Wir haben uns daran gewöhnt, daß in der Öffentlichkeit das Tabu der Abtreibung längst gebrochen ist. In Zeitungen und Illustrierten bekennen mehr oder weniger bekannte Größen aus Politik und Showgeschäft und Gesellschaft: "Ich habe abgetrieben". Bei jeder sich bietenden Gelegenheit tut sich beispielsweise Jutta Dithfurt damit hervor, nach lustvollen Sexerlebnissen abgetrieben zu haben. Da ist es eine geradezu unvorstellbare Überraschung, wenn im Anzeigenteil der sicherlich unverdächtigen "taz" eine schwarz umrandete Todesanzeige erscheint. "Vor sieben Jahren ist unsere Tochter Viviane Zoe durch Abtreibung ums Leben gekommen. Viviane wäre heute 6 Jahre alt." Und dann zeigen Mutter, Vater und Sohn Leo im Jahr 1994 den Lesern an: "Wir meinten damals, Viviane in unserem Leben keinen Raum geben zu können. nichts von dem, was wir heute darüber denken und empfinden, kann ihren Tod ungeschehen machen." Die Redaktion der "taz" hat sich dem Vernehmen nach nicht leichten Herzens, und erst nach heftigen Diskussionen zum Abdruck der Anzeige entschieden, wohl wissend, daß so ein Text in einem links-alternativen Blatt für einen Sturm der Entrüstung sorgen würde. Die öffentliche Anklage und Selbstbezichtigung macht betroffen. Sie ist weiß Gott nicht dazu angetan, damit nun triumphierend bei anderen Schuldgefühle zu erzeugen oder gar Genugtuung bei denen zu wecken, die sagen, das immer schon gewußt zu haben. Vielleicht ist es die ganz persönliche Aufarbeitung von Schuld, die sich in diesen Zeilen verbirgt. Vielleicht auch die inständige Bitte an andere "Tu es nicht". Da meldet sich eine Frau zu Wort, die bitter erlebt, daß Abtreibung auch noch nach Jahren Verlust bedeutet. Deswegen kann für Frauen in not nicht genug getan werden. Auch die Kirche muß sensibel und großzügig helfen. Dann wird sie auch damit leben können, daß ihre eindringlichen Appelle über die Tötung des wachsenden Lebens mißverstanden oder gar verhöhnt werden. So wie es wieder im Kölner Stadtanzeiger geschah, der den Fuldaer Erzbischof Dyba als "Ayathollah" der Abtreibungsgegner vorführte. Für eine seriöse Zeitung ist das weit unter der berühmten Gürtellinie. Den Andersdenkenden darf man nicht wie Freiwild behandeln. Jene Verse aus dem Psalm 139, welche die Traueranzeige der "taz" einleiteten, kommen aus der Einstellung, die nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun hat, wohl aber um Zusammenhänge weiß: "Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war." Erich Läufer, Neue Bildpost
Im Rahmen einer Serie unter der Überschrift 'Ich bereue' geht die in Deutschland bekannte und beliebte Schlagersängerin Wencke Myhre auf die Abtreibung ihres fünften Kindes ein. Sie nimmt keinen religiösen Bezug, ist also vermutlich keine Christin. Sonst wüßte Sie wohl auch etwas über die Möglichkeit der Vergebung. Dieses Zeugnis zeigt, wie sehr eine Frau sich durch Abtreibung selbst schadet. (Kritiker, Forumsname bei www.profa.de)
Verzweifelung noch nach vier Jahren "Ich weine um mein fünftes Kind. Ich habe es abgetrieben. Ich bereue es wie ein Hund. Dass ich, die ich Kinder liebe und vier Kinder habe, dass ich ein Kind abtreiben ließ, kann ich heute noch nicht fassen. Noch heute, vier Jahre danach, empfinde ich Trauer, Reue und Verzweifelung, wenn ich daran denke. Es war im Spätherbst 1985. Michael (Pfleghar) steckte voll in der Arbeit für seine Fernsehshow zum 100. Geburtstag des Autos. Reiste quer durch die Welt. Auch ich kämpfte wie ein Löwe gegen den Zeitdruck. Und mitten in all dem war ich schwanger, ohne es geplant zu haben. Ich war im zweiten Monat. Ich sprach mit Michael. Er sagte, er fühle sich mit 52 zu alt, um noch einmal Vater zu werden. Ich war damals 38. Michael sagte, dass ich das Kind nicht austragen sollte. Damit stand ich jetzt ganz allein. Ich handelte mehr oder weniger in Trance, traf allein die Entscheidung, die ich heute wie keine andere Entscheidung in meinem Leben bereue. Ich würde sonst was bezahlen, wenn ich sie rückgängig machen könnte. Ich bin überzeugt, dass viele andere wie ich innerlich jahrelang weinen, nachdem sie eine solche Entscheidung getroffen haben. Es tut immer noch so weh, wenn ich jetzt darüber spreche. Weil ich glaube, damit anderen Frauen zu helfen. Mein Rat: Überlegt es sehr genau. Ich habe danach eine furchtbare Zeit gehabt. Ich bereue es."
(Quelle: Myriam, warum weinst Du?, Verlag Stifung Ja zum Leben Mütter in Not)