Deutscher Staatsbürger
Der Deutsche Staatsbürger läßt im allgemeinen
die Obrigkeit für sich denken und handeln.
Er hat sich Kritik nicht abgewöhnt, aber seine
Stimme ist so leise, daß sie nicht mehr als Kritik
verstanden und ernst genommen werden kann.
Kritik wird von der Obrigkeit formuliert und dem
Deutschen in den Mund gelegt.
Damit ist alles in bester demokratischer Ordnung.
Ob Masseneinwanderung,
Massenabtreibung,
Massenabkehr von Gottes schützenden Geboten:
Alles hat seinen Sinn, alles ist notwendig, alles geschieht
im Namen der Demokratie, der Liberalität, der Humanität,
des Fortschritts und der Toleranz.
Toleranz ist das größte Zauberwort jeder Demokratie
und jeder gute Demokrat hat es bei jeder passenden Gelegenheit
im Munde zu führen.
In der Demokratie gilt eine echte Oase als undemokratisch,
jedoch eine Fata-Morgana,
- an der man sich gegen viel Geld mit Leere und Sorgen
und Beräubung betrinken kann - als modern und zeitgemäß.
Eine Demokratie zählt nur die Toten und verletzten der
Vergangenheit. Vom gegenwärtigen Elend will sie nichts wissen.
Auch wenn sie ab und an viel Wind um die Armen in der Welt macht,
die innere Armut des Menschen im eigenen Land findet keine Erwähnung.
Man soll sich am Gabentisch des Konsums stärken!
Man soll sich aktuell in den Medien informieren, um als mündiger Bürger zu gelten.
Das Zeitlose ist ohne nennenswerte Bedeutung, das Zeitliche
wird mit dem Zeitgeist gehegt und gepflegt.
Von Fragen bedrängt antwortet ein guter Demokrat schlagfertig:
"Kennst du was besseres als die Demokratie?!"
Hinter diesem Ausspruch kann man sich hervorragend verbergen
und braucht seine bequeme Position nicht zu verlassen.