"Es ist schön, Christ zu sein"

Erstes offizielles Interview von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hofft, dass ein "Schwung neuen Glaubens durch die Jugend geht". (Foto: AP) Rom - Papst Benedikt XVI. hat der deutschen Redaktion von Radio Vatikan vor Beginn des Weltjugendtages ein erstes offizielles Interview gegeben, das am Sonntagnachmittag ausgestrahlt wurde. Im folgenden einige Passagen im Wortlaut:

Radio Vatikan: "Heiliger Vater, Sie haben am 25. April gesagt: Ich freue mich auf Köln. Können Sie diese Freude ein bisschen konkretisieren?"

Papst: "Ja - in vieler Hinsicht, erstens habe ich im Rheinland schöne Jahre verbracht, so dass ich mich einfach freue, wieder mal den Charakter des Rheinlands zu atmen, diese weltoffene Stadt und all das, was damit verbunden ist. Dann überhaupt, dass die Vorsehung es gewollt hat, dass meine erste Auslandsreise nach Deutschland geht. Ich hätte nicht gewagt, das einzurichten. Aber wenn einem der liebe Gott das sozusagen antut, darf man sich darüber freuen. Und auch, dass diese erste Auslandsreise eine Begegnung mit jungen Menschen aus aller Welt ist (...)."

Radio Vatikan: "Heiliger Vater, können Sie sagen, was Sie der Jugend der Welt vor allem vermitteln wollen?"

Papst: "Ja - ich möchte ihnen zeigen, dass es schön ist, ein Christ zu sein, denn es besteht ja weithin die Idee, Christentum sei eine Menge von Geboten und Verboten, Gesetzen, die man einhalten muss und dergleichen und insofern etwas Mühseliges und Belastendes. Man sei freier, wenn man diese Last nicht habe. Ich möchte demgegenüber deutlich machen: Sozusagen von einer großen Liebe und Erkenntnis getragen zu sein, ist nicht etwa ein Gepäck, sondern sind Flügel, und es ist schön, ein Christ zu sein (...)."

Radio Vatikan: "Heiliger Vater, Sie haben auch gesagt: 'Die Kirche ist jung', sie ist nichts Altes. Können Sie noch ein bisschen genauer sagen, was Sie damit meinen?"

Papst: "Ja - sie ist zunächst jung - sagen wir - in dem biologischen Sinn, dass ihr sehr viele junge Menschen angehören. Sie ist aber auch in dem Sinne jung, dass ihr Glaube sozusagen aus dem frischen Quell Gottes selber kommt, von daher wo das wirklich Neue und Erneuernde da ist. Das ist nicht eine abgestandene Kost, die wir seit 2000 Jahren haben und die immer wieder aufgekocht wird, sondern Gott selbst ist der Quell aller Jugend und allen Lebens."

Radio Vatikan: "Sie kennen ja die Kirche in Deutschland besser als ich und wir alle, und da kommt die Frage nach der Ökumene, nach der Kircheneinheit zwischen der katholischen und den evangelischen Kirchen, eine zentrale Frage. Und es gibt vielleicht utopische Hoffnungen, dass der Weltjugendtag einen Durchbruch in Sachen Ökumene bringen könnte?"

Papst: "(...) Die konkreten ökumenischen Gespräche sind natürlich nicht so groß geschrieben, weil es ja vor allem eine Begegnung von katholischen jungen Menschen aus der ganzen Welt ist (...). Ich werde eine Begegnung mit unseren evangelischen Freunden haben, und wir werden leider wenig Zeit haben, weil das 'Gepäck' des Tages sehr groß ist, aber doch immerhin etwas Zeit haben, uns zu besinnen, wie es weitergehen soll."

Radio Vatikan: "Kann man - als letzte Frage - ein Idealziel des Weltjugendtages in Köln formulieren? Was wäre das Ziel, wenn es ganz, ganz toll laufen würde?"

Papst: "Ja - nun, dass eben ein Schwung neuen Glaubens durch die Jugend geht - vor allem auch durch die Jugend in Deutschland und in Europa. Wir haben in Deutschland immer noch große christliche Institutionen. Es geschieht viel Christliches, aber es gibt auch eine sehr große Müdigkeit, und wir sind so sehr mit Strukturfragen beschäftigt, dass der Schwund und die Freude des Glaubens fehlen. Wenn dieser Schwung, das Frohsein, dass wir Christus kennen, wieder neu aufleben würde und der Kirche in Deutschland und auch Europa eine neue Dynamik gäbe, dann denke ich, wäre das Ziel des Weltjugendtages erreicht."