Gegen Verhütung und Homosexuelle
Als Kardinal vertrat Ratzinger konservative Positionen
Ratzingers konservative Positionen sorgten gerade in Deutschland für viel Widerspruch. (Foto: dpa) Hamburg - Vor seiner Wahl zum Papst schieden sich an Kardinal Joseph Ratzinger die Geister. Mit konservativen Positionen stieß der Präfekt der Glaubenskongregation des Vatikans gerade in seiner deutschen Heimat auf Widerspruch. Mit klaren Worten verschaffte er sich aber auch Respekt. Noch unmittelbar vor dem Konklave wandte sich Ratzinger gegen einen Relativismus, der nichts als definitv anerkenne.
Abtreibung ist aus Sicht Ratzingers eine schwere Sünde. Gesetze, die einen Schwangerschaftsabbruch erlauben, kritisierte er als Kultur des Todes. Im Konflikt zwischen Papst Johannes Paul II. und deutschen Bischöfen um die Schwangerschaftskonfliktberatung galt Ratzinger als treibende Kraft. Ergebnis war der erzwungene Ausstieg der katholischen Caritas aus dem staatlichen Beratungssystem.
Ehe und Familie: Als Sinn der Ehe bezeichnete es Ratzinger, der Menschheit Dauer zu sichern. Dies gelte nicht nur biologisch, sondern auch in einem weiter gefassten Sinn mit der Familie als Zelle der Gemeinschaftsbildung. Empfängnisverhütung wurde von Ratzinger wiederholt kritisiert. Damit werde Sexualität von der Fruchtbarkeit abgekoppelt, die aber der ursprüngliche Zweck und das Ziel des Geschlechtsaktes sei. Eine Wiederheirat Geschiedener lehnte Ratzinger ab; entsprechend dürften sie auch nicht zur Kommunion gehen.
Europäische Union: Der Kardinal trat für einen Gottesbezug in der EU-Verfassung ein. Es beleidige andere Religionen nicht, wenn im Verfassungstext von Christentum die Rede sei, sondern viel eher, wenn Glaube und Religion in Europa einfach als irrelevant behandelt würden.
Frauen und Kirche: Ein Priestertum der Frau war für Ratzinger nicht mit der katholischen Glaubenslehre vereinbar. Auch eine Aufhebung des Zölibats, des Gebots der Ehelosigkeit katholischer Priester, kam für ihn nie in Frage.
Gentechnik: Ratzinger kritisierte genetische Manipulationen oder das Klonen menschlicher Embryos als Angriff auf die Menschenwürde. Auch angebliche "gute Zwecke" könnten nicht rechtfertigen, "was nicht zu rechtfertigen ist".
Homosexuelle: Eine staatliche Anerkennung homosexueller Beziehungen lehnte Ratzinger als eine Relativierung der Ehe ab. Auch verstießen homosexuelle Handlungen gegen das Moralgesetz der Natur, heißt es in einem Dokument der von Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation.
Irak: Der Irak-Krieg wurde von Ratzinger kritisiert. Ein einseitiger Angriff der USA sei nicht zu rechtfertigen. Später mahnte der Kardinal, der Irak dürfe nicht einer einzigen Macht überlassen werden.
Islam: Ratzinger setzte sich für einen Dialog mit dem Islam und anderen nichtchristlichen Religionen ein. Dabei bezeichnete er den festen Glauben vieler Muslime als eine Herausforderung an die Christen. Zugleich betonte der Kardinal die Wahrung der Identität der katholische Kirche, die gerade im Dialog mit anderen Religionen gestärkt werden solle. Ein Kopftuchverbot für muslimische Frauen lehnte er ab. Es müsse generell möglich sein, Religiosität im öffentlichen Raum zu zeigen. Der Kardinal wandte sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei und begründete dies mit deren islamischem Fundament.
Ökumene: Gleich in seiner ersten Predigt bekannte sich der neue Papst zu Ökumene und theologischem Dialog. Als seine vorrangige Aufgabe betrachte er dabei die Wiederherstellung der sichtbaren Einheit aller Christen. Als Kardinal setzte Ratzinger ökumenischer Zusammenarbeit jedoch klare Grenzen. Gemeinsame Abendmahlsfeiern mit evangelischen Christen lehnte er ab. Auch beharrte er auf einer Überlegenheit der katholischen Kirche. Den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin kritisierte Ratzinger als konturenlos.
Soziales: Ratzinger wandte sich wiederholt gegen eine Materialisierung des menschlichen Lebens und eine "Habsucht-Gesellschaft". Er bekannte sich zur Solidarität mit Bedürftigen, warnte jedoch vor einer Politisierung der Religion. Daher ging er gegen die Befreiungstheologie in Lateinamerika vor. (fw/AFP)