. Da ich ihn nicht ärgern wollte, tat ich es und fühlte auch so eine Art Erregung, irgendwie ein Gefühl von Macht. Doch danach ging es mir und geht es mir total schlecht. Mit meinen Eltern kann ich nicht reden, da sie gar nichts von meinem Freund wissen. Bitte hilf mir: Ist das, was gelaufen ist, noch normal? Oder bin ich pervers?"

 

Antwort:

"Eigentlich ist in einer guten und vertrauensvollen Beziehung alles erlaubt, was beiden gefällt und keinem von beiden schadet. Solange Du Deinem Freund also keine Verletzungen zufügst und ihr Spaß habt an dem, was Ihr im Bett macht, geht niemanden etwas an. Wer sollte da das Recht auf ein Urteil pervers - nicht pervers haben? Im Grunde genommen musst Du jetzt selbst entscheiden, was für Dich im grünen Bereich liegt und was nicht. (...)"

Unzählige, noch so unverschämte Antworten durch die Kinder und Jugendsexberater in Illustrierten wie Pop - Rocky, BRAVO, BRAVO - GIRL, Mädchen u.a. werden leider so gut wie gar nicht bei Eltern, Erziehern, Jugendämtern und am wenigstens von den Kirchen wahrgenommen, die sich entweder heraushalten oder auf der unseligen "Aufklärungwelle "die keine Aufklärung ist, mitschwimmen

Gegen die Kinderillustrierte "Pop-Rocky "gelang uns mit der Entscheidung Nr. 4709 vom 06.11.97 , bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 224 vom 29.11.97 ein mehrfacher Indizierungserfolg der weitreichende Folgen zum Schutz der Kinder vor Pornografie und aggressiven Aufklärungsinhalten, die Pornografie unterstützen haben. Wir konnten den Kinderschutzbeauftragten der CSU-Landtagsfraktion, Herrn Unterländer MdL, zwei Leser unseres Rundbriefes (Lehrer) und Maria Goretti e.V. für verschiedene Anträge über verschiedene Jugendämter zu Indizierungsanträgen bewegen. Wir selbst stellten ebenfalls einen Indizierungsantrag, Sage und schreibe 5 Kinderillustrierte "Pop-Rocky "wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Den Verlag kostete das ca 250 000 DM ? an Nachversteuerung und die Verpflichtung dem Kinder- und Jugendschutz künftig mehr Rechnung zutragen. Einige Auszüge aus der Urteilsbegründung gegen die 5 Pop-Rocky-Illustrierten möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

Pop-Rocky Nr. 33 vom 07.08.96,

Nr. 20 vom 07.05.97

Nr. 25 vom 11.06.97

Nr. 29 vom 09.07.97

Nr. 30 vom 16.07.97

"Die Verfahrensgegenständlichen Ausgaben der Zeitschrift "Pop-Rocky "sind geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal "sittlich zu gefährden" in §1Abs.1 Satz 1 GjS nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtsprechung auszulegen ist.

Geeignet "sittlich zu gefährden" sind Medien, die nach gesamtgesellschaftlichem Konsens im Stande sind, zielgerichtete sittliche Entwicklung von Menschen unter 18 Jahren zu beeinträchtigen. Dies ist dann anzunehmen, wenn zu befürchten ist, dass durch die Lektüre das sittliche Verhalten des Kindes oder Jugendlichen im Denken, Fühlen, Reden oder Handeln von dem im Grundgesetz und im KJHG formulierten Formen der Erziehung wesentlich abweicht"

Pop-Rocky Nr. 20:

"(..) Diese Einstufung (Anm. §1 Abs. 1 GjS) wird durch die Ausführung des jugendpsychologischen Gutachters Professor Dr. Joachim Knoll im wesentlichen bekräftigt: "(...) Erotik wird hier im gefühligen Leben von sexueller Begierde vorgeführt, die Techniken des Liebesspieles werden hier egoistisch auf den individuellen Lustgewinn hin ausgerichtet und in einer Weise beschrieben, dass sich nur auf die primären Geschlechtsmerkmale beschränkt. Der Satz "Er weiß vor lauter Liebesgefühl überhaupt nicht mehr, wie ihm geschieht" kann den Text wahrlich nicht salvieren. Der Tatbestand der Pornographie, im Sinne der Konzentration auf die Primären Geschlechtsmerkmale und die Steigerung des autoerotischen Lustgewinns, ergibt sich aus dem Text (Penis, tiefer eindringen, lustvolle Gefühle, noch mehr spüren können)" (...) Die Geschichte ist in jedem Fall nicht normal, das meint hier, nicht in größerer Häufigkeit anzutreffen, sie sexistisch, familienfeindlich "

Pop-Rocky Nr. 25:

"Der Antragsteller, das Stadtjugendamt Bonn, beantragt die Indizierung, weist vor allem auf die der Sexualaufklärung dienenden Artikel hin und darauf, dass dort Sex im frühen Jugendalter bereits als selbstverständlich angesehen werde; dass die Aufklärung sich weithin in einer Kondomisierung erschöpfe, dass der sexuelle Umgang zwischen Kindern als straffrei und von daher legal dargestellt werde und dass Momente der persönlichen Reifung und Entwicklung ausgeklammert würden "Aus Gutachten Prof. Knoll für die Bps: "vielfach verkommt der Ton dann zum unbekümmerten Reiz, er besitzt das Timbre der Lust, weniger das der Verantwortung. Beispiel: Auf die Frage: "Was ist eigentlich die Aufgabe der Hoden, warum verändern sie manchmal ihre Größe - und spielen sie auch in der Sexualität eine Rolle? "Gerinnt die Antwort zur Dienstausweisung für den Lustgewinn: "Also Girls aufgepaßt" Wenn ihr euren Freund oral verwöhnen wollt, vergeßt nie die Hoden, denn auch sie mögen es unwahrscheinlich gern, gestreichelt und geküßt zu werden" (Seite 14).

(..) In eine ähnliche #Richtung tendiert die Antwort, die der 12jährige Leserbriefschreiber in der Aufklärungsrubrik "Lust und Frust" erhält. Das "Schwängern "eines gleichaltrigen Mädchens wird zunächst mit einer Selbstverständlichkeit hingenommen und öffentlich verhandelt, die Normalität und potentielle Betroffenheit einer breiten Leserschaft suggeriert, wo statistische Werte zur ersten Kohabitation den extremen Ausnahmefall belegen. Als Lösung werden schließlich ebenso selbstverständlich wie lapidar "Abtreibung" (sinnbildlich dargestellt als Kröte, die es zu schlucken gilt) und "Pro-Familia" - als Abtreibungsabwicklungsagentur - benannt. Alternativen werden erst gar nicht zu Rate gezogen, die psychoemotionale und psychosoziale Dimension konsequent ausgespart. Angesichts einer derartig einseitigen Beschränkung auf die Vermittlung pragmatischer Abwicklungsstrategien, trifft die Kritik des Gutachters, eine derartige Aufklärung sei zu schmal, einlinig, in Teilen agitatorisch und hinsichtlich der Tragweite des Falles zu plakativ, ins Schwarze.

Pop-Rocky Nr. 30:

"(..) Sie sind der Auffassung, dieser Beitrag sei jugendgefährdend, da er einerseits auf Kinder und Jugendliche verrohend wirke und auf der anderen Seite Brutalität und Sexualität miteinander vermischt werde. Im Hinblick auf die Jugendgefährdung dieses Beitrages hat sich das 12er Gremium ebenfalls in vollem Umfang den Ausführungen des Gutachters angeschlossen "In der Sache ist ferner darauf hinzuweisen, dass die Reportage "Porno-Rock "(S. 38/39), in der Mischung von Bild und Text, aber auch in den Abbildungen für sich den Tatbestand von Pornographie - in der von uns mehrfach entfalteten Begrifflichkeit- erfüllt und zugleich auch den der Gewaltverherrlichung. Man muss nicht nur auf die angedeuteten Analpraktiken aufmerksam machen (S.38), sondern auch auf die Nacktabbildungen, die "pornographisch "sind, da die Nacktheit vor allem der Lusterregung und -steigerung dienen soll; die entblößten Körperteile, Brüste und Gesäß, werden aufreizend positioniert, und die Verquickung von Sex und Gewalt als Mittel der Luststeigerung bei gleichzeitiger Erniedrigung anderer als eindeutig erkennbar (Gutachter Knoll, Anm.).

"(...) hier wird eine Form der Sexualität gepriesen, die die Integration der Gesamtpersönlichkeit des Menschen völlig vermissen lässt. Bandenchefin Bitch erklärt die Beziehung der Gruppe wie folgt: "Zu Hause und auf der Bühne können wir unsere sexuellen Neigungen voll ausleben. Julie, Jo und Bitch haben als Lesben nur Kontakt zu Frauen, Lucie und Nicki sind Bisexuell (sie schlafen also mit Männern und Frauen), Lisa (Babe) bezeichnet sich selbst als die größte Nymphomanin der Welt. Ich habe Sex mit jedem. Frau oder Mann, jung oder alt, hässlich oder schön, ich nehme alles "Auch hier wird ein Bezug zur Sado-Maso-Szene hergestellt, u.a. in dem Bericht über die Gruppe "WASP ". Sie kennen nach der auf dem Bild befindlichen Schrift auf der Bühne keine Gnade. Abgebildet ist eine gefesselte Frau mit entblößten Körper, der das Blut herunter rinnt. Die Art der redaktionellen Zusammenstellung lässt gleichzeitig keinerlei Distanzierung, sondern vielmehr unterschwellige Akzeptanz erkennen. Das ausführliche Wortzitat, in dem Sally einen belgischen Polizisten beschreibt, der dienstlich gegen sie vorgeht, um kurz darauf privat und in einschlägiger Absicht die Hose herunterzulassen, ist Ausdruck augenzwinkernder Kumpanei. Behördlich verfügte Auftrittsverbote in diversen europäischen Ländern werden derart als verlogen und doppelmoralisch abgekanzelt, POP-ROCKY hingegen stellt sich als vollständig befreit von derart überflüssigen moralischen Verdikten dar. (..) In der Gesamtschau ergibt sich ein Beitrag, der das öffentliche und hemmungslose Ausleben von "Masturbation, Peitschenhiebe und Oralsex "bis hin zu härteren körperverletzenden SM-Praktiken zum Kult stilisiert ( ".. schockierend, aber endlich mal was anderes ") und von daher jugendgefährdend im Sinne von §1 I 1 GjS wirkt.

Pop-Rocky Nr. 33

"(...) Im Verwirrspiel der Gefühle (Foto-Love-Story) setzen sympathische junge Leute ihre Freunde unter Drogen, "um sie sexuell willfährig zu machen ". Dazu nutzte eine Beteiligte ihre Spezialmischung aus Drogen und Alkohol sowie einen ihrer berühmten Joints, worauf sie ein anderes Mädchen leicht zur sexuellen Interaktion bewegen könne. Diese Geschichte suggeriere die Normalität des Drogengebrauchs und sei geeignet, das Interesse von jungen Menschen an derartiger, (behaupteter) Drogenwirkung zu wecken. Eine Faszination an Drogen bewirke auch die Filmbeschreibung zu "Trainspotting ", die den Drogenkonsum zwar vordergründig abschreckend darstelle, die Junkies jedoch gleichzeitig zu Helden stilisiere und ausführlich in Drogenverherrlichender Manier zu Wort kommen lasse ( "Nimm den besten Orgasmus, den du je hattest, nimm ihn mal Tausend - und du bist noch nicht mal nah dran! "Geschmacklos, neutral und ultrahip (...) sie hausen zwar wie die Ratten, aber wer braucht schon Ikea-Möbel, wenn er Kokain hat?! ").

 

Diese Beispiele aus Pop-Rocky mögen genügen. Mir stellt sich immer wieder die Frage wie es möglich sein kann, dass Millionen von Eltern sich nicht im mindesten zu interessieren scheinen was Ihre Kinder von skrupellosen Geschäftemachern übergestülpt bekommen.

 

Die Illustrierte Pop-Rocky gab Ende 1998 ihr Aus bekannt. Grund war, dass nach den Indizierungen durch die Bps und die Berichterstattungen in den Medien über Kinderblättchen deren Auflage um

200 000 auf 400 000 absank.

 

In der BRAVO-GIRL-Ausgabe Nr7/98 wird unter der Rubrik "Fit vor Sex" den Kindern und gerade mal Jugendliche gewordenen unter dem Stichwort: "Alles, was Du wissen, kennen und können solltest!" "Prostatasex" vorgeschlagen. Die Mädchen sollen ihren Freunden - so wird es erklärt - den Finger tief in den Hintern stecken und dann von innen her versuchen zum Penis zu gelangen. Auf dem Mittelweg zwischen Penis und After würden sie dann auf die Prostata stoßen, die kräftig einzureiben sei, um dem Jungen einen Orgasmus ganz besonderer Art zu verschaffen.... Gleichzeitig mit diesem u.a. pervertierten Sexvorschlägen schreibt der SPIEGEL in seiner Ausgabe 7/98 Der letzte Monopolist: "Wie kein anderer triff "BRAVO" die Sehnsüchte seiner Zielgruppe". Und der BRAVO-Macher Gerhard Büchelmaier wird mit den Worten zitiert: "Diese Arbeit kann man nur reinen Herzens machen". Das klingt wie Sie unschwer bemerken schon richtig religiös und ist aus der Bergpredigt entwendet. Die perversen "Sehnsüchte" Erwachsener werden mit den Sehnsüchten der Jugendlichen nach echter Liebe und echter Zuwendung gleichgesetzt und sogar Kindern übergestülpt. Das es hier zu Mißverständnissen pathologischsten Ausmaßes kommen muss, kann nur noch als Hochverrat an der Liebe angesehen werden. Da aber sowohl der BRAVO- als auch der SPIEGEL-Redaktion jegliches tiefere Empfinden für die Liebe abhanden gekommen und das Schamgefühl zum Schutz der Liebe ohnehin zerstört ist, wen kümmert dieses furchtbare Drama schon noch? In der STERN-Ausgabe 8/98 ist ein größerer Beitrag über den menschlichen Penis zu lesen. Es wird eine Frau gezeigt, die ein Mann von hinten nimmt. Darunter steht der Kommentar des STERN: "Dein Stecken und Stab trösten mich!" Etwas weiter wird ein anderes pornografisches Bild kommentiert: "Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind da bin ich mitten unter ihnen"

 

 

 

 

Aufklärungsbeispiel aus BRAVO - GIRL:

Hexe Theresia (28)

So findest Du

im neuen

Jahr die große

Liebe

Bist Du gerade solo und sehnst Dich nach

der ganz großen Liebe? Hexe Theresia

weiß Rat: "Mit meinem Liebeszauber kriegst Du ihn.

Die Magie funktioniert garantiert !"

"Ich bin eine gute Hexe", sagt Theresia voller Stolz "Spezialgebiet" der 28jährigen aus Breitenberg bei Passau sind alle Formen von Liebesritualen. Vom Vodoozauber bis hin zur Bildmagie "Meine Trefferquote liegt bei fast 100 Prozent!" behauptet die ehemalige Anzeigenverkäuferin mit den magischen Fähigkeiten, die sie direkt von ihrer Großmutter geerbt haben soll. So hat Hexe Theresia auch ein ganz spezielles Kerzenritual entworfen, durch das alle Mädchen, die es nach ihrer sorgfältigen Erklärung durchführen, schon bald ihre große Liebe finden sollen "Wer ganz feste daran glaubt, wird nicht mehr lange allein sein ", lacht sie vielsagend und fügt gleich noch warnend hinzu: "Wer durch Magie ein Paar wird, ist für immer und ewig an den anderen gekettet. Das ist kein Spaß - überlegt euch also ganz genau, ob ihr den Jungen auch wirklich wollt "

Bevor Hexe Theresia das Kerzenritual verrät, verwandelt sie noch schnell ihr mit rotem und blauem Samt ausgeschlagenes "Hexenbüro "in ein Lichtermeeer aus brennenden Kerzen "Damit die Atmosphäre stimmt "Dann beginnt Theresia mit sanfter Stimme ihr Kerzenritual zu erklären, das Solo - Dasein aller Mädchen in Kürze beenden soll. Hier nun Theresias Erklärungen:

Schwört"

Funktioniert der Zauber wirklich? GIRL !

GIRL ! will Hexe Theresia beim Wort nehmen

und von Euch wissen ob Ihr durch das Ritual

Euren Traumjungen gefunden habt. Schreibt

Eure Erlebnisse an GIRL !, Kennwort:

"Hexe Theresia ", 80323 München.

GIRL ! schreibt dann noch weiter:

Die Magie der Kerzen

Kerzen spielen in der Magie eine wichtige Rolle. Unter anderem werden sie als Opfer dargebracht, um einen bestimmten Wunsch erfüllt zu bekommen. Für die verschiedenen Rituale benötigt man auch verschiedenfarbige Kerzen: die Farbe "Gelb "steht für Anziehung einer Person, "Rot" für Liebesrituale, "Rosa "für das Erwecken von Leidenschaft, "Blau" für alles, was mit der Gesundheit zusammenhängt und "Orange "für beruflichen und finanziellen Erfolg. Schwarze Kerzen sind Schadenskerzen. Mit ihnen kann man aber auch Unheil abwenden.

Erwachsene werden vielleicht über solche Hexereien lachen oder den Kopf schütteln und zur Tagesordnung übergehen. Für viele Kinder sieht die "Realität" dann aber anders aus. Sie schenken diesem Hokuspokus nicht selten vertrauen, um so mehr als Sie von GIRL! dazu ermuntert werden der Sache Glauben zu schenken und Sie nachzuahmen. sogar ein Erlebnisbericht wird von der Redaktion noch von den Kindern angefordert.

Würden auch Erwachsene, insbesondere Eltern die Illustrierte ihrer Kinder immer wieder mal studieren - soviel Verantwortung müsste unbedingt sein !! - dann würden sie Anlass genug finden BRAVO, Pop - Rocky und Mädchen in Frage zu stellen und dementsprechend über die Jugendämter dagegen zu klagen. Der Schade der durch solche Illustrierte an Kindern ausgeübt wird ist wesentlich größer als man sich das in der Öffentlichkeit einzugestehen traut.

Immer wieder ermuntert BRAVO zu magischen Hexenritualen und suggeriert den Kindern und Jugendlichen damit ein die Liebe sei nicht so sehr durch Herzensbildung

und durch den Gott der Liebe zu erreichen, sondern eben durch Hexen als besonderes Geschenk erhältlich. Dass auf diesem Weg die Liebe beleidigt, falsch eingeschätzt, dem Willen der Magie unterworfen wird und dass ein Mensch der die Liebe zu einem bestimmten Menschen nicht will letztlich doch noch gezwungen werden kann das wird natürlich unterschlagen.

Am 16. 07. 95 erschien in BRAVO-GIRL! folgender Hexenbericht den ich hier zu Papier bringen möchte:

 

 

LIEBESZAUBER

Du verliebst Dich in eine Jungen und würdest einen Pakt mit den Geistern schließen, um sein Herz zu gewinnen? Evelyn (17) ist’s passiert. Sie suchte Hilfe bei Deutschlands jüngster Hexe

Tina (23)

Dichte Weihrauchschwaden ziehen durch die abgedunkelte Wohnung in Stuttgart Hedelfingen. Flackernder Kerzenschein erhellt einen kleinen dreieckigen "Altar ". Auf einem roten Tuch mit einem magischen Stern liegen mehrere Amulette und Fläschchen mit Pulvern. Die Szenerie ist gespenstisch, unheimlich. Die Spannung ist fast greifbar. Wie hypnotisiert versinkt Evelyn (17) beinahe in den Augen von Tina Steinmann. Die 23jährige ist Deutschlands jüngste Hexe. Sie will Evelyn helfen, ihren Traumjungen zu erobern - mit einem Liebeszauber ! Tina kniet vor dem kleinen Altar und blickt konzentriert auf die Tarotkarten, die sie in der Hand hält "Und? - wie sieht’s aus? "flüstert Evelyn neugierig und nervös zugleich, "Wird sich Tobias in mich verlieben? "Die unheimliche Stille im Raum und die Ungewißheit zerren an Evelyns Nerven. Ihr Gesicht ist schneeweiß und ihre Hände zittern vor Aufregung und der angst vor der "unbekannten Mach "Endlich bricht Hexe Tina ihr Schweigen: "Keine angst . Ich werde Tobias für Dich erobern - ganz leicht "mit einem Augenzwinkern aus ihren durchdringenden blauen Augen fügt die blonde hexe noch hinzu: "Er scheint ja sehr nett zu sein und ist außerdem zur Zeit solo "Tinas Worte wirken auf Evelyne wie eine Erlösung, sie atmet auf und lacht erleichtert: "Ich bin ja so froh ", seufzt sie und wischt den Schweiß von der Stirn "Dein Liebeszauber ist wirklich meine letzte Hoffnung "Nach mehreren bitteren Enttäuschungen in der Liebe hatte sich Evelyn geschworen, sich nie wieder belügen und betrügen zu lassen. Deshalb wollte Evelyn bei Tobias auf Nummer sicher gehen "Seit ich ihn vor zwei Wochen im Fotoladen kennenlernte, hat es bei mir sofort gefunkt ", erinnert sich Evelyn mit leuchtenden Augen, "aber, ich hatte nicht den Mut, ihn um einen Date zu bitten. Dabei verstanden wir uns auf Anhieb super, alberten rum, machten gegenseitig Polaroids von uns und tauschten die Adressen aus... "Aber ist der 19jährige Fotopraktikant auch wirklich der

Richtige? Wo geht er weg? Was macht er in seiner Freizeit? Habe ich Chancen bei ihm? Ein Karusell quälender Fragen begann sich in Evelyns Kopf zu drehen. Und genau deshalb ist sie jetzt bei der Hexe Tina "Schließlich glaube ich schon lange an Hexen und Geister. Seit beim Gläserrücken vor zwei Jahren ein Glas zersprang, ein Fenster nicht mehr aufging und ein Kreuz von der Wand fiel, bin ich überzeugt davon, dass es Geister gib ", sagt Evelyn "Deshalb war ich überglücklich, als ich in einem Fernsehbericht von Tinas Fähigkeiten und ihrem Liebeszauber erfuhr. Hexe Tina, die tagsüber als Verkäuferin in einem Esoterikladen arbeitet, weiß seit drei Jahren von ihren magischen Kräften: "Aber nur im positiven Sinne ", beteuert die gelernte Friseuse, die sich geschworen hat, immer eine "gute Hexe "zu sein und mit ihrer "weißen Magie "nie Schaden anzurichten. Wie vorab telefonisch besprochen, bittet sie Evelyn nun um das Foto, die Adresse, das Geburtsdatum und die Haare von Tobias "Es war echt verdammt schwierig, an all das

ranzukommen ", erzählt Evelyn, die all ihren Mut zusammen nehmen musste, um Tobias Chef zu bitten, seinem Praktikanten möglichst unauffällig eine Haarsträhne zu entlocken "Zum Glück fand der mein Problem total lustig, sagte mir auch Tobias Geburtsdatum und versprach mir, meinem Traumjungen nichts zu sagen ", lacht Evelyn. Denn: "Wenn der Junge erfährt, dass er verzaubert werden soll, nützt der ganze Zauber nichts ", erklärt Hexe Tina. Vorsichtig befestigt Tina die Haare von Tobias an einer kleinen Wachspuppe, die sie schon vor Evelyns Besuch geformt hat. Aus dem Foto schneidet sie das Gesicht aus und klebt es auf den Kopf der Puppe. Eine andere Figur, die Evelyn symbolisieren soll, steht bereit. Alles andere ist Hexerei höchster Geheimhaltungsstufe: "Beim Ritual muss ich ganz alleine sein ", sagt Tina und erklärt Evelyn, wie der Liebeszauber weitergehen wird. Bei zunehmendem Mond wird Tina einen magischen Kreis ziehen, Kerzen und Puppen mit magischen Ölen einreiben und ihre unsichtbaren Helfer rufen - die Geister. Mit ihnen wird sie zur Liebesgöttin Diana beten und sich dabei in Trance versetzen. Auf telephatischem Wege wird Tina dann nachts im Traum Kontakt zu Tobias und Evelyn aufnehmen und sie miteinander verbinden "Nach 20 Minuten höchster Konzentration verabschiede ich meine Geister und die Göttin "Diese Prozedur muss Tina an acht darauffolgenden Tagen wiederholen. Dann werden die beiden Puppen fest zusammengebunden und bei Vollmond unter einen früchtetragenden Baum begraben. Mit den feierlichen Worten "Die Zeit des Hoffens ist vorüber. Die Liebe soll wachsen wie ein Baum" wird Tina das Ritual anschließend beenden. Doch Evelyn ist schon nach den Erklärungen von Hexe Tina total gebannt "Wann werde ich ihn wiedersehen? Was mache ich wenn böse Geister auftauchen? "Fragen über Fragen drängen sich ihr auf "Keine Angst , "beschwichtigt Tina, "ich werde über Dich und Tobias wachen" Auf einen genaueren Zeitpunkt für ein erstes Treffen von Evelyn und Tobias will sich Tina aber nicht festlegen "Oft geht es schnell und manchmal dauert es Monate, bis der Zauber seine volle Wirkung entfalte", so die Hexe "Aber eines ist sicher", fügt sie schmunzelnd hinzu und nimmt Evelyn dabei beruhigend in den Arm, "bis jetzt hat es immer funktioniert. Meinem Liebeszauber kann kein Junge widerstehen" Tinas Worte klingen dabei so überzeugend, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn Evelyn in GIRL ! schon sehr bald von ihrem ersten Kuß mit Tobias erzählen

könnte.

(Evelyn hat nichts mehr von Tobias erzählen können, weil es da auch nicht mehr zu erzählen gab, jedenfalls nichts über einen funktionierenden "100 % erfolgreichen" wie Hexe Tina doch versichert hatte.

Aus dem "Kleines Hexen ABC

ermuntert BRAVO - GIRL dann die Kinder und Jugendlichen sich Zaubermittel einzukaufen.

"Glaubst Du an die Kraft der Magie? Hexe Tina

zeigt Dir 3 "Zaubermittel" (Erhältlich in Esoterik - Läden)

Die Magie der Steine. Rosenquarz fördert die Liebe, Bergkristall macht glücklich, und der schwarze bannt alles Böse, sagt Tina, vor Gebrauch müssen die Steine mit Wasser abgespült und eine Nacht lang in Salz eingelegt werden.

Rose von Jericho, Tina: Diese uralte Wüstenpflanze zaubert Liebe, Glück, Gesundheit und Geld. Man nimmt die Pflanze in die Hand, wünscht sich etwas und erweckt sie donnerstags oder freitags zwischen neun und 21 Uhr mit etwas Wasser wieder zum Leben - sie wird dann saftig grün und duftet nach Erde"

Zauberöle, Hexe Tina: "Die einzelnen Öle sind nach einem geheimen Rezept gemixt. Wenn Du Deinen Geldbeutel mit dem "Money - drawingoil" (Geldöl) einreibst, füllt sich dieser auf geheimnisvolle Weise. Mit dem "Success – Oil" (Erfolgsöl) - auf Bewerbungsmappen gespritzt oder als Parfum vor Vorstellungsgesprächen aufgetragen - erhältst Du garantiert jede Stelle. Und mit dem "Kleopatra - Öl "als Parfum getragen - kann Dir bestimmt kein Junge widerstehen...."

Garniert ist das ganze natürlich dann noch mit einer Menge eindrucksvoller Bilder.

Glück, Erfolg, Liebe, Besitz, Geld - was es auch sei - alles kann eine "gute Hexe" besorgen denn all das hängt nicht von Leistung, Fleiß, Herzensbildung, eigenem nachdenken usw. ab...laut Artikel, über den Sie vielleicht lachen, viele Jugendliche und Kinder aber sehr ernst nehmen und sich irreleiten lassen. Warum garantiert die Hexe Tina für die Erfolge, wo doch offen auf der Hand liegt, dass sich der Erfolg nicht einstellen kann. Warum werden Seitens der Redaktion die Kinder so belogen und sich dann selbst überlassen?! Ein Spaß ist das alles nicht, zumal wir in einer Zeit leben in der immer mehr Menschen auf sinnloses tun vertrauen, während andere daraus das große Kapital ziehen. Vielleicht werden sie als Leser einwenden, dass die Leute schon selber wissen müssen auf wen oder was sie reinfallen. Hier handelt es sich aber um Kinder die einer postiven Orientierung bedürfen!

 

 

 

 

 

STERN - Artikel, Heft 44, 1995 zu

M.U.T. e.V. - Indizierungserfolg gegen BRAVO:

Wiedergabe auszugsweise:

"Nach unter hin öffnen"

Von Teenagern geliebt, von Eltern und Lehrern gefürchtet: "BRAVO", Deutschlands führende Pubertätspostille, landete auf dem Index - wegen sittlicher Gefährdung ihrer jungen Leserschaft.

Sandra, 16, hat Schmerzen bei der Reiterstellung. Marcel, 13, kriegt "leicht einen Steifen "wenn er mit seinem Bruder duscht "Bin ich deswegen schwul? "Die Aufklärungsseiten von "BRAVO" sind voller Probleme nach denen sonst "viele nicht zu fragen wagen "Timo, 13, klagt über "eine trockene Eichel ", während Katrin, 15, schon beim Knutschen "naß" wird. (Es geht bis in die Hose). Nur Michael, 36, bekam nie eine Antwort, wenn er die Münchner Redaktion mit seinen Problemen bombardierte. Das ging nun für "BRAVO" in die Hose. Michael Brenner ärgert sich seit Jahren, dass in Deutschlands führenden Pubertäts - Postillen "Sexualität derart prostituiert wird". Als der Erzieher aus Neckargemünd auch noch erklärt bekam, wie Analsex funktioniert und wo die Gleitcreme zu bekommen ist, reichte es ihm. Gemeinsam mit dem Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises wandte sich Brenner an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (Bps) und bekam Recht. Gestützt durch zwei Gutachten, indizierten die Bonner nachträglich zwei Ausgaben der Auflagenriesen "BRAVO" und "BRAVO-GIRL "als jugendgefährdend. Eine Entscheidung, die Claus - Dieter Grabner, Verlagsleiter der "BRAVO"- Gruppe, nur mit einer "neuen Prüderie "in Deutschland erklären kann. Nutzte ihm aber nichts. Schnell und eindeutig verurteilten die Jugend- und Tugendwächter etwa die Story einer 18jährigen Pornodarstellerin mit dem Künstlernamen Nancy Pride, die in "BRAVO-GIRL "bekennen durfte: "Sex mit Liebe ist wunderschön, aber Sex ohne Liebe ist einfach geil "Nach allerhand gynäkologischen Details und Nancys Geständnis, sie lasse sich durch AIDS "nicht verrückt machen", zog die Reporterin "innerlich den Hut" vor der Aktrice.“

Es müsste doch nachvollziehbar sein, dass uns nicht Prüderie bewegt gegen BRAVO vorzugehen! Wenn Kindern bindungsunfähig machende Hurerei als etwas ganz normales, mutiges, zeitgemäßes und wünschenswertes vorgestellt wird und gleichzeitig unterschlagen wird wohin so ein Weg führt, dann ist es doch allerhöchste Zeit zum Wohle der Kinder einzuschreiten!

„Das Bayerische Landesjugendamt hatte gegen einen "BRAVO"- Roman geklagt, in dem eine 15jährige Opfer einer satanischen Clique wurde, rituelle Vergewaltigung inklusive. Die Bundesprüfstelle verzichtete auf eine Verbot, "Weil der Verlag glaubhaft versicherte, auf ähnliche Publikationen künftig zu verzichten ", so Helmar Bluhm vom Landesjugendamt in München. Die Indizierung hätte das ganze "BRAVO"- Imperium zerschlagen können. Denn drei Verbote pro Jahr reichen aus, um ein Magazin unter den Ladentisch zu verbannen. Der Fotoroman lief durch sieben Ausgaben. Entsprechend aufgeregt machen sich die Juristen in der Hamburger Verlagszentrale über die Vorwürfe her. Wahrscheinlich nicht zum letzten Mal, denn Michael Brenner will weiterkämpfen "Diese Aufklärer machen die Jugendlichen kaputt "glaubt der Erzieher "Die denken doch, dass sie nur noch mit Superschwanz und Superkörperbau noch eine Chance haben "Er wird auch in Zukunft Politiker anschreiben und Jugendämter mobilisieren. Verlagsleiter Claus-Dieter Grabner stöhnt schon jetzt: Gegen solche Kreuzritter können sie nichts ausrichten"     Thomas Tuma

Am 30. Oktober 97 erreicht uns ein Leserbrief:

Sehr geehrter Herr Brenner,

Diesen Brief schreibe ich Ihnen, um Sie zu bitten, Ihren wertvollen Einfluß einzusetzen um die Verbreitung eines Buches, das im katholischen Don Bosco-Verlag erschienen ist und das in grober Weise die Sexualmoral und die Sitten von Kindern und Jugendlichen schädigen kann, zu verhindern. Dieses Buch heiß "Seelesorge bei Dr. Sommer" und trägt den Untertitel "Religion und Religiosität in der Jugendzeitschrift BRAVO" vom Autor Heiko Trimpel. Das Buch von Heiko Trimpel analysiert diese Zeitschrift und macht regelmäßig Kommentare und gibt Urteile, die in krassem Widerspruch zur katholischen Sexualmoral stehen. Wie mir der Verlag bestätigt hat, sind die Salesianer Don Boscos die Eigentümer des Verlages. Es ist unzumutbar, dass ein katholischer Verlag, der sich zudem für die Erziehung der Jugend einsetzt, Schriften mit moralisch verderbenden Inhalt verbreitet. Um meine Bitte an Sie zu begründen, erlaube ich mir einige Aussagen des Buches bezüglich der Sexualmoral wiederzugeben. Sämtliche Stellen wurden aus dem 4. Kapitel "Religion und Sexualität "entnommen. Dort werden einige Leserbriefe an die genannte Jugendzeitschrift kommentiert, in denen die christliche Sexualmoral verteidigt wird. So zitiert der Autor Trimpel einen Brief eines 15jährigen Mädchens, das schreibt: "Mein Leben gehört Jesus, und da ist Sex vor der Ehe kein Thema. ... Ich weiß, irgendwann steh ich mit meinem Leben vor Gott. Dann geht’s um ewiges Leben oder ewige Verdammnis". Kommentar vom Autor: "Solche Worte aus dem Munde einer 15jährigen machen diesen Jesus, der seine Jünger gnadenlos dem Gericht ausliefert, nur weil sie ihren ganz natürlichen Bedürfnissen nachgegangen sind, in den Augen der BRAVO-Leser wohl nicht besonders sympathisch. Auf einen Gott, der Pubertätsprobleme mit ewiger Verdammnis beantwortet, kann man leicht verzichten" Etwas später bezeichnet der Autor die Haltung dieses Mädchens, sich bis zur Ehe rein zu halten als fundamentalistisch, was heutzutage etwas Negatives suggeriert, und auch aus der Feder dieses Autoren negativ zu bewerten ist, wie man dem Text entnehmen kann. Ein anderes Mädchen, das zitiert wird und ebenfalls bis zur Ehe mit Geschlechtsverkehr warten will, begründet ihre Entscheidung folgendermaßen: "Ich bin christlich erzogen worden und glaube fest an die Bibel. Das hat mich vor vielem bewahrt" Der Kommentar von Heiko Trimpel zu diesem Satz: "Als Grund für Ihre Entscheidung klingt auch bei Kerstin wiederum die Furcht vor der chaotischen Wirkung der Sexualität an" Etwas später wird wieder dasselbe Mädchen zitiert, das sagt: "Ich bleibe Jungfrau. Und ich möchte noch nicht einmal ein Küßchen vor der Ehe" Der Autor kommentiert, dass hierdurch offensichtlich wird, dass dieses Mädchen psychisch krank ist. Ebenfalls wird ein Junge zitiert, der angibt, dass Masturbation Sünde ist: "Jeder muss wissen, wo er die Grenzen zieht. Für mich ist Masturbation Sünde" Der Autor kommentiert diese Aussage mit dem Hinweis, dass das Bedürfnis nach Selbstbefriedigung ein solch starker Druck ist, dass er auch von der Prinzipienhaltung nicht kontrolliert werden kann. Auch lässt der Autor keinen Zweifel, welche Kirchen seiner Meinung nach die Keuschheit fordern: "Nicht nur christliche Fundamentalisten, sondern auch andere Religionen, vor allem der Islam, fordern Keuschheit vor der Ehe "Dementsprechend ist die katholische Kirche für den Autor "fundamentalistisch", was für ihn deutlich negativ zu bewerten ist, wie man aus dem Text ohne weiteres entnehmen kann.

Ganz anders sind die Kommentare von Jugendlichen, die freizügig sind. Es wird zum Beispiel der Fall eines Mädchens wiedergegeben, das mit 13 Jahren völlig nackt frontal für die Zeitschrift posierte und auch von BRAVO abgebildet wurde. Begründung des Mädchens: "Ich mach gerne Dinge, die andere aufregen" Der Kommentar des Autors: "Julias Motto, das auch zur Überschrift des Artikels wurde, zeugt von ihrem aus dem christlichen Elternhaus stammenden Mut, sich gegen die Meinung der anderen zu stellen, gegen den Strom zu schwimmen. Die Freiheit eines Christenmenschen ist die Freiheit, sich nackt photographieren zu lassen"

Es ist unerträglich mit ansehen zu müssen, wie ein katholischer Verlag solche Schriften verbreitet. Wenn man bedenkt, unter welchen Schwierigkeiten heutzutage die Kinder und Jugendlichen, die sich für die Keuschheit entscheiden, ihre Reinheit vor dem allgemeinen Gespött verteidigen müssen, muss man zu der Meinung kommen, dass diese Veröffentlichung des Don Bosco-Verlages geradezu wie ein Verrat an denjenigen wirkt, die von dieser Seite eigentlich Unterstützung erhoffen sollten. Aus diesem Grund bitte ich Sie, Ihre Macht und Ihren Einfluß zu verwenden, damit diese Schrift aus dem Verkehr gezogen wird und statt dessen der Verlag der Salesianer Bücher verbreitet, die die Kinder und Jugendlichen zu einem Leben in Keuschheit motivieren.

Mit freundlichen Grüßen