Dümmliche
Schlagermaschinerie
Es mag manch schöne Schlagermelodie
geben, aber an Dümmlicheit sind die
meisten Texte doch kaum zu überbieten.
Wäre es nicht allerhöchste Zeit mal
vernünftige Texte zu komponieren,
z.B. schöne Gedichte zu vertonen?!
Ich erinnere mich an eine
Westerwälder Schülergruppe,
die in den 80er Jahren ein
Gedicht von Kurt Tucholsky,
Augen in der Großstadt,
vertonte und in ihrem näheren
Umkreis, Westerburg, spielte. Wir
waren damals begeistert und bis
heute ist mir die Erinnerung
daran geblieben.
Augen in der Großstadt
Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen gesichter:
Zwei fremde Augen,
ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Brau, Pupillen, die Lider -
Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück....
vorbei, verweht, nie wieder.
Du muß auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampf die
Genosse sein.
Es sieht hinüber
und zieht vorüber...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.
Kurt Tuckolsky