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Fritz
Schenk
Der Fall Hohmann... und kein Ende
Mit dem Text des "Sondervotums" des Bundesparteigerichts der CDU
Mit den Unterzeichnern des Appells der Initiative "Kritische
Solidarität mit Martin Hohmann"
Fritz Schenk, bekannter
konservativer Publizist, ehemaliger Ko-Moderator des "ZDF-Magazins"
und zuletzt Chef vom Dienst bei der ZDF-Chefredaktion zeichnet in diesem Buch
erstmals lückenlos den "Fall Hohmann" als politischen Skandal nach.
Akribisch zeichnet er das katastrophale Management der Unions-Führung nach, die
unter dem Druck der medialen Öffentlichkeit in die Knie ging und Hohmann
opferte. Das Buch dokumentiert die entlarvenden Stimmen aus Politik und Medien,
die den Fall Hohmann einreihen in die Kampagnen gegen Jenninger, Heitmann und
Walser. Es dokumentiert neben der "umstrittenen" Rede Hohmanns vom 3.
Oktober 2003 auch alle wesentlichen Schriftstücke von Angela Merkel, Edmund
Stoiber und von Hohmann selbst.
Als treibende Kraft jedoch macht Schenk nicht in erster Linie die linken Medien
aus, sondern den Springer-Verlag und voran die "Bild"-Zeitung, die in
einer wochenlangen Jagd auf den "CDU-Hetzer" die Union in die
Defensive brachte.
In der erweiterten,
zweiten Neuauflage ergänzt durch alle neuen Dokumente zum Fall einschließlich
des spektakulären Sondervotums des CDU-Bundesparteigerichts in Sachen Hohmann.
320 Seiten, gebunden
Preis: 16,90 EUR
Vollständige Rede Hohmanns
Nachfolgend die Rede
des
CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, so wie sie bis zum frühen Abend des
30. Oktober 2003 auf der Internetseite der CDU-Neuhof abbrufbar war. Später
wurde die Internetseite ersatzlos gelöscht.
tagesschau.de gibt die Rede nur zu Dokumentationszwecken wieder und distanziert
sich vom Inhalt.
Ansprache von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag, 3. Oktober 2003
Anrede
Wir wollen uns über
das Thema "Gerechtigkeit für Deutschland", über unser Volk und seine
etwas schwierige Beziehung zu sich selbst einige Gedanken machen. Wir halten
uns nicht zu lange mit vordergründigen Erscheinungen auf. Aber es ist halt
schon merkwürdig,
und viele Deutsche nehmen daran Anstoß, daß ein verurteilter türkischer Mordanstifter
nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in sein türkisches Heimatland
ausgewiesen werden kann. Ein deutsches Gericht legt deutsche Gesetze so aus,
daß der sogenannte Kalif von Köln sich nicht zur Rückreise in die Türkei,
sondern zum weiteren Bezug deutscher Sozialhilfe gezwungen sieht.
Da deckt eine große Boulevard-Zeitung den Fall des Miami-Rolf auf. Dieser
mittellose deutsche Rentner erhielt vom Landessozialamt Niedersachsen den
Lebensunterhalt, die Miete nebst Kosten für eine Putzfrau, zusammen 1.425,-
Euro monatlich ins warme Florida
überwiesen. Das ist derzeit noch ganz legal, denn nach § 119
Bundessozialhilfegesetz können deutsche Staatsbürger auch im Ausland
Sozialhilfe erhalten, wenn schwerwiegende Umstände einer Rückkehr
entgegenstehen. In einem psychiatrischen Gutachten war festgestellt worden,
Rolf J. sei in seinem "gewohnten Umfeld" in Florida besser
aufgehoben. Er kann dort von seinen amerikanischen Freunden eher
"aufgefangen" werden.
Vor kurzem wurde eine Hessische Kreisverwaltung dazu verdonnert, einem
54jährigen Sozialhilfeempfänger das Potenzmittel "Viagra" nicht
grundsätzlich zu verweigern. Vor dem Hintergrund der beiden letztgenannten
Fälle schreibt die Zeitung "Das freie Wort" aus Suhl: "Viagra
aus Staatsknete war gestern, aber heute gibt es die Deutschland-Allergie."
Die Oldenburgische Nordwestzeitung empfiehlt: "Deutsche, laßt die Arbeit
liegen, ab ins Paradies." Treffend bemerkt die "Deister- und
Weserzeitung": "Wut und Entsetzen kocht
da hoch."
Viele von Ihnen kennen ähnliche Beispiele, in denen der gewährende deutsche
Sozialstaat oder der viele Rechtswege eröffnende Rechtsstaat gnadenlos
ausgenutzt werden. Dabei hat der einzelne, den man früher Schmarotzer genannt
hätte, in der Regel kein schlechtes Gewissen. Wohlmeinende Sozialpolitiker
aller Couleur haben das individuelle Anspruchsdenken kräftig gestärkt, man kann
sogar sagen verselbständigt. Dabei ist ganz aus dem Blick geraten, daß all
diese Sozialhilfe-Euros vorher von anderen hart erarbeitet
oder per Staatskredit der jungen Generation aufgebürdet werden müssen. Bei der
Abwägung von Rechten und Pflichten wurden die Rechte des Einzelnen groß
heraus-, die Pflichten des Einzelnen aber hintangestellt. Wie viele Menschen in
Deutschland klopfen ihre Pläne und Taten auch darauf ab, ob sie nicht nur
eigennützig, sondern auch gemeinschaftsnützig sind, sie der Gemeinschaft
nützen, ob sie unser Land voranbringen?
Das Wir-Denken, die Gemeinschaftsbezogenheit, müssen aber zweifellos gestärkt
werden. Bitter für uns, daß diese schwierige Übung ausgerechnet in einer Zeit
wirtschaftlicher Stagnation von uns verlangt wird. Die Zahl der bereits
erfolgten Einschränkungen ist nicht gering, die Zahl der künftigen - dazu muß
man kein Prophet sein - wird noch größer sein. Die große Mehrheit der Bevölkerung
verschließt sich einem Sparkurs nicht. Allerdings wird eines verlangt: Gerecht
muß es zugehen. Wenn erfolglose Manager sich Abfindungen in zweistelligem
Millionenbereich auszahlen lassen, fehlt nicht nur dem unverschuldet
Arbeitslosen dafür jegliches Verständnis. Nun könnte man diese horrenden
Abfindungen noch als Auswüchse des sogenannten kapitalistischen Systems
bewerten und mit der gleichen Praxis in den Vereinigten Staaten entschuldigen.
Aber besonders auch im Verhältnis zum eigenen Staat erahnen viele Deutsche
Gerechtigkeitslücken. Sie haben das
Gefühl, als normaler Deutscher schlechter behandelt zu werden als andere. Wer
seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt, fleißig arbeitet und Kinder
großzieht, kann dafür in Deutschland kein Lob erwarten, im Gegenteil, er fühlt
sich eher als der Dumme. Bei ihm nämlich kann der chronisch klamme Staat seine
leeren Kassen auffüllen.
Leider, meine Damen und Herren, kann ich den Verdacht, daß man als Deutscher in
Deutschland keine Vorzugsbehandlung genießt, nicht entkräften. Im Gegenteil.
Ich habe drei Anfragen an die Bundesregierung gestellt:
1. Ist die Bundesregierung angesichts der Wirtschaftsentwicklung und des
Rückgangs der Staatseinnahmen bereit, ihre Zahlungen an die Europäische Union
zu verringern? Die Antwort war: Die deutsche Verpflichtung gegenüber der
Europäischen Union wird ohne Abstriche eingehalten.
2. Ist die Bundesregierung bereit, sich auch für deutsche Zwangsarbeiter
einzusetzen, nachdem für ausländische und jüdische Zwangsarbeiter 10 Milliarden
DM zur Verfügung gestellt worden sind? Die Antwort war: Man könne die beiden
Fälle nicht vergleichen. Die Bundesregierung wird sich gegenüber Rußland, Polen
und der Tschechischen Republik auch nicht für eine symbolische Entschädigung
und ein Zeichen der Genugtuung für die deutschen Zwangsarbeiter einsetzen.
3. Ist die Bundesregierung angesichts der Wirtschaftsentwicklung und des
Rückgangs der Steuereinnahmen bereit, ihre Entschädigungszahlungen nach dem
Bundesentschädigungs-gesetz (also an - vor allem jüdische - Opfer des
Nationalsozialismus) der gesunkenen Leistungsfähigkeit des deutschen Staates
anzupassen? Die Antwort war: Nein, der Respekt vor dem damaligen Leiden dieser
Menschen gebiete, das Entschädigungsniveau uneingeschränkt aufrechtzuerhalten.
Mich haben diese Antworten nachdenklich gemacht und sie bestätigen die in
unserem Land weitverbreitete Anschauung: Erst kommen die anderen, dann wir.
Überspitzt gesagt: Hauptsache, die deutschen Zahlungen gehen auf Auslandskonten
pünktlich und ungeschmälert ein. Dafür müssen die Deutschen den Gürtel halt
noch ein wenig enger schnallen.
Offengestanden, ich würde mir einen Konsens wünschen, wie er in vielen anderen
Ländern der Welt besteht. Dort lautet dieser Konsens: Der eigene Staat muß in
erster Linie für die eigenen Staatsbürger da sein. Wenn schon eine Bevorzugung
der Deutschen als nicht möglich oder nicht opportun erscheint, dann erbitte ich
wenigstens Gleichbehandlung von Ausländern und Deutschen.
Fragt man nach den Ursachen dieser Schieflage, so werden viele antworten: Das
liegt an der deutschen Geschichte.
Meine Damen und Herren, kein Kundiger und Denkender kann ernsthaft den Versuch
unternehmen, deutsche Geschichte weißzuwaschen oder vergessen zu machen. Nein.
Wir alle kennen die verheerenden und einzigartigen Untaten, die auf Hitlers
Geheiß begangen wurden. Hitler, als Vollstrecker des Bösen, und mit ihm die
Deutschen schlechthin, sind gleichsam zum Negativsymbol des letzten
Jahrhunderts geworden. Man spricht von einer "Vergangenheit, die nicht
vergehen will". Man räumt dem Phänomen Hitler auch heute noch in
öffentlichen Darstellungen eine ungewöhnlich hohe Präsenz ein. Tausende
von eher minderwertigen Filmen sorgen vor allem im angelsächsischen Ausland
dafür, das Klischee vom dümmlichen, brutalen und verbrecherischen deutschen
Soldaten wach zu halten und zu erneuern.
Wird hingegen darauf hingewiesen, auch Deutsche seien im letzten Jahrhundert im
großen Stil Opfer fremder Gewalt geworden, so gilt das schon als Tabubruch. Die
Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen belegt dies eindrucksvoll. Da
wird dann gleich die Gefahr des Aufrechnens beschworen. Auf die Verursachung
des Zweiten Weltkrieges durch das Hitlerregime wird verwiesen. In einem
Interview hat unlängst Hans-Olaf Henkel, der Vizepräsident des Bundesverbandes
der deutschen Industrie das Faktum und die Folgen dieser negativen
Vergangenheitsbezogenheit auf den Punkt gebracht. Er sagte: "Unsere
Erbsünde lähmt das Land." (HÖR ZU 21/2003, Seite 16 ff).
Immer wieder erfahren wir, wie stark die 12 Jahre der NS-Vergangenheit bis in
unsere Tage wirksam sind. Fast möchte man sagen, je länger die Nazidiktatur
zurückliegt, desto wirkmächtiger wird der Hitlersche Ungeist. Das Häufchen
seiner Adepten am rechts-extremen Rand der politischen Szene ist nicht zu
verharmlosen. Die abstoßende Aggressivität ihrer öffentlichen Auftritte sorgt
aber in der Regel für begrenzte Anhängerschaft im heutigen demokratischen
Deutschland. An der Wahlurne erteilen die deutschen Wähler diesen Dumpfbacken
jeweils eine klarere Abfuhr, als das in vergleichbaren Nachbarländern
geschieht. So gesehen ist das Scheitern des NPD-Verbotes
von Vorteil, weil nicht das Verfassungsgericht, sondern der deutsche Souverän,
das Wahlvolk sein Urteil über den braunen Abhub spricht.
Dieser aktuell zu beobachtende, tagespolitisch aktive Teil des braunen Erbes
gehört zu den unangenehmen, aber wohl unumgänglichen Erscheinungen einer
parlamentarischen Demokratie. Der Narrensaum am rechten und linken Rand des
politischen Spektrums muß politisch und, wo Strafgesetze verletzt werden, mit
justiziellen Mitteln bekämpft werden. Im erfolgreichen Kampf gegen gewaltsame
Extremisten haben sich unsere Staatsschutz-organe bewährt und in Krisen, wie
den blutigen RAF-Terrorismus der 70er Jahre, unser Vertrauen erworben.
Nicht die braunen Horden, die sich unter den Symbolen des Guten sammeln, machen
tiefe Sorgen. Schwere Sorgen macht eine allgegenwärtige Mutzerstörung im
nationalen Selbstbewußtsein, die durch Hitlers Nachwirkungen ausgelöst wurde.
Das durch ihn veranlaßte Verbrechen der industrialisierten Vernichtung von
Menschen, besonders der europäischen Juden, lastet auf der deutschen
Geschichte. Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast
zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen
Beteuerungen, daß es Kollektivschuld nicht gebe, trotz nuancierter
Wortneuschöpfungen wie "Kollektivverantwortung" oder
"Kollektivscham":
Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das "Tätervolk".
Jede andere Nation neigt eher dazu, die dunklen Seiten ihrer Geschichte in ein
günstigeres Licht zu rücken. Vor beschämenden Ereignissen werden
Sichtschutzblenden aufgestellt. Bei den anderen wird umgedeutet. Paradebeispiel
für Umdeutung ist die Darstellung der französischen Revolution. Da ist das
große Massaker in Paris und den Provinzen, besonders in der Vendee. Da ist die
anschließende Machtübernahme durch einen Alleinherrscher, dessen
Eroberungskriegszüge millionenfachen Tod über Europa brachten. Die Mehrheit
französischer und außerfranzösischer Stimmen beschreiben dennoch die Revolution
mit ihrem Terror als emanzipatorischen Akt und Napoleon als milden,
aufgeklärten Vater
des modernen Europa.
Solche gnädige Neubetrachtung oder Umdeutung wird den Deutschen nicht
gestattet. Das verhindert die zur Zeit in Deutschland dominierende politische
Klasse und Wissenschaft mit allen Kräften. Sie tun "fast neurotisch auf
der deutschen Schuld beharren", wie Joachim Gauck es am 1.10. 2003
ausgedrückt hat.
Mit geradezu neurotischem Eifer durchforschen immer neue Generationen deutscher
Wissenschaftler auch noch die winzigsten Verästelungen der NS-Zeit.
Es verwundert, daß noch keiner den Verzicht auf Messer und Gabel vorgeschlagen
hat, wo doch bekanntermaßen diese Instrumente der leiblichen Kräftigung der
damaligen Täter dienten. Die Deutschen als Tätervolk. Das ist ein Bild mit
großer, international wirksamer Prägekraft geworden. Der Rest der Welt hat sich
hingegen in der Rolle der Unschulds-lämmer - jedenfalls der relativen
Unschuldslämmer - bestens eingerichtet. Wer diese klare Rollenverteilung - hier
die Deutschen als größte Schuldigen aller Zeiten, dort die moralischen
überlegenen Nationen - nicht anstandslos akzeptiert, wird Schwierigkeiten
erhalten. Schwierigkeiten gerade von denen, die als 68er das
"Hinterfragen, das Kritisieren und das Entlarven" mit großem
persönlichen Erfolg zu ihrer Hauptbeschäftigung gemacht haben. Einige von den
Entlarvern hat es bekanntermaßen bis in höchste Staatsämter getragen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
um jedem Mißverständnis auszuweichen: Mit Ihnen gemeinsam bin ich für Klarheit
und Wahrheit. Es soll, darf nicht verschwiegen und beschönigt werden.
"Hehle nimmer mit der Wahrheit, bringt sie Leid, nicht bringt sie
Reue", sagt der Dichter. Ja, das Unangenehme, das Unglaubliche, das
Beschämende an der Wahrheit, das gilt es auszuhalten. Wir Deutschen haben es
ausgehalten, wir halten es seit Jahrzehnten aus. Aber bei vielen kommt die
Frage auf, ob das Übermaß der Wahrheiten über die verbrecherischen und
verhängnisvollen 12 Jahre der NS-Diktatur nicht
a) instrumentalisiert wird und
b) entgegen der volkspädagogischen Erwartung in eine innere Abwehrhaltung
umschlagen könnte.
Immer und immer wieder die gleiche schlimme Wahrheit: Das kann, das muß
geradezu psychische Schäden bewirken, wie wir aus der
Resozialisierungspsychologie wissen.
Schlimm ist es besonders, wenn ein U.S.-amerikanischer Junior-Professor (Daniel
Jonah Goldhagen) als Ergebnis seiner Aufklärungsarbeit unser ganzes Volk als
"Mörder von Geburt an" bezeichnet. Diese ebenso schrille wie falsche
These hat ihm jedoch - besonders in Deutschland - Medienaufmerksamkeit und
Autorenhonorar gesichert. Andere Nationen würden ihn mit kalter Verachtung
links liegen lassen.
In der Tat lehnen sich gerade jüngere Menschen dagegen auf, für Verfehlungen
von
Großvätern und Urgroßvätern in Anspruch genommen und mit dem Verdikt
"Angehöriger des Tätervolks" belegt zu werden.
Ganz zweifellos steht fest: Das deutsche Volk hat nach den Verbrechen der
Hitlerzeit
sich in einer einzigartigen, schonungslosen Weise mit diesen beschäftigt, um
Vergebung gebeten und im Rahmen des Möglichen eine milliardenschwere
Wiedergutmachung geleistet, vor allem gegenüber den Juden. Auf die Verträge
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel unter den
Führungspersönlichkeiten Adenauer und Ben Gurion darf ich verweisen. Zu der
damals vereinbarten Wiedergutmachung bekennt sich die Mehrheit der Deutschen
ganz ausdrücklich, wobei Leid und Tod in unermeßlichem Maß nicht ungeschehen
gemacht werden kann.
Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim
jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine
dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer,
die Leidtragenden?
Meine Damen und Herren,
es wird Sie überraschen, daß der amerikanische Autokönig Henry Ford 1920 ein
Buch mit dem Titel "The International Jew" herausgegeben hat. Dieses
Buch hat in den USA eine Auflage von 500.000 Exemplaren erlebt. Es wurde ein
Weltbestseller und in 16 Sprachen übersetzt. Darin prangert Ford die Juden
generalisierend als "Weltbolschewisten" an. Er vermeinte, einen
"alljüdischen Stempel auf dem roten Rußland" ausmachen zu können wo
damals die bolschewistische Revolution tobte. Er bezeichnete die Juden in
"hervorragen-dem Maße" als "Revolutionsmacher". Dabei bezog
er sich auf Rußland, Deutschland und Ungarn. Ford brachte in seinem Buch eine
angebliche "Wesensgleichheit" von Judentum und Kommunismus bzw.
Bolschewismus zum Ausdruck.
Wie kommt Ford zu seinen Thesen, die für unsere Ohren der NS-Propaganda vom
"jüdischen Bolschewismus" ähneln? Hören wir, was der Jude Felix
Teilhaber 1919 sagt: "Der Sozialismus ist eine jüdische Idee Jahrtausende
predigten unsere Weisen den Sozialismus." Damit wird auch ausgedrückt, daß
an der Wiege des Kommunismus und Sozialismus jüdische Denker standen. So stammt
Karl Marx über beide Eltern von Rabbinern ab. Sein Porträt hing im Wohnzimmer
einer jüdischen Frauenforscherin, die im übrigen bekennt: "Ich bin damit
groß geworden, daß ein jüdischer Mensch sich für soziale Gerechtigkeit
einsetzt, progressiv und sozialistisch ist. Sozialismus war unsere
Religion." Immer wieder klingen in den Schriften dieser frühen
kommunistischen Zeit quasi religiöse Züge an. Viele der für den Bolschewismus
engagierten Juden fühlten sich sozusagen als "gläubige Soldaten der
Weltrevolution". So erwartete Kurt Eisner bereits 1908, die "Religion
des Sozialismus" werde die "Verzweiflung des Jammertals" und die
"Hoffnungslosigkeit des irdischen Geschicks" überwinden. Leo
Rosenberg verherrlicht das Proletariat 1917 gar als "Weltmessias".
Konkret stellt sich die Frage: Wieviel Juden waren denn nun in den
revolutionären Gremien vertreten? Zum siebenköpfigen Politbüro der Bolschewiki
gehörten 1917 vier Juden: Leo Trotzki, Leo Kamenjew, Grigori Sinowjew und
Grigori Sokolnikow. Die Nichtjuden waren Lenin, Stalin, Bubnow. Unter den 21
Mitgliedern des revolutionären Zentralkomitees in Rußland waren 1917 sechs der
jüdischen Nationalität an, also 28,6 %. Der überaus hohe Anteil von Juden bei
den kommunistischen Gründervätern und den revolutionären Gremien beschränkte
sich keineswegs auf die Sowjetunion. Auch Ferdinand Lassalle war Jude ebenso
wie Eduard Bernstein und Rosa Luxemburg. 1924 waren von sechs KP-Führern in
Deutschland vier und damit zwei Drittel jüdisch. In Wien waren von 137
führenden Austro-Marxisten 81 und somit 60 % jüdisch. Von 48 Volkskommissaren
in Ungarn waren 30 jüdisch gewesen. Aber auch bei der revolutionären
sowjetischen Geheimpolizei, der Tscheka, waren die jüdischen Anteile
außergewöhnlich hoch. Während der jüdische Bevölkerungsanteil 1934 in der
Sowjetunion bei etwa 2 % lag, machten die jüdischen Tscheka-Führer immerhin 39
% aus. Jüdisch galt, das sei erläuternd gesagt, in der Sowjetunion als eigene
Nationalität. Damit war er höher als der russische Anteil bei der Tscheka mit
36 %. In der Ukraine waren sogar 75 % der Tschekisten Juden.
Diese Feststellung leitet zu einem Kapitel über, das zur damaligen Zeit für
ungeheure Empörung gesorgt hat. Der Mord am russischen Zaren und seiner Familie
wurde von dem Juden Jakob Swerdlow angeordnet und von dem Juden Chaimowitz
Jurowski am Zaren Nikolaus II. eigenhändig vollzogen. Weiter stellt sich die
Frage, ob Juden in der kommunistischen Bewegung eher Mitläufer oder
Leitungsfunktion hatten. Letzteres trifft zu. Leo Trotzki in der UdSSR, Bela
Kun in Ungarn.
Nicht zu vergessen die Münchner Räterepublik: Kurt Eisner, Eugen Leviné, Tobias
Achselrod und andere Juden waren hier als unbestrittene
Führungspersönlichkeiten tätig. Ein großes Aufsehen erregte damals das
Eindringen bewaffneter Rotgardisten in die Münchner Nuntiatur des späteren
Pacelli-Papstes. Er wurde von den Revolutionären mit einer auf die Brust
gehaltenen Pistole bedroht. Auch die Ende April 1919 von Rotgardisten
durchgeführte Erschießung von sieben Mitgliedern der
"Thule-Gesellschaft", die in enger Verbindung zur späteren NSDAP
stand, zeigt die Entschlossenheit des revolutionären Prozesses. Diese
Geiselerschießung, der die Londoner Times am 5. Mai 1919 eine Schlagzeile
gewidmet hatte, gab einem "giftigen Antisemitismus Nahrung und erzeugte
lange nachwirkende Rachegelüste".
Weiter könnte nach dem revolutionären Eifer und der Entschlossenheit der
jüdischen Kommunisten gefragt werden. Nun, diese revolutionäre Elite meinte es
wirklich ernst, so äußerte Franz Koritschoner von der KPÖ: "Zu lügen und
zu stehlen, ja auch zu töten für eine Idee, das ist Mut, dazu gehört
Größe." Grigori Sinowjew verkündete 1917: "90 von 100 Millionen
Sowjet-Russen müssen mitziehen. Was den Rest angeht, so haben wir ihnen nichts
zusagen. Sie müssen ausgerottet werden." (S.138). Ähnlich auch hat Moisei
Wolodarski formuliert: "Die Interessen der Revolution erfordern die physische
Vernichtung der Bourgeoisie." (S.138). Ganz ähnlich auch Arthur Rosenberg
im Jahre 1922: "Die Sowjetmacht hat die Pflicht, ihre unversöhnlichen
Feinde unschädlich zu machen." (S.163).
Zweifellos waren diese Äußerungen kommunistischer jüdischer Revolutionäre keine
leeren Drohungen. Das war Ernst. Das war tödlicher Ernst. Nach einer von
Churchill 1930 vorgetragenen statistischen Untersuchung eines Professors sollen
den Sowjets bis 1924 folgende Menschen zum Opfer gefallen sein: 28 orthodoxe
Bischöfe, 1.219 orthodoxe Geistliche, 6.000 Professoren und Lehrer, 9.000
Doktoren, 12.950 Grundbesitzer, 54.000 Offiziere, 70.000 Polizisten, 193.000
Arbeiter, 260.000 Soldaten, 355.000 Intellektuelle und
Gewerbetreibende sowie 815.000 Bauern.
Ein besonders grausames Kapitel war das Niederringen jeglichen Widerstandes
gegen die Zwangskollektivierung in der Ukraine. Unter maßgeblicher Beteiligung
jüdischer Tschekisten fanden hier weit über 10 Millionen Menschen den Tod. Die
meisten gingen an Hunger zu Grunde.
Keinesfalls darf die ausgesprochen antikirchliche und antichristliche
Ausrichtung der bolschewistischen Revolution unterschlagen werden, wie es in
den meisten Schulbüchern der Fall ist. Tatsächlich hat der Bolschewismus mit
seinem kriegerischen Atheismus die umfassendste Christen- und
Religionsverfolgung der Geschichte durchgeführt. Nach einer von russischen
Behörden erstellten Statistik wurden zwischen 1917 und 1940 96.000 orthodoxe
Christen, darunter Priester, Diakone, Mönche, Nonnen und andere Mitarbeiter
nach ihrer Verhaftung erschossen.
Weder die orthodoxen Kirchen oder Klöster wurden verschont. Die Baulichkeiten
wurden entweder zerstört oder für profane Zwecke genutzt. So wurden Kirchen zu
Clubs, Kaufläden oder Speichern umgewandelt. Das Gold und das Silber der
sakralen Schätze der orthodoxen Kirche verwendete man zur Finanzierung
weltweiter revolutionärer Bewegungen.
Wie ging es den religiösen Juden selbst in der frühen Sowjetunion? Auch sie
waren der Verfolgung durch die Bolschewisten ausgesetzt. An der Spitze der bolschewistischen
sogenannten Gottlosen-Bewegung stand ausgerechnet Trotzki. Er leugnete damals
sein Judentum, wurde aber von den Russen und weltweit als Jude wahrgenommen.
Meine Damen und Herren,
wir haben nun gesehen, wie stark und nachhaltig Juden die revolutionäre
Bewegung in Rußland und mitteleuropäischen Staaten geprägt haben. Das hat auch
den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson 1919 zu der Einschätzung
gebracht, die bolschewistische Bewegung sei "jüdisch geführt". Mit
einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten
dieser ersten Revolutionsphase nach der "Täterschaft" der Juden
fragen. Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei
den
Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger
Berechtigung als "Tätervolk" bezeichnen. Das mag erschreckend
klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als
Tätervolk bezeichnet.
Meine Damen und Herren,
wir müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der
Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt.
Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber
meist glühende Hasser jeglicher Religion. Ähnliches galt für die
Nationalsozialisten. Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen
Elternhaus. Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden der
christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes Element des
Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche
Ausrichtung und die Gottlosigkeit. Daher sind weder "die Deutschen",
noch "die Juden" ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen:
Die Gottlosen mit ihren gottlosen
Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. Diese
gottlosen Ideologien gaben den "Vollstreckern des Bösen" die
Rechtfertigung, ja das gute Gewissen bei ihren Verbrechen. So konnten sie sich
souverän über das göttliche Gebot "Du sollst nicht morden"
hinwegsetzen. Ein geschichtlich bisher einmaliges millionenfaches Morden war
das Ergebnis. Daher, meine Damen und Herren, plädiere ich entschieden für eine
Rückbesinnung auf unsere religiösen Wurzeln und Bindungen. Nur sie werden
ähnliche Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben. Die
christliche Religion ist eine Religion des Lebens.
Christus hat gesagt: "Ich will, daß sie das Leben haben und daß sie es in
Fülle haben" (Joh 10, 10). Damit ist nicht nur das jenseitige, sondern
ganz konkret unser reales heutiges Leben und Überleben gemeint. Deswegen ist es
auch so wichtig, daß wir den Gottesbezug in die europäische Verfassung
aufnehmen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben also gesehen, daß der Vorwurf
an die Deutschen schlechthin, "Tätervolk" zu sein, an der Sache
vorbeigeht und unberechtigt ist. Wir sollten uns in Zukunft gemeinsam gegen
diesen Vorwurf wehren. Unser Leitspruch sei:
Gerechtigkeit für Deutschland,
Gerechtigkeit für Deutsche.
Ich komme zum Schluß und sage: Mit Gott in eine gute Zukunft für Europa! Mit
Gott in eine gute Zukunft besonders für unser deutsches Vaterland!
P.S. Seitenzahlen ohne nähere Angabe beziehen sich auf das Buch "Jüdischer
Bolschewismus" Mythos und Realität von Johannes Rogalla von Bieberstein.
(Ende des Zitats aus "tagesschau.de".)
* * * *
Die Rede wurde in Neuhof bei Fulda gehalten - es ist der Wahlkreis des
Bundestags-abgeordneten Martin Hohmann (CDU). Jedes Jahr am 3. Oktober hält er
dort eine Ansprache. Anschließend gibt es eine kleine Feierstunde. Er war vor
seiner Bundestagszeit in Berlin dort in Neuhof über etliche Jahre
Bürgermeister. Die Stadt Neuhof ist auch offizieller Veranstalter der
3.Oktober-Feier. Es waren 200 bis 250 Teilnehmer zugegen.