Umstrittenes Papst-Buch ist im Handel
Homosexuellen-Verband sieht "aggressivem Hass"
In den Läden: Das neue Buch des Papstes. (Foto: AFP)
Bild vergrößern Augsburg/Rom - Begleitet von weiterer Kritik ist das neue Buch von Papst Johannes Paul II. in die Buchläden gekommen. Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes, Manfred Bruns, nannte es "bestürzend, mit welch aggressivem Hass sich der Papst gegen die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen wendet."
In dem Buch geht es um Themen wie Demokratie, Freiheit und Frieden aus christlicher Sicht. Es basiert auf Gesprächen, die der Papst mit zwei polnischen Philosophen geführt hatte. Wie die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild mitteilte, startete das fünfte Buch von Johannes Paul II. mit dem Titel "Erinnerung und Identität" in Deutschland mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren.
Es sei eine "unerträgliche Entgleisung", dass der Papst die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren als "neue Ideologie des Bösen" denunziere und eine Linie zu den Verbrechen der Nationalsozialisten ziehe, sagte Bruns. Er forderte die deutschen Bischöfe auf, sich von der "menschenverachtenden Sprache" des Papstes zu distanzieren.
Die Kritik entzündet sich am 22. Kapitel, in dem es um "zeitgenössische Demokratie" geht und in dem der Papst die Judenvernichtung im Dritten Reich in die Nähe der Abtreibung rückt. Ein ganz normales Parlament habe Adolf Hitler im Deutschland der 30er Jahre an die Macht gebracht, heißt es dort. Es habe damit den Weg frei gemacht für Hitlers Invasionspolitik, für die Organisation der Konzentrationslager und für die Massenvernichtung von Menschen.
Vor diesem Hintergrund müssten bestimmte parlamentarische Beschlüsse hinterfragt werden, die Abgeordnete in gegenwärtigen Demokratien träfen, erklärt der Papst in seinem Buch. Dazu falle einem sofort die Gesetzgebung zur Abtreibung ein.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte das Buch bereits im Vorfeld scharf kritisiert. Die "Spitze der Katholischen Kirche" habe nicht begriffen oder wolle nicht begreifen, dass der Holocaust nicht mit der Abtreibung verglichen werden könne, sagte Zentralrats-Präsident Paul Spiegel in einem Interview. Papst Johannes Paul II. hatte die Judenvernichtung schon bei einer Polen-Reise 1991 mit der Abtreibung verglichen. (AFP)
Der Zentralrat der Juden wird es niemals dulden, daß
irgendein Unrecht dem Unrecht an den Juden gleicht.
Damit aber verhöhnt der Zentralrat der Juden alle nichtjüdischen Opfer der Vergangenheit
und Gegenwart in der ganzen Welt!