Testament Friedrichs des Großen:
"Unser Leben ist ein flüchtiger Übergang
von dem Augenblick der Geburt zu dem des Todes. Die Bestimmung des Menschen
während dieses kurzen Zeitraumes ist, für das Wohl der Gesellschaft, deren
Mitglied er ist, zu arbeiten. Seitdem ich zur Handhabung der öffentlichen
Geschäfte gelangt bin, habe ich mich mit allen Kräften, welche die Natur mir
verliehen hat, und nach Maßgabe meiner geringen Einsichten besterbt, den
Staat, welchen ich die Ehre gehabt habe
zu regieren, glücklich und blühend zu machen. Ich habe Gesetze und
Gerechtigkeit herrschen lassen; ich habe Ordnung und Pünktlichkeit in die
Finanzen gebracht; ich habe in der Armee jene Manneszucht eingeführt, wodurch
sie vor allen übrigen Truppen Europas den Vorrang erhalten hat. Nachdem ich so
meine Pflichten gegen den Staat erfüllt habe, würde ich mir unablässig einen
Vorwurf machen müssen, wenn ich meine Familienangelegenheiten vernachlässigte.
Um also allen Streitigkeiten, die unter meinen nächsten Verwandten über meinen Nachlaß
sich erheben könnten, vorzubeugen, erkläre ich durch diese feierliche Urkunde
meinen letzten Willen. (....) Ich gebe gern und ohne Bedauern diesen
Lebenshauch, der mich beseelt, der wohltätigen Natur (Anmerkung: Leider spricht
Friedrich der Große nicht von Gott, sondern nur von der Natur!), die ihn mir
geliehen hat, meinen Körper aber den Elementen, aus welchen er zusammengesetzt
ist, zurück. Ich habe als Philosoph gelebt und will auch als solcher begraben
werden, ohne Prunk, ohne Pracht, ohne Pomp. Ich mag weder geöffnet noch
einbalsamiert werden. Man setze mich in Sanssouci oben auf der Terasse in eine
Gruft, die ich mir habe bereiten lassen.
(...) Meine letzten Wünsche in dem Augenblicke, wo ich den letzten Hauch
von mir gebe, werden für die Glückseligkeit meines Reiches sein. Möge es stets
mit Gerechtigkeit, Weisheit und Nachdruck regiert werden, möge es durch die
Milde seiner Gesetze der glücklichste, möge es in Rücksicht auf die Finanzen,
der am besten verwaltete, möge es durch sein Heer, das nur nach Ehre und edlem
Rhme strebt, der am tapfersten verteidigte Staat sein! O möge es in höchster
Blüte bis an das Ende der Zeit fortdauern!"
Was ist aus seinem Reich geworden?!